ThemaBerliner PokerraubRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
14.06.2010
 

Prozessauftakt in Berlin

Pokerräuber gestehen dilettantische Vorbereitung

Der Prozess um den spektakulären Berliner Pokerraub hat mit drei Geständnissen begonnen. Diese belegen: Der Überfall war sehr kurzfristig und dilettantisch geplant. Weiter offen sind entscheidende Fragen: Wo ist die Beute? Wer gab den Auftrag?

Berlin - Fast so schnell wie der Überfall auf das internationale Pokerturnier am 6. März kamen am Montag die Geständnisse im Berliner Landgericht. Zum Prozessauftakt machten drei der vier Angeklagten Angaben zum Hergang. Und die belegen: Der Überfall war so schlecht geplant, wie es wirkte.

Die Angeklagten sagten übereinstimmend aus, erst kurz vor der Tat von einem Hintermann mit dem Überfall beauftragt worden zu sein. Es habe keine Absprache gegeben, wer was machen sollte.

Am 6. März hatten vier maskierte Männer mit Machete und Schreckschusspistolen bewaffnet Europas größtes Pokerturnier in Berlin gestürmt, mehrere Wachmänner verletzt und einen Tresor ausgeräumt. Im Handgemenge mit Sicherheitskräften blieb ein Großteil des Geldes zurück, die Täter konnten mit knapp 242.000 Euro in einem wartenden Fluchtauto entkommen. Zwei Wochen nach der Tat saßen die vier Tatverdächtigen aber bereits in Untersuchungshaft.

Nun müssen sich die vier Männer türkischer und arabischer Herkunft im Alter von 19 bis 21 Jahren wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor einer Jugendstrafkammer verantworten. Zwei mutmaßliche Drahtzieher, gegen die bereits Anklage erhoben wurde, bekommen einen separaten Prozess.

Der Anklage zufolge wurden die mutmaßlichen Täter erst unmittelbar vor dem Überfall in die Planung eingeweiht - in einem Schnellrestaurant gegenüber von dem Hotel, in dem das Turnier stattfand.

Einer der vier Angeklagten bekam nach eigenen Angaben am Vormittag des Tattages einen Anruf von seinem Onkel, der ihn bat, "ein paar Leute zusammenzutrommeln". Beim Treffen in dem Fast-Food-Restaurant habe sie der Onkel dann in den Plan eingeweiht und jeder habe Maske und Handschuhe bekommen. Er habe gar nicht mitmachen wollen, so der 19-Jährige: "Ich fühlte mich getrieben und leicht unter Druck gesetzt." Sein Onkel habe ihn dann aufgefordert einzuspringen, nachdem eine andere Person sich geweigert hatte, mitzumachen.


Einer der mutmaßlichen Täter hatte sich der Polizei gestellt und schon nach seiner Festnahme als Kronzeuge ausgesagt. Der 21-Jährige wiederholte nun vor Gericht sein Geständnis. Er räumte ein, vor dem Überfall die Lage ausgekundschaftet zu haben und bei der Tat mit einer Schreckschusspistole bewaffnet gewesen zu sein. Er habe das Bargeld aus dem Tresor genommen und sei dann aber von einem Wachmann angegriffen worden, wodurch er die Tasche mit mehr als 600.000 Euro verloren habe. Erst nach der Tat sei ihm klar geworden, worauf er sich eingelassen habe, verlas der Anwalt das Geständnis.

Offen blieb auch nach den Geständnissen, wo der Großteil des erbeuteten Geldes von knapp 242.000 Euro geblieben ist. Nur 4000 Euro wurden zurückgegeben. Den Angeklagten zufolge soll jeder 45.000 Euro erhalten haben, wovon sie jeweils 5000 Euro an den Tippgeber abgeben mussten. Einer der Tatbeteiligten will jedoch nur einen Bruchteil bekommen haben, der Großteil sei an die Drahtzieher gegangen.

Auch zu den Hintermännern wollten die Angeklagten zunächst keine Angaben machen. Gegen den 29-jährigen Onkel, der die vier Männer angestiftet haben soll, wird gesondert verhandelt. Die Idee zu dem Überfall soll ein 31-Jähriger gehabt haben, der bei dem Pokerturnier mitgespielt und mit seinem Mobiltelefon aus dem Hotel das Signal zum Losschlagen gegeben haben soll. Zielfahnder des Landeskriminalamtes hatten ihn Ende Mai in Berlin gefasst, am Freitag wurde Anklage erhoben. Gerichtssprecherin Petra Carl sagte, die beiden Drahtzieher hätten sich bislang nicht zur Tat geäußert.

Der Prozess gegen die vier mutmaßlichen Räuber wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann soll das vierte Geständnis verlesen werden. Bis Mitte Juli sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt.

siu/dpa/apn/AFP/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Justiz
alles zum Thema Berliner Pokerraub

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen







TOP



TOP