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06.02.2010
 

Berliner Jesuitenschule

Bis zu 30 Missbrauchsopfer am Canisius-Kolleg

Canisius-Kolleg in Berlin: Täglich neue Meldungen von MissbrauchsopfernZur Großansicht
REUTERS

Canisius-Kolleg in Berlin: Täglich neue Meldungen von Missbrauchsopfern

Der Skandal um Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche weitet sich aus: Täglich melden sich Opfer an der Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg. Nach SPIEGEL-Informationen sind Bistümer in ganz Deutschland betroffen. Seit 1995 soll es über 90 Verdachtsfälle gegeben haben.

Hamburg/Berlin - Die katholische Kirche in Deutschland kämpft mit einem Skandal um Kindesmissbrauch. Die Zahl möglicher Fälle ist bundesweit noch viel größer als bislang angenommen: Eine Umfrage des SPIEGEL bei allen 27 deutschen Bistümern ergab, dass seit 1995 mindestens 94 Kleriker und Laien unter Missbrauchsverdacht geraten sind. 30 von ihnen wurden in der Vergangenheit juristisch belangt und verurteilt.

Zum Epizentrum entwickelt sich das Berliner Canisius-Kolleg. Dort wurden die ersten Missbrauchsfälle öffentlich - nun melden sich an der Jesuiten-Schule täglich neue Betroffene: Wie die "Berliner Morgenpost" berichtet, steige die Zahl von Tag zu Tag. Die Zeitung beruft sich dabei auf die Anwältin Ursula Raue, die vom Jesuitenorden mit der Untersuchung beauftragt wurde. "Insgesamt dürften es jetzt um die 30 Opfer sein", zitierte das Blatt die Anwältin. Bislang waren erst die Fälle von 22 Kindern bekannt, die in den siebziger und achtziger Jahren an dem katholischen Elite-Gymnasium sexuell missbraucht wurden.

Kleriker zeigen sich betroffen vom Ausmaß. Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Jesuitenpater Hans Langendörfer, sagte SPIEGEL ONLINE: "Die Enthüllungen zeigen ein dunkles Gesicht der Kirche, das mich erschreckt. Wir wollen das Thema offen angehen."

Nur weniger Bistümer gehen in die Offensive

Dennoch bieten bislang nur wenige Bistümer den möglichen Opfern offensiv ihre Hilfe an. Das ergab eine dpa-Auswertung der Bistums-Internetseiten in Deutschland am Samstag: Nur fünf haben eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen auf ihrer Startseite ins Netz gestellt.

Das Erzbistum Berlin gehört zu den wenigen Diözesen, die im Web aktiv auf die Affäre eingehen. Auch das Bistum Hildesheim und das Erzbistum Hamburg, die ebenfalls direkt betroffen sind, äußern sich auf den Startseiten zu dem Skandal. Das Bistum Osnabrück zitiert den dortigen Generalvikar Theo Paul: "Mit Betroffenheit hat das Bistum Osnabrück auf die jetzt bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche reagiert." Dadurch sei ein großer Vertrauensbruch entstanden.

Mit den Stellungnahmen verlinkten diese Seiten sofort zu den offiziellen Ansprechpartnern der Bistümer für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche. Diese Stellen waren 2002 nach einer neuen Leitlinie der Deutschen Bischofskonferenz in allen Bistümern eingerichtet worden.

Kritische Katholiken wollen neue Leitlinien

Kritische Katholiken-Gruppen fordern nun eine Korrektur der bischöflichen Leitlinien, die den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche regeln. So regt Bernd Göhrig, Geschäftsführer der "Kirche von unten", die Einführung unabhängiger Ombudsstellen an. Bei der am 22. Februar beginnenden Tagung der Deutschen Bischofskonferenz wollen sich die Oberhäupter der katholischen Bistümer mit dem kirchenweiten Missbrauchsskandal, der in der vorigen Woche durch die Ereignisse am Canisius-Kolleg Auftrieb bekam, auseinandersetzen.

In Fall Canisius sehen Experten kaum Chancen für Entschädigungen. Wie bei der strafrechtlichen seien auch bei der zivilrechtlichen Aufarbeitung Verjährungsfristen zu berücksichtigen, gaben sie am Freitag zu bedenken. Inzwischen sind Fälle von allen drei deutschen Jesuiten-Gymnasien - dem Berliner Casinius-Kolleg, dem Kolleg St. Blasien im Schwarzwald und dem Bonner Aloisiuskolleg - bekannt.

Nach Einschätzung der Berliner Staatsanwaltschaft sind die meisten bisher bekannten Fälle strafrechtlich verjährt. Die Vorermittlungen zu den Taten liefen zwar noch bis nächste Woche, sagte ein Justizsprecher, aber die Verjährungsfrist für diese Form sexuellen Missbrauchs betrage zehn Jahre ab dem 18. Geburtstag des Opfers und sei abgelaufen.

flo/dpa/ddp

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Die neuesten Beiträge:
12.02.2010 von Klo:

Die Kirche braucht gar nicht zu bestrafen. Das ist allein Aufgabe der weltlichen Gerichte. Die Zeiten von Inquisition und kirchlicher Lynchjustiz sollten nun wirklich längst vorbei sein, auch wenn einige sich die "gute alte [...] mehr...

12.02.2010 von udo46: xxx

Für folgende "Leistungen" hat sich die RKK in jüngster Vergangenheit entschuldigt: - jahrhundertelange Verfolgung der Juden - Holocaustleugnung - Verfolgung und Ausrottung der Ureinwohner Lateinamerikas - [...] mehr...

12.02.2010 von hans-werner degen:

Das die Strafmöglichkeiten der Kirche leider begrenzt sind...... mehr...

12.02.2010 von Markus Heid: Riekofen

Hallo, ich warte noch auf den Link zu Ihrer Antwort mehr...

12.02.2010 von hans-werner degen:

Auf jeden fall fielen sie mit der großen geforderten Entkriminalisiergswelle zusammen...... Du kennst meinen Standpunkt aus dem Cafe mehr...

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