Memmingen - Der ehemalige Kühlhausbetreiber aus Illertissen hatte massenhaft Schlachtabfälle umdeklariert und 313 Tonnen ungenießbares Fleisch verkauft. "Er wollte sich dadurch eine dauerhafte Einnahmequelle von erheblichem Umfang schaffen", sagte die Vorsitzende Richterin über die Taten. Das Landgericht Memmingen verurteilte ihn dafür am Freitag nach viermonatiger Verhandlung zu drei Jahren Haft.
Die Richter sprachen den Mann in 15 Fällen des Betrugs in besonders schwerem Fall schuldig.
Das Gericht geht davon aus, dass der Händler im Sommer 2004 den Betrug mit Ekelfleisch - sogenannte K3-Ware, die nicht zum menschlichen Verzehr geeignet ist - eingeleitet hat. "Dabei ist er mit erheblich krimineller Energie vorgegangen", so die Richterin in der Urteilsbegründung.
Das minderwertige Fleisch stammte von einer Firma in Dänemark, die in 33 Lieferungen insgesamt knapp 700 Tonnen des Ekelfleisches nach Illertissen gebracht hatte. Ein Teil der Ware, mindestens 313 Tonnen, wurde im Kühlhaus des Verurteilten umdeklariert. "Dadurch konnte der Angeklagte höhere Gewinne erzielen", sagte die Richterin.
Der Angeklagte habe die Abnehmer über die minderwertige Qualität nicht informiert und dadurch rund 225.000 Euro kassiert. Über Zwischenhändler sei die Ware unter anderem nach Holland, Russland, Tschechien und auf die Philippinen gelangt. Der Angeklagte habe aus Gewinnsucht gehandelt und nicht nur seine Kunden betrogen, sondern auch der ganzen Branche Schaden zugefügt.
Auch wenn der Angeklagte nicht selbst jede Anlieferung umgeleitet habe, so habe er doch "die Fäden gezogen", er habe auch vor Gericht in vier Monaten Prozessdauer den "Eindruck eines Machers hinterlassen".
Dass Neu-Ulmer Veterinäre den Handel mit der minderwertigen Ware nicht gleich erkannt hätten, liege daran, dass das angeblich zum Verzehr geeignete Fleisch in großen tiefgekühlten Blöcken gelagert wurde. Man habe sich auf die Papiere verlassen und verlassen müssen.
Der Angeklagte hatte stets seine Unschuld betont. Die Verteidigung kündigte Revision an - sie hatte auf Freispruch plädiert und von "schlampigen" Ermittlungen gesprochen.
siu/dpa/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
Dafür betrug der in Geld gerechnete Schaden bei Peter Graf über 6 Millionen Euro, bei dem Gammelfleischfall unter 0,3 Millionen Euro. Die mehr als 20-fache Schadenhöhe wird bei der Strafzumessung halt auch berücksichtigt. [...] mehr...
Wegen drei Jahren Haft? Ich nehme an, das dies so in etwa das worst case-Szenario ist, das der Schuldige sich ausgemalt hat. Mit den angeblich nur 225.000 Euro (es handelt sich ja hierbei nur um das, was ihm tatsächlich [...] mehr...
Meines Erachtens sollte der Händler so lange ins Gefängnis, bis er die entsprechende Menge an Gammelfleisch verzehrt hat. Sollte seine Familie sich bereit erklären, sich an der Aktion zu beteiligen, würde die Dauer des [...] mehr...
Endlich einmal ein Urteil, das man mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen kann. mehr...
Hoffentlich werden die im Knast mit Gammelfleisch gefüttert! Deren Familien aber auch, gell! Oder wie war der Spruch in der Bibel: Auge um Auge, Zahn um Zahn! mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Justiz | RSS |
| alles zum Thema Kriminalität | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH