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04.03.2010
 

Ermordete Pop-Prinzessin

Ägyptischer Milliardär soll nicht gehängt werden

Todesurteil aufgehoben: Wird Suzanne Tamims Tod gesühnt?
Fotos
AFP

Wird der Mord an Suzanne Tamim vielleicht ungeklärt bleiben? Die libanesische Popsängerin soll im Auftrag des Milliardärs Talaat Mustafa getötet worden sein. Der 50-Jährige war zum Tode verurteilt worden. Nun aber hob ein Gericht die Entscheidung auf.

Kairo - Das Kassationsgericht hob am Donnerstag die im vergangenen Jahr verhängten Todesurteile gegen Talaat Mustafa und seinen Leibwächter Muhsin al-Sukkari auf. Wann es zu einem neuen Prozess gegen die beiden Männer kommen soll, ist noch unklar.

Der 50-jährige Milliardär, einer der einflussreichsten Industriellen Ägyptens, hatte eine längere Affäre mit der libanesischen Sängerin und soll seinen Leibwächter zu dem Mord beauftragt haben. Talaat, der der Partei von Präsident Husni Mubarak angehört, soll dem Auftragsmörder zwei Millionen US-Dollar dafür gezahlt haben.

Suzanne Tamim war im Juli 2008 tot in ihrer Wohnung in Dubai gefunden worden. Die Sängerin hatte ihrem Mörder selbst die Tür geöffnet. Laut einem Bericht der Dubaier Polizei schnitt der Täter ihr die Kehle durch und verstümmelte ihre Leiche mit Dutzenden Messerstichen, bevor er ihr beinahe den Kopf abtrennte.

Doch der Täter vergaß laut Akten ein "eindeutiges Indiz" am Tatort: Das führte die Ermittler zu dem verdächtigen Bodyguard und dieser sie schließlich zu seinem Auftraggeber. Laut Staatsanwaltschaft war der Auftragskiller der Sängerin von London nach Dubai gefolgt. Erst dort kaufte er angeblich ein Messer, um sie zu töten.

Der Fall hatte in Ägypten viel Wirbel verursacht, weil einige Beobachter spekuliert hatten, seine guten Beziehungen zu führenden Mitgliedern der Regierungspartei von Präsident Mubarak könnten Talaat vor dem Strang retten. Entsprechend dürften nun die Reaktionen ausfallen, wenn publik wird, dass dem Milliardär ein neuer Prozess gemacht wird.

Die 31-Jährige machte Schlagzeilen wegen ihrer Stimme - und ihrer Affären

Das bedeutet, dass der Strafprozess im Mordfall Tamim noch einmal ganz von vorne beginnen muss. Beobachter rechnen erst in etwa zwei Jahren mit einem neuen Urteil.

Die Angeklagten verfolgten die Sitzung des Gerichts am Donnerstag im Gefängnis vor dem Fernseher. Ein Sohn von Talaat, der nach Angaben von Prozessbeobachtern als einziger Vertreter der Familie im Gericht war, rannte nach der Urteilsverkündung mit Freudentränen in den Augen aus dem Saal.

Suzanne Tamim wurde 1996 als Teilnehmerin der libanesischen Talentshow "Studio Al Fann" berühmt. Die 31-Jährige machte Schlagzeilen wegen ihrer Stimme - und der Liste ihrer Affären.

Ihr Ehemann, ein Libanese, hatte die Karriere der Künstlerin behindert. Sie flüchtete in eine Affäre mit dem verheirateten Talaat, der damals an der Spitze eines der größten Konzerne Ägyptens stand. Der Tycoon wollte, dass Tamim seine Zweitfrau wird, was die Libanesin ablehnte. Sie tröstete sich mit einem irakischen Kickboxer.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft konnte Talaat dies nur schwer ertragen: Er sann auf Rache und bezahlte seinen Leibwächter, einen ehemaligen Polizeioffizier, damit er sie tötete. Die beiden Männer haben bislang jede Schuld am Tod der Libanesin von sich gewiesen.

jjc/dpa

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