Ludwigshafen - Weil er sich ungerecht behandelt fühlte, griff er zur Waffe: Ein 23-Jähriger hat gestanden, seinen 58 Jahre alten früheren Berufsschullehrer aus Rache getötet zu haben. Gegen 10 Uhr an diesem Donnerstag drang der Ex-Schüler mit einem Kampfmesser und einer Schreckschusspistole bewaffnet in ein Nebengebäude der Berufsbildenden Schule Technik 2 in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz ein.
Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Lothar Liebig traf der junge Mann in dem Trakt, in dem sich überwiegend Werkstätten befinden, auf den Pädagogen. "Es hat einen Angriff gegeben, durch den der Lehrer schwere Stichverletzungen erlitt", sagte Liebig bei einer Pressekonferenz. Der Mann erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen.
Der Täter ging daraufhin in das Hauptgebäude der Schule und feuerte auf mehreren Etagen aus seiner Waffe. Im dritten Stock versuchte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein bengalisches Feuer zu zünden. Wegen der Rauchentwicklung wurde Feueralarm ausgelöst.
Die Polizei wurde nach Angaben des Einsatzleiters Franz Leidecker um 10.01 Uhr über den Feueralarm informiert. "Zwei Funkstreifen, die sich in der Nähe der Berufsschule aufhielten, waren innerhalb kurzer Zeit vor Ort", so Leidecker. Auf dem Schulhof sei den Beamten zugerufen worden, dass ein Mann mit einer Schusswaffe durch die Flure ziehe und auch Feuer gelegt habe. "Die Polizisten hörten Schussgeräusche."
Der 23-Jährige habe versucht, einen weiteren Lehrer anzugreifen, der jedoch flüchten konnte. Im 3. Obergeschoss traf er schließlich auf den Schulleiter und beschoss ihn mit seiner Schreckschusswaffe.
Wenig später stießen die Polizisten auf den mutmaßlichen Täter, der vor ihnen flüchtete und Schüsse aus einer Faustfeuerwaffe abgab. Schließlich reagierte er auf die Aufforderung, seine Waffe fallen zu lassen und konnte überwältigt werden. Er ließ sich widerstandslos festnehmen und soll noch an diesem Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. Strafrechtlich ist er bislang nicht in Erscheinung getreten. Nach den Worten des Kripochefs Leidecker soll der 23-Jährige keiner reguläre Beschäftigung nachgegangen sein und sich zuletzt in einer Fördermaßnahme des Christlichen Jugendwerks befunden haben. Er habe die Schule nach eigenen Angaben bereits 2004 verlassen.
Das gesamte Schulzentrum wurde daraufhin geräumt. Die Polizei durchsuchte das Gebäude, um sicherzugehen, dass er sich um einen Einzeltäter handelte. Bei der Durchsuchung wurde auch der 58-jährige Lehrer gefunden.
Nach den Angaben eines Schülers unterrichtete dieser an der Berufsschule Malen und Lackieren. Der Pädagoge starb auf einer Kellertreppe im Nebengebäude, in dem die Werkstätten untergebracht sind. Die Leiche soll im Laufe des Tages obduziert werden.
Weitere Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht. Inzwischen besteht laut Polizei keine Bedrohungslage mehr. Für die schockierten Schüler und deren Eltern sowie Lehrer wurde eine Betreuungsstelle in der benachbarten Anne-Frank-Realschule eingerichtet. Betroffene wurden psychologisch betreut.
"Alles erschien ruhig und normal"
Der Schock bei den Betroffenen sitzt tief. Augenzeugen berichteten von dem Feueralarm, den viele Schüler zunächst für einen Übungsalarm hielten. "In der zweiten Stunde gab es einen Feueralarm, dann haben die Klassen geschlossen das Gebäude verlassen", sagte Schüler Jonas Schreiber SPIEGEL ONLINE. Der 25-Jährige ging mit seinen Klassenkameraden auf einen Parkplatz vor dem Schulgebäude. "Alles erschien ruhig und normal", schilderte er die Situation. "Zwar gingen Gerüchte über einen Amoklauf durch die Menge, aber das kann es bei einem normalen Feueralarm ja auch geben", so der Berufsschüler. "Dass etwas nicht stimmt, hat man gemerkt, als die ersten Polizisten angerannt kamen und die Schüler nach Hause geschickt wurden."
"Wir saßen im Unterricht, als plötzlich jemand bemerkt hat, dass auf dem Gang ein Bengalofeuer brannte. Fünf Minuten später gab es Feueralarm und wir mussten alle das Gebäude verlassen", berichtete ein nicht namentlich genannter Berufsschüler "Rheinpfalz Online". Vom eigentlichen Geschehen habe er aber nichts mitbekommen.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wurde informiert. Er begleitete am Donnerstag Bundespräsident Horst Köhler bei dessen Regionalbesuch im Nordwesten von Rheinland-Pfalz.
"Pädagogische Visionen unserer Schule gehen weit übers Fachliche hinaus"
An der Berufsbildenden Schule Technik 2 in Ludwigshafen werden mehr als 3200 Schüler von 130 Lehrern unterrichtet. Die Schule ist laut ihrer Internetseite eine von sechs berufsbildenden Schulen in der 170.000-Einwohner-Stadt. Untergebracht in dem Komplex sind unter anderem die Berufsschule für Bautechnik, Bauzeichner, Fleischer, Hotelfachleute, Holz- oder auch Textiltechnik, die Fachschule Veranstaltungs-/Eventmanagement und die Fachschule Gestaltung mit Schwerpunkt Design und visuelle Kommunikation. Die Schüler der Berufsbildenden Schule Technik 2 kommen für einige Bildungsgänge aus ganz Deutschland.
han/dpa/AFP/Reuters
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doch einmal einfach einen der fast 800.000 LehrerInnen wie sie ihre Kinder erziehen und wie sie mit dem ganzen Schulsystem klar kommen ! es ist natürlch schon lustig, wenn der Lehrer handys in der Schule verbietet und dann [...] mehr...
Die gibt es ach, aber das ist nicht der Hauptgrund. Es sind die unhaltbaren Zustände, zu große Klassen, schlechte Akustik in den Klassenräumen und letztendlich die fehlenden Möglichkeiten für Lehrer, eine kreative [...] mehr...
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