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08.05.2010
 

"Baltic Pride" in Litauen

Gegner greifen Teilnehmer von Schwulen-Parade an

Litauen: Gegendemo bei erster Schwulen-Parade
Fotos
AP

Es war eine umstrittene Premiere, die trotz Gewaltandrohungen weitestgehend glimpflich verlief. Jedoch: Bei der ersten Homosexuellen-Parade in Litauen schmissen Gegendemonstranten Steine, die Polizei musste Tränengas einsetzen.

Vilnius - Einige hundert Litauer sind am Samstag bei der ersten Homosexuellen-Parade des Landes auf die Straßen gegangen - ihnen gegenüber: fast zehnmal so viele Demonstranten. Die Gegner des "Baltic Pride 2010"-Umzugs in der Hauptstadt Vilnius mussten von der Polizei mit Tränengas auseinander getrieben werden, nachdem einige von ihnen die Teilnehmer mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen hatten.

Die Parade war im Vorfeld heftig umstritten: Rund drei Viertel der mehrheitlich katholischen Litauer sprachen sich in einer Umfrage dagegen aus. Ein litauisches Gericht hatte die Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken zunächst untersagt; das oberste Verwaltungsgericht hob die Entscheidung jedoch am Freitag mit der Begründung auf, dass der Staat die Versammlungs- und Meinungsfreiheit zu schützen habe. An dem von einem Großaufgebot der Polizei geschützten Umzug beteiligten sich rund 300 Menschen.

Die Veranstalter des Marsches erklärten, sie wollten mehr Aufmerksamkeit auf die Unterdrückung von Homo-, Trans- und Bisexuellen in Litauen lenken. Gleichzeitig riefen Gegendemonstranten Parolen wie "Tod den Schwulen" und "Litauen den Litauern." Neonazis und Rocker hatten vorab tätliche Angriffe gegen den ersten Umzug dieser Art im katholischen Litauen angekündigt. Die Polizei meldete zwölf Festnahmen, darunter auch von Mitgliedern des litauischen Parlaments.

An der Demonstration der Homosexuellen beteiligten sich auch Schwedens Europaministerin Birgitta Ohlsson und der aus Berlin angereiste Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Er sagte: "Dies ist ein Signal an die Regierung in Litauen, dass Lesben und schwule Männer in Europa gleichberechtigt sind. Hier geht es nicht um irgendwelche Sonderrechte, sondern ganz einfach den Schutz von Menschenrechten."

Litauen hatte unter anderem durch ein gesetzliches Verbot zur "positiven Darstellung" von Homosexualität an Schulen heftige internationale Kritik ausgelöst.

can/dpa/AFP

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