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16.06.2010
 

Klage über Rücktrittsdruck

Walter Mixa keilt gegen deutsche Bischöfe

Ausgburger Bischof: Die Verfehlungen des Walter Mixa
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dpa

"Der Druck war wie ein Fegefeuer": Der zurückgetretene Bischof Mixa lässt in einem Zeitungsinterview dem Selbstmitleid freie Bahn. Im Missbrauchsskandal sei er auf infame Weise zur Demission gezwungen worden, sagte er - und will nun beim Papst persönlich in der Sache vorsprechen.

Hamburg - Walter Mixa betonte im Interview mit der "Welt", er habe seine Rücktrittserklärung vom April dieses Jahres nicht selbst geschrieben. "Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer. Drei Tage später habe ich sie in einem Schreiben an den Papst widerrufen. Ich wusste in den Tagen weder ein noch aus", sagte Mixa im Gespräch mit dem Historiker und Vatikan-Korrespondenten Paul Badde.

Den Verdacht des sexuellen Missbrauchs gegen ihn hätten höchste Geistliche des Bistums an die Presse lanciert. "Und da war mein Generalvikar dabei und Weihbischof Losinger, den ich selbst zum Domprobst ernannt habe", sagte Mixa. Anton Losinger hat Mixas Darstellung zu seinem Rücktritt bereits zurückgewiesen.

Mixa erwägt nun, am päpstlichen Gerichtshof in Rom ein Verfahren anzustrengen. Das sei "ein ganz guter Gedanke, den ich sehr wohl erwäge und bedenke", so der Ex-Bischof. Er kündigte an, im Juli persönlich mit dem Papst sprechen zu wollen. Der 69-Jährige hatte Benedikt XVI. am 22. April seinen Rücktritt angeboten, nachdem über Prügelstrafen und finanzielle Unregelmäßigkeiten zu seiner Zeit als Pfarrer in Schrobenhausen berichtet worden war.

Kritik an Zollitsch und Marx

Enttäuscht zeigte sich Mixa vom Verhalten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch, sowie des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx. "Es hätte brüderlicher sein müssen." Zollitsch und Marx seien "zum Papst geeilt und haben ihm als Trumpf den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nicht mehr beruhte als auf sechs handschriftlichen Sätzen einer höchst dubiosen hingekritzelten Notiz".

Mixa kündigte an, im Gespräch mit Papst Benedikt XVI. seine Sicht der Dinge erläutern zu wollen. "Er hat mich ja zum Gespräch eingeladen. Vor allem will ich mit ihm also besprechen, wie sich die Situation weiterentwickeln soll", erklärte er.

Im Hinblick auf die Prügelvorwürfe der Vergangenheit drückte sich Mixa im Interview gewohnt diffus aus: Sogenannte Prügelstrafen seien ihm "beim besten Willen immer noch nicht erinnerlich". Es sei jedoch ein Fehler gewesen, "dass ich da nicht gleich eingeräumt habe, dass ich das nicht für jede körperliche Züchtigung behaupten kann, wie sie damals in der Jugendarbeit - erst recht mit sogenannten schwererziehbaren Kindern - üblich und bis 1980 auch rechtens waren".

Erst unlängst war der Ex-Bischof dafür kritisiert worden, dass er trotz Amtsverlusts seine ehemalige Wohnung im Augsburger Bischofspalais wieder bezogen hatte. Auf die Frage, wie lange er gedenke, dort zu bleiben, sagte Mixa: "Das ist offen. Es wird sich entscheiden, wenn ich eine neue Bleibe zugewiesen bekomme." Er plane, künftig wieder in der Seelsorge tätig zu sein und mit den Gläubigen den Gottesdienst zu feiern.

ala/apn/dpa/ddp

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