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28.12.2009
 

Qaida im Jemen

"Greift ihre Flugzeuge mit Bomben an!"

Von Yassin Musharbash

Wollen die Qaida-Kämpfer von der Arabischen Halbinsel auch im Westen zuschlagen? Der vereitelte Anschlag auf einen US-Jet deutet darauf hin. Sicher ist: Bin Ladens Leute im Jemen und Saudi-Arabien sind einfallsreich, erfahren - und riefen schon im Oktober zu Anschlägen auf westliche Flugzeuge auf.


Berlin - Als der 23-jährige Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab nach seinem vereitelten Anschlag auf einen US-Jet in Detroit am ersten Weihnachtsfeiertag aussagte, er habe im Auftrag von al-Qaidas Filiale auf der Arabischen Halbinsel gehandelt, blieben viele Terrorexperten und Geheimdienstanalysten zunächst skeptisch. Schließlich hatte der Ableger von Osama Bin Ladens Terrornetzwerk im Jemen und in Saudi-Arabien nie zuvor Anschläge im Westen durchgeführt.

Mittlerweile sieht das etwas anders aus.

Zwar gibt es immer noch keine öffentlich bekannten Beweise dafür, dass der Student die Wahrheit sagt. Aber Abdulmutallab hat so viele Details genannt, dass seine Geschichte an Glaubwürdigkeit gewonnen hat. So sagte er aus, dass er per Internet Kontakt zu einem radikalen Imam im Jemen aufnahm und auf dessen Vermittlung hin etwa einen Monat bei Qaida-Kämpfern in dem Land verbracht habe. Dort habe man ihn instruiert und ihm den Sprengstoff ausgehändigt.

Das klingt plausibel. Und es klingt noch wahrscheinlicher, wenn man sich, wie es viele eben jener Analysten und Experten seit Weihnachten nachgeholt haben, noch einmal genau ansieht, was " Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" in den vergangenen Monaten publiziert hat.

"Ihre Flugzeuge, ihre Wohnanlagen, ihre Züge..."

Ende Oktober 2009 zum Beispiel veröffentlichte die Filiale die elfte und bislang letzte Ausgabe ihres alle zwei Monate erscheinenden Online-Magazins "Echo der Schlachten". Der zweite Beitrag, verfasst vom Anführer Nasir al-Wuhaischi, klingt im Rückblick wie eine finstere Andeutung.

So schrieb der Jemenit an seine Sympathisanten: "Es ist nicht aufwendig für dich, zehn Gramm Sprengstoff oder etwas mehr oder etwas weniger herzustellen. Es dauert auch nicht lange, die Zutaten zu besorgen - du findest sie in der Küche deiner Mutter." Jede Form von Terroranschlägen könne man so vorbereiten, den Sprengstoff in einen Gürtel einnähen, in einem Bilderrahmen, einer Brieftasche oder einem elektronischen Gerät verstecken. Und dann sei es ein Leichtes, "einen Despoten, Geheimdienstler, Minister oder Kreuzfahrer" in die Luft zu sprengen.

Und: Auch "die Flughäfen in den westlichen Kreuzfahrerstaaten, die am Krieg gegen die Muslime beteiligt sind" seien ein lohnendes Ziel. Ebenso "ihre Flugzeuge, ihre Wohnanlagen, ihre Züge, oder, oder, oder..."

Hinzu kommt eine zweite mögliche Andeutung von Anschlagsplanungen im Westen. So hatte wenige Tage vor Weihnachten ein Qaida-Kämpfer im Jemen öffentlich erklärt: "Wir tragen eine Bombe, um die Feinde Gottes zu treffen." Das vorrangige Ziel al-Qaidas seien "die USA und ihre Agenten".

Muss der Westen seinen Blick auf al-Qaida ändern?

Die US-Behörden sind derzeit fieberhaft dabei, die Jemen-Connection aufzuklären. Sollten sich die Aussagen des Detroit-Attentäters bewahrheiten, müsste der Westen insgesamt seine bisherige Einschätzung anpassen. Denn bislang war die Annahme, dass die Qaida-Filialen auf der Arabischen Halbinsel, in Nordafrika und im Irak ausschließlich regional agieren. Internationale Qaida-Anschläge, zumal im Westen, hingegen von Afghanistan oder Pakistan aus organisiert werden.

Dabei ist die wachsende Bedeutung des Jemen als Terrornest nicht verborgen geblieben. Die USA tragen dem bereits seit einiger Zeit Rechnung, indem sie die Zentralregierung in Sanaa massiv unterstützen - was freilich den Hass der Dschihadisten nur anfeuert. Selbst mit Cruise Missiles wurden mutmaßliche Qaida-Lager im Jemen in den vergangenen Wochen beschossen. Offiziell war dies eine Operation der jemenitischen Luftwaffe, aber die Beteiligung der USA liegt auf der Hand. Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel hat die Luftschläge als Massaker bezeichnet - und am Sonntag Vergeltung angekündigt, in Form von Anschlägen auf US-Einrichtungen.

