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05.03.2010
 

Sex-Skandal im Vatikan

"Tutti perversi?"

Von Michael Braun, Rom

Männliche Prostituierte: Der Vatikan und die Sex-Affäre
Fotos
AFP

Der Vatikan steht im Mittelpunkt eines peinlichen Skandals: Ein Chorsänger aus dem Petersdom soll männliche Prostituierte vermittelt haben. Zu seinen Klienten gehörte offenbar auch ein hoher Staatsbeamter, der sich im direkten Umfeld von Papst Benedikt XVI. bewegte.

Rom - "Im Vergleich zu dem bin ich bloß normal ausgestattet, er hat einen unglaublichen Körper. Ab zehn Uhr hat er Zeit, er ist ein Freund von mir und tut, was ich ihm sage." Solche Mitschnitte aus Telefonaten, aus sehr delikaten Telefonaten, haben dem Vatikan einen deftigen Skandal um Sex und Prostitution beschert.

Protagonist ist Chinedu Thomas Ehiem, ein Chorsänger des Vatikans. Eben dieser Ehiem nimmt am Telefon kein Blatt vor den Mund, wann immer er mit dem hohen italienischen Staatsbeamten Angelo Balducci spricht. Schließlich bezahlt Balducci den 40-jährigen in Rom lebenden Nigerianer dafür, dass der ihm junge Männer auftreibt.

Am Mittwoch hatte die italienische Tageszeitung "La Repubblica" erstmals berichtet, dass Ehiem männliche Prostituierte an Balducci vermittelt, inzwischen füllt die Geschichte die großen Blätter - nicht nur des Landes. Die Zeitungen zitieren aus Tonbändern, die der Polizei vorliegen und auf denen zu hören ist, wie die beiden Männer am Telefon ihre Geschäfte abwickeln.

Und Ehiem ist äußerst rührig: "Ich habe da einen aus Neapel, einen Kubaner, einen Deutschen, gerade aus Deutschland eingetroffen, zwei Schwarze, einen Fußballer, einen Tänzer der RAI (des staatlichen Fernsehens, Anm. d. Red.)", heißt es laut der Tageszeitung "Libero" in einem Mitschnitt. Einmal wird der Kuppler konkret und bietet einen Prostituierten an, "zwei Meter groß, 97 Kilogramm schwer, 33 Jahre alt."

Auch Priester-Seminaristen sollen zu den jungen Männern gehört haben, die Ehiem an Balducci weiterreichte; in einem Gespräch jedenfalls kommt die Frage auf, wann denn der Jüngling "wieder im Seminar" sein müsse.

"Bin im Vatikan, kann jetzt nicht sprechen"

Manchmal aber auch zeigt sich "Mike" - so nennt Balducci den Nigerianer - kurz angebunden, antwortet mit einer knappen SMS: "Bin im Vatikan, kann jetzt nicht sprechen." Denn "Mike" alias Thomas ist nicht bloß ein Mann mit hervorragenden Kontakten im Milieu, sondern auch ein begabter Tenor. Ehiem singt in seiner Freizeit in der "Cappella Giulia" mit, dem zweitwichtigsten Chor in Sankt Peter nach den Sängern der Sixtinischen Kapelle.

Auch Angelo Balducci geht im Vatikan ein und aus, er ist nicht irgendwer. Als Präsident des Obersten Rates für Öffentliche Arbeiten ist er einer der mächtigsten Beamten Italiens, gebietet über Millionenaufträge, kann öffentliche Ausschreibungen gezielt steuern. Und als frommer Mann zählt der distinguierte ältere Herr mit den weißen Haaren zur auserlesenen Gruppe der "Gentiluomini di Sua Santità", der "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit", des Papstes. Bei besonderen Anlässen war er als ehrenamtlicher Diener in der Residenz von Papst Benedikt XVI. tätig.

Doch Balduccis Doppelkarriere steht jetzt vor dem abrupten Aus - genauso wie Ehiems Engagement im päpstlichen Chor. Sie stolperten über die Geldgier des "Ehrenmannes".

