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22.01.2010
 

Wiederaufbau

Weltwährungsfonds fordert Marshall-Plan für Haiti

Frau zwischen Trümmern in Port-au-Prince: Marshall-Plan für Haiti?Zur Großansicht
Getty Images

Frau zwischen Trümmern in Port-au-Prince: Marshall-Plan für Haiti?

Neue Jobs, Schuldenerlass, Umsiedlung von Hunderttausenden: Die internationale Gemeinschaft feilt an den Wiederaufbauplänen für das zerstörte Haiti. Der Chef des Internationalen Währungsfonds plädiert für ein Programm nach dem Vorbild der Aufbauhilfe für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Port-au-Prince/New York - Knapp zehn Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti kommt die Hilfe für Millionen Bedürftige auf Touren. Nun beginnt die Diskussion über den Wiederaufbau in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre. Nach Ansicht des Uno-Sondergesandten Bill Clinton sind dafür vor allem Jobs notwendig. "Die USA haben mit solchen Programmen große Erfahrung in Nahost und in Afghanistan", sagte der frühere US-Präsident am Donnerstag bei den Vereinten Nationen in New York.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, forderte für Haiti Wiederaufbauhilfen nach dem Vorbild des Marshall-Plans. "Ich bin überzeugt, dass Haiti - das auf unglaubliche Weise von vielerlei getroffen wurde - etwas Großes braucht", sagte er in Hongkong. Der Marshall-Plan umfasste nach dem Zweiten Weltkrieg Kredite für das zerstörte Deutschland, aber auch Hilfen in Form von Nahrungsmitteln, Waren und Rohstoffen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, die Haitianer müssten die Tragödie, so weit es geht, in eine Chance umwandeln. Die ganze Welt stehe hinter ihnen und helfe beim Aufbau des zerstörten Landes. "Ich weiß, was das für eine große Herausforderung ist", sagte er. "Doch das Volk steht zusammen, und mit der internationalen Gemeinschaft werden wir diese Tragödie überstehen."

Ban hält die Anfangsprobleme der Helfer für überwunden. Auch das Rote Kreuz erklärte, Hilfe komme nun an. Allerdings ist die Verteilung der Hilfsgüter immer noch äußerst schwierig. Der Versuch der Deutschen Welthungerhilfe, Bohnen, Reis und Salz an Bedürftige zu verteilen, endete trotz guter Vorbereitung am Donnerstag in einem Tumult, bei dem junge Männer Frauen und Kinder abdrängten und die Hilfsgüter an sich rissen.

Ende der Rettungsphase

"Die Phase des Rettens ist jetzt fast abgeschlossen, jetzt muss die Versorgung der Menschen und vor allem der Wiederaufbau in den Mittelpunkt rücken", betonte auch der Uno-Generalsekretär. Dafür habe er mit Clinton drei Ziele festgesetzt. "Zum einen müssen wir den Menschen helfen und sie versorgen. Zum zweiten müssen wir für Sicherheit und Stabilität sorgen. Und drittens müssen wir uns an den Wiederaufbau machen und vor allem die Wirtschaft in Haiti wieder aufrichten."

Für den Wiederaufbau des verwüsteten Landes gibt es derzeit mehrere Ansätze:

  • Die Weltbank wird Haiti für fünf Jahre den Schuldendienst erlassen. Außerdem sucht die Organisation nach Angaben vom Donnerstag nach Möglichkeiten, ganz auf die Rückzahlung der gegenwärtigen Schulden Haitis von 38 Millionen Dollar verzichten zu können.
  • Der Internationale Währungsfonds (IWF) kündigte an, für einen geplanten Hilfskredit in Höhe von 100 Millionen Dollar für den Wiederaufbau, zumindest bis Ende kommenden Jahres keine Zinsen zu verlangen.
  • Clinton betonte, den Haitianern müsse wieder ein Grund zur Hoffnung gegeben werden. "Es ist wichtig, den jungen Leuten etwas Positives zu geben, an dem sie sich festhalten können. Viele Haitianer wollen mitmachen beim Aufbau ihres Landes. Geben wir ihnen diese Chance!" Deshalb hätten die Vereinten Nationen das "Cash for Work"-Programm gestartet. Dabei bekommen die Haitianer, die Trümmer räumen oder Straßen ausbessern, fünf Dollar (3,50 Euro) am Tag.
  • Die Regierung will Hunderttausende Menschen aus der zerstörten Hauptstadt vorübergehend umsiedeln. 500.000 obdachlos gewordene Menschen sollen in temporären Behausungen außerhalb von Port-au-Prince eine neue Unterkunft finden, wie Innenminister Paul Antoine Bien-Aime am Donnerstag mitteilte. "Die Menschen haben die Möglichkeit, kostenlos transportiert zu werden", sagte Bien-Aime. 34 Busse würden Erdbebenopfer in den Süden und den Norden von Haiti bringen. Dort würden temporäre Unterkünfte für jeweils 10.000 Menschen gebaut. Mit lokalen Bürgermeistern werde derzeit nach entsprechenden Orten gesucht. Die Internationale Organisation für Migration schätzt, dass mindestens eine halbe Millionen Menschen bei dem Beben obdachlos geworden sind.
  • Bill Clinton hofft zudem darauf, dass effektivere Neubauten das Schicksal von Port-au-Prince und der anderen getroffenen Regionen zum Besseren wenden werden. "Nutzen wir die Gelegenheit, Haiti noch besser aufzubauen", sagte Clinton. "Man kann aus Katastrophen lernen. Die Häuser, die nach dem Wirbelsturm 'Katrina' in New Orleans gebaut wurden, waren sicher, energieeffizienter, moderner. Das können wir auch in Port-au-Prince machen und zum Beispiel die sanitären Anlagen verbessern." Zudem könne die Infrastruktur ausgebaut werden, so dass Haiti eher ein Ziel für Flugreisen und Kreuzfahrtschiffe werde.