Der Aufstieg von al-Qaida auf der Halbinsel ist in Wahrheit ein Wiederaufstieg: In den Jahren 2003/04 entfesselten die Dschihadisten in Saudi-Arabien eine regelrechte Terrorkampagne mit Dutzenden schweren Anschlägen, Morden und Geiselnahmen. Hier, und nicht im Irak, ließ al-Qaida die erste westliche Geisel vor laufender Kamera enthaupten. Doch als der Anführer Abd al-Asis al-Mukrin getötet wurde, ebbte die Serie ab.

Im Jemen wiederum gab es stets eine Vielzahl von Qaida-Anhängern, nicht zuletzt, weil Bin Ladens Familie ursprünglich aus dem Land stammt. Aber die Regierung hatte sie einigermaßen im Griff - und sie waren schlecht organisiert.

Ein Ausbrecher und ein Ex-Guantanamo-Insasse

Das änderte sich 2006, als bei einem spektakulären und dubiosen Gefängnisausbruch 23 Terroristen fliehen konnten. Einer war Wuhaischi. Im Juni 2007 gab sich der ehemalige Afghanistan-Kämpfer als neuer Anführer der jemenitischen al-Qaida zu erkennen. Aiman al-Sawahiri, Bin Ladens Nummer Zwei, bestätigte die Personalie.

Wuhaischis Vize wurde später Said Ali al-Shihri, ein besonders erfahrener Mann. Er war ein enger Gefährte Osama Bin Ladens, absolvierte 2000/01 eine Terrorausbildung in Afghanistan. Ende 2001 wurde er an der Grenze zu Pakistan verhaftet und als einer der ersten nach Guantanamo Bay überstellt. In dem US-Gefangenenlager auf Kuba verbrachte er als Häftling Nummer 372 fast sechs Jahre. 2007 wurde er nach Saudi-Arabien überstellt; er durchlief das dortige staatliche Rehabilitationsprogramm - nur um sich danach in den Jemen und zu al-Qaida abzusetzen.

Im Januar 2009 vereinigten sich der saudische und der jemenitische Ableger. Seitdem haben Wuhaischi und Shihri und ihre auf wenige hundert geschätzten Kämpfer (unter denen mehrere Ex-Guantanamo-Insassen sind) eine Vielzahl schwerer Anschläge verantwortet: Sie töteten südkoreanische Touristen, griffen die US-Botschaft in Sanaa an und organisierten ein Attentat auf den saudischen Innenstaatssekretär. Letzteres ist ein Beispiel für den Einfallsreichtum der Gruppe, denn der Selbstmordattentäter hatte seinen Sprengstoff in seinem After versteckt und überwand so die Sicherheitskontrollen.

Im Jemen herrsche nahezu ideale Bedingungen

Experten sagen den Terroristen auf der Halbinsel schon lange nach, dass sie insbesondere im Bombenbau kompetent sind. Der vereitelte Anschlag von Faruk Abdulmutallab könnte ein weiteres Beispiel sein, denn auch sein Zwei-Komponenten-Sprengstoff wurde nicht entdeckt. Angeblich hatte er die Substanz in seine Unterhose eingenäht.

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insgesamt 471 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.01.2010 von papalutz:

Warum eigentlich hört und liest man in allen Mainstream-Medien nur, dass die USA den Jemen ins Fadenkreuz nehmen, bzw. planen da eventuell und vielleicht tätig zu werden, wenn sie doch schon längst an dortigen Kampfaktionen gegen [...] mehr...

11.01.2010 von Urquhart:

Dazu gab es auch wenig Gelegenheit. Umso mehr holen sie das jetzt nach. mehr...

11.01.2010 von nixkapital: Oh ha...

Dazu muss man jetzt aber nicht Rechtsanwalt sein, um das zu kapieren. Der Forist sprach von britischen "Agents provocateurs", die - als Araber verkleidet - offensichtlich Sprengsätze zünden wollten, um die öffentliche [...] mehr...

11.01.2010 von Urquhart: Liedzeile

Genau das besagt die Liedzeile eben nicht. Wenn Sie das beinhalten würde, was Sie ignorant unterstellen, dann hieße es auch "Deutschland, Deutschland über alle*m*!" oder noch präziser "Deutschland, Deutschland [...] mehr...

11.01.2010 von ergoprox:

So ungefähr. Diese Terrorpanik. Man schaue sich die tatsächlichen Todesfälle in den (angeblich) bevorzugten Zielländern an. In den Staaten kamen auf die letzten 30 Jahre gerechnet wahrscheinlich 500x mehr Menschen in [...] mehr...

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