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30.03.2010
 

Spektakulärer Bankraub

Täter bohren sich unterirdisch in Tresorraum

"Merkwürdige Vorgehensweise": Wachmänner stehen vor der umzäunten BankfilialeZur Großansicht
AFP

"Merkwürdige Vorgehensweise": Wachmänner stehen vor der umzäunten Bankfiliale

Mitten in Paris haben unbekannte Täter einen filmreifen Bankraub ausgeführt: Sie durchbrachen unterirdisch eine 80 Zentimeter dicke Wand zum Tresorraum und räumten etliche Schließfächer leer. Ihr Kommando an eine Geisel: "Dreh dich nicht um."

Paris - Der Raub fand in der Nacht zum Sonntag statt, die Täter sind flüchtig.

Nach dem Durchbruch zum Tresorraum der LCL-Bankfiliale in der Nähe der Pariser Opéra Garnier hatten die drei Täter einen Wachmann überwältigt. Er musste neun Stunden lang mit ausgebreiteten Armen mit dem Gesicht zur Mauer stehen, wie ein Kollege des Mannes berichtete. "Sie sagten ihm: Wenn du am Leben bleiben willst, dreh dich nicht um!"

Dann brachen die Männer die ganze Nacht hindurch ein Schließfach nach dem anderen auf. Mehr als die Hälfte der insgesamt 200 Fächer sei geöffnet worden, hieß es aus Ermittlerkreisen. Die genaue Zahl blieb zunächst unklar, weil die Räuber ihre Spuren verwischten, indem sie zum Schluss ein Feuer legten.

Zurück am Tatort blieben die verkohlten Überreste der Werkzeuge: ein Kompressor, eine Bohrmaschine und ein Winkelschleifer.

Selbst die Pariser Ermittler staunten über das Vorgehen der Räuber. Sich durch eine 80 Zentimeter dicke Mauer einer Bank zu bohren sei schon "eine ziemlich merkwürdige Vorgehensweise", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Wie die Räuber in den unterirdischen Nachbarraum neben der LCL-Filiale gelangen konnten, ist noch ungeklärt, ebenso wie die Höhe der Beute.

Die Kunden der Bank sollen nun Listen mit dem Inhalt ihrer Schließfächer erstellen. Dem Wachmann soll es mittlerweile nach Angabe der Bank wieder gut gehen.

Auf ähnliche Weise wie bei diesem Coup war bereits in der Silvesternacht eine Sparkasse in Montreuil im Großraum Paris ausgeraubt worden. Die Einbrecher hatten 117 der 700 Schließfächer der Filiale ausgeraubt, an der ebenfalls Umbauarbeiten vorgenommen wurden.

Der Einbruch erinnert auch an einen berühmten Bankraub im südfranzösischen Nizza aus dem Jahr 1976. Bei dem "Jahrhundertraub" hatten sich Einbrecher, angeführt vom Gangster Albert Spaggiari, über die Kanalisation durch einen Tunnel bis in den Tresorraum der Bank Société Générale vorgearbeitet und einen Millionenbetrag erbeutet.

pad/AFP/AP

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