Helfer aus aller Welt arbeiten weiter rund um die Uhr bis zur völligen Erschöpfung. Und immer noch wurden Überlebende des Jahrhundertbebens der Stärke 7,0 gefunden, bei dem womöglich bis zu 200.000 Menschen starben. Auch der schon totgesagte haitianische Justizminister Paul Denis überlebte die Katastrophe. Haitis Botschafter in Deutschland, Jean Robert Saget, korrigierte frühere Angaben. "Ich bin falsch informiert worden aus Haiti, er wurde nur verletzt", sagte Saget.

"Es ist schwer, so zu arbeiten, wie vorher, aber wir sind dabei, wieder die Kontrolle zu erlangen", sagte Präsident René Préval. Die Hilfe laufe immer besser an. Préval wehrte sich gegen Vorwürfe, die Regierung habe auf das schwere Erdbeben nicht sofort angemessen reagiert. Der Präsidentenpalast, das Parlament und der Justizpalast sowie sämtliche Ministerien seien eingestürzt und mit ihnen seien alle Dokumente vernichtet worden, begründete Préval die Probleme nach der Katastrophe. Das Land beginne jedoch bereits wieder inmitten der Ruinen zu "funktionieren". So würden Zapfsäulen wieder aufgefüllt und viele Banken hätten seit Donnerstag wieder geöffnet.

Der Hafen wurde bereits von US-Helfern am Donnerstag weiter instandgesetzt. Er soll am Freitag teilweise wieder geöffnet werden. So können auch Schiffe mit Hilfsgütern anlegen. Auch wurde ein Kontrollturm für den Flughafen von der US-Armee eingeflogen, der alte war durch das Beben zerstört worden. Französische und amerikanische Helfer begannen an einem zentralen Platz in der Innenstadt Schutt und Abfälle wegzuräumen. Dort leben zahlreiche Menschen auf der Straße, deren Häuser zerstört wurden.

ffr/dpa/Reuters/AFP

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Die neuesten Beiträge:
27.10.2011 von pescador:

Die Bojen sind für die Funktion des Systems nicht essentiell, wie hier schon festgestellt wurde. Um es nochmal zu erklären: ein seismisches Messnetz, das völlig unabhängig von den Bojen ist, entscheidet, ob eine Tsunami [...] mehr...

27.10.2011 von sitiwati: ohne Bojen

kein Alarm-ohne Bojen ist das System nutzlos, die Boje sind die Datenübermittler, aber ein solches SYstem zu installieren ist Käse, wenn man nicht entsprechendes Wartungspersonal hat, bei 100.000.000 € hät ich neben jeder Boje [...] mehr...

26.10.2011 von lordax:

Da das Schaubild nur die Bojen zeigt und nicht den wesentlich größeren Rest des Systems ist das ein wenig schwierig. Im Prinzip wird anhand verschiedener seismischer Messungen die Bewegung des Meeresbodens abgeleitet und daraus [...] mehr...

26.10.2011 von sitiwati: es wär nett

wenn Sie an hand des Schaubildes mal erklären würden, wie das System ohne Bojen funktioniert ! [...] mehr...

25.10.2011 von lordax:

Ist aber nicht so schlimm wie es sich anhört. Das System funktioniert auch ohne die Bojen. Möglicherweise gibt es mehr Fehlalarme. mehr...

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Länderlexikon

Wichtigste Eckdaten

Eigenname: Republik Haiti

Offizieller Eigenname: République d'Haïti

Staatsoberhaupt:
Michel Martelly (seit Mai 2011)

Regierungschef: Garry Conille (seit Oktober 2011)

Außenminister: Laurent Lamothe
(seit Oktober 2011)

Staatsform: Präsidialrepublik

Mitgliedschaften: Uno, Caricom, OAS

Hauptstadt: Port-au-Prince

Amtssprachen: Französisch, Französisches Kreolisch

Religionen: mehrheitlich Katholiken (oft zusammen mit Voodoo)

Fläche: 27.750 km²

Bevölkerung: 9,993 Mio. Einwohner

Bevölkerungsdichte: 360 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 1,1%

Fruchtbarkeitsrate: 3,4 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 1. Januar

Zeitzone: MEZ -6 Stunden

Kfz-Kennzeichen: RH

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Hintergrund Haiti

Geografie

Haiti liegt im westlichen Teil der Insel Hispaniola in der Karibik, der Name bedeutet "bergiges Land". Das Nachbarland der im Osten der Insel gelegenen Dominikanischen Republik ist mit 27.000 Quadratkilometern fast so groß wie das deutsche Bundesland Brandenburg und hat laut aktuellen Uno-Angaben mehr als neun Millionen Einwohner. Hauptstadt des 1804 als erstes Land Lateinamerikas in die Unabhängigkeit entlassenen Staates ist Port-au-Prince mit rund 2,8 Millionen Einwohnern.

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