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21.05.2010
 

Heidenheim

Polizei stellt Suche nach entführter Maria Bögerl ein

Drama in Heidenheim: Die Entführung der Maria B.
Fotos
dpa

Seit neun Tagen fehlt jede Spur von Maria Bögerl, der Heidenheimer Bankiersfrau, die aus ihrem Haus verschleppt wurde. Jetzt bricht die Polizei die Suche nach ihr ab. Vorerst zumindest. Die Ermittler konzentrieren sich nun auf Kunden des Geldinstituts.

Heidenheim - Auf der Suche nach der entführten Maria Bögerl waren in der Umgebung des baden-württembergischen Heidenheim Bereitschaftspolizisten, Hundeführer und viele weitere Helfer im Einsatz. In Waldgebieten und Steinbrüchen wurde nach der Frau gesucht, Höhlen, Hütten, Unterstände, selbst Abflussrohre und Teiche inspiziert. Auch Lauben, Kleingartensiedlungen und Campingplätze nahm sich die Polizei vor. "Doch leider wissen wir immer noch nicht, wo Frau Bögerl ist", bilanziert ein Polizeisprecher. Die großflächige Suche nach der 54-Jährigen wurde deshalb vorerst eingestellt.

Jetzt konzentrieren sich die Ermittlungen vor allem auf die Frage, wer ein Motiv für die Tat gehabt haben könnte. Dabei geraten auch Kunden der Heidenheimer Sparkasse ins Visier der Kripo. Derzeit wird überprüft, ob sich möglicherweise jemand wegen hoher Schulden oder eines abgelehnten Kredits am Ehemann Maria Bögerls, der das Geldinstitut leitet, rächen wollte.

Polizei bestätigt Blut am Auto nicht

Zu einem Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach Blut der Frau auf dem Beifahrersitz ihres Autos gefunden worden sein soll, wollte sich die Polizei nicht äußern. "Solange wir nicht wissen, ob sich Frau Bögerl noch in den Händen der Entführer befindet, ist dies im Sinne des Opferschutzes", sagte Polizeisprecher Horst Baur SPIEGEL ONLINE. Die "Bild" hatte sich auf einen Kriminaltechniker berufen, der versichert haben soll, dass das Blut eindeutig von der Vermissten stamme.

Die Polizei sucht unterdessen weitere Zeugen. Die Ermittler hoffen, dass sich sogenannte Geocaching-Spieler melden. Auf ihrer digitalen Schnitzeljagd sollen die Spieler am Hof des Klosters Neresheim vorbeigekommen sein, wo der oder die Entführer das Auto der Entführten abgestellt hatten. Eine Geocaching-Teilnehmerliste gebe es laut Veranstalter nicht, so Baur. Wer an dem Tag des Verschwindens an dem GPS-Suchspiel teilgenommen hat, solle sich bei der Polizei melden.

Wann genau die Limousine am Kloster abgestellt worden war, ist weiter unklar. Maria Bögerl war am Mittwoch vergangener Woche im Heidenheimer Stadtteil Schnaitheim in ihrem eigenen Wagen, einer Mercedes A-Klasse, entführt worden. Kurz darauf hatte ihr Mann telefonisch eine hohe Lösegeldforderung erhalten. Die Übergabe an der Autobahn A7 scheiterte. Seither gibt es kein Lebenszeichen der 54-jährigen Bankiersfrau mehr. Aktuell ist eine Belohnung von 100.000 Euro ausgesetzt, dennoch melden sich die oder der Entführer nicht mehr.

"Wir werden weitersuchen, wenn wir einen konkreten Hinweis haben", sagte Polizeisprecher Baur SPIEGEL ONLINE. Gegen Vorwürfe, die Polizei trete derzeit ermittlungstechnisch auf der Stelle, wehrte er sich. Die Ermittler beschäftigten sich mit der Auswertung von rund 1200 Hinweisen, vor allem nach der Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst" seien zahlreiche neue eingegangen. Am Mittwochabend hatten sich die Angehörigen des Entführungsopfers im ZDF an die Entführer gewandtund die Öffentlichkeit zur Mithilfe aufgefordert. Noch am Abend der Fernsehsendung begann die Polizei, sieben eingegangene Hinweise zu überprüfen.

Täter haben vermutlich keinen Plan B

Dass sich in dem Entführungsfall derzeit nichts bewegt, liegt nach Einschätzung des Kriminalpsychologen Rudolf Egg daran, dass die Tat "einfach schlicht geplant" gewesen sei. "Der oder die Täter melden sich vermutlich deshalb nicht mehr, weil sie nach der gescheiterten Übergabe keinen zweiten Plan haben."

Das Vorhaben, die Übergabe des Geldes im Müllbeutel unter einer Deutschlandfahne anzuweisen, sei zudem "nicht clever" gewesen. Die unüberlegte Vorgehensweise der Täter gefährde die 54-jährige Heidenheimerin. "Mit planvoll handelnden Tätern ist es schon deshalb leichter, weil man mit ihnen kommunizieren kann."

Die Ermittlungstaktik der Polizei hält Egg für effektiv. Werde das Opfer bei der Suche in den Wäldern rund um die vereinbarte Übergabestelle nicht gefunden, seien neue Anhaltspunkte wichtig. "Einfach nur irgendwo zu suchen, ist nicht zielführend."

ada/dpa/apn

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