Köln - Die Staatsanwaltschaft Köln hat gegen zwei Mitarbeiter der beteiligten Bauunternehmen ein Ermittlungsverfahren wegen Unterschlagung und Betrug eingeleitet. Es gebe jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass die fehlerhafte Montage den Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor knapp einem Jahr verursacht habe, teilte ein Sprecher mit.
Über den Pfusch hatte als erstes der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet. Ein Bauarbeiter soll demnach bei der Staatsanwaltschaft eingeräumt haben, dass an der Unglücksstelle bewusst nachlässig gearbeitet wurde. Der geständige Bauarbeiter hat nach eigenen Angaben auf Anweisung seines Poliers gehandelt. Die nicht verwendeten Eisenbügel seien an einen Schrotthändler verkauft worden, erklärte er demnach.
Der beschuldigte Polier soll dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zufolge die Vorwürfe zurückgewiesen haben. Sowohl seine Wohnung als auch seine Arbeitsstelle seien durchsucht worden. Der etwa 3,50 Meter breite Abschnitt der Außenwand, in dem die Metallbügel fehlen, befindet sich laut dem Bericht vor der zur Severinstraße gelegenen Front des zerstörten Archivs. Es soll derselbe Abschnitt sein, in dem ein Gutachter bereits vor Monaten Auffälligkeiten entdeckt hatte.
Zudem gebe es Hinweise darauf, dass das gesetzlich vorgeschriebene Protokoll für diesen Bauabschnitt gefälscht sein könnte, schreibt die Zeitung weiter. Nach Auffassung der Kölner Verkehrs Betriebe (KVB) könnte das Fehlen der Eisenbügel die Stabilität der Stützwand an dieser Stelle beeinträchtigt haben. Möglicherweise habe die Wand "dem Grundwasserdruck kein ausreichendes Widerlager" geboten, heißt es in einem Schreiben an die Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen, aus dem der "Stadt-Anzeiger" zitiert.
Bei dem Einsturz des Stadtarchivs am 3. März vergangenen Jahres wurden zwei Menschen getötet und zahllose wertvolle Unterlagen, Briefe und Fotos verschüttet. Bislang galten die Bauarbeiten für eine neue U-Bahn-Strecke in unmittelbarer Nachbarschaft als wahrscheinliche Unglücksursache. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem Unglück wegen fahrlässiger Tötung. Ein Abschluss der Ermittlungen sei noch nicht absehbar, sagte ein Sprecher.
han/dpa/APD
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