Wiesbaden - Insgesamt 33.700 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr in Obhut