Zusammen mit zwei weiteren Spitzenbeamten und einem Bauunternehmer sitzt Balducci in Haft, weil er systematisch Bauaufträge des italienischen Zivilschutzes verschoben haben soll, zum Beispiel nach dem Erdbeben von L'Aquila, aber auch für den G-8-Gipfel von 2009. Ermittelt wird auch gegen den Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso. Der soll mit "Massagen", ausgeführt von jungen Damen, für die "richtigen" Bauunternehmer eingenommen worden sein.

"Wirf 'ne Viagra ein, und los geht's!"

Bei den sexuellen Eskapaden des katholischen Familienvaters Balducci dagegen handelte es sich nicht um Bestechungsleistungen - er zahlte alles aus eigener Tasche. Am Rande der monatelangen Korruptionsermittlungen protokollierten die Carabinieri auch die Sex-Telefonate mit. Weil diese jetzt auch Bestandteil der Ermittlungsunterlagen sind, stand ihr Wortlaut bald in allen italienischen Tageszeitungen.

Neben Ehiem war für Balducci auch ein zweiter Vermittler am Werk, der Italiener Lorenzo Renzi, der es laut "La Repubblica" im Gespräch mit einem Callboy nicht an Deutlichkeit mangeln lässt: "Du kassierst immerhin 2000 Euro. Also geh' mir nicht auf den Sack! Leg ein bisschen Musik auf, wirf 'ne Viagra ein, und los geht's!"

Die Italiener haben damit einen Skandal, der aus Boccaccios Decamerone stammen könnte. Und der Vatikan hat wieder einmal ein Image-Problem, das er blitzschnell aus der Welt zu schaffen sucht. Ehiem jedenfalls war seinen Platz in der "Cappella Giulia" sofort los, auch wenn ein früherer Chorleiter jetzt im "Corriere della Sera" bescheinigte, der Nigerianer singe "einfach wie ein Engel, nein, er ist vielmehr ein Engel".

Der Vatikan beeilte sich mit der Klarstellung, Ehiem sei weder Priester noch sonst in irgendeiner kirchlichen Funktion tätig. Ansonsten äußerte sich der Heilige Stuhl bisher nicht zu den Vorfällen.

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insgesamt 114 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.03.2010 von Oskar ist der Beste: Hinfort mit diesem Pfaffenpack

ach, wenn es nur Herumhurerei waere im Vatikan, so what, aber dieses Organisation ueber Jahrzehnte Kinderschaender geschuetzt hat, ist doch der Skandal. Deutschland sollte auch das Konkordat mal auf den Pruefstand stellen. Die [...] mehr...

08.03.2010 von dasky: Keine Moral in der Politik, dafür umso mehr politische Moralisten

Der grösste Tugendterror geht doch von der political correctness von Staat, Politik und den gleichgeschalteten Medien aus. Die sollen sich gefälligst ohne doppelten Boden an dem messen lassen, was sie ganz systematisch [...] mehr...

07.03.2010 von saul7:

Die, die am lautesten Moral predigen müssen sich auch gefallen lassen, daran gemessen zu werden. Der Fisch stinkt vom Kopf her!! mehr...

06.03.2010 von dasky: Neues aus der Anstalt: Beim Staat heisst das "gesundheitliche Aufklärung"

Na ja, die allmächtige deutsche Exekutive (http://www.youtube.com/watch?v=heFH_knWTAw) hat sexuell ja viele Jahre kräftig Revolution gemacht (http://www.box.net/shared/0mxs9jjzs2)... mehr...

06.03.2010 von Porgy: Die "Balken" im Auge der katholischen Kirche

Das mag sein, ändert aber nichts daran, dass die Kirche als Institution sich der Vertuschung der Untaten in ihren eigenen Reihen schuldig gemacht hat. Und dass es deshalb besonders übel aufstößt, wenn die Kirche [...] mehr...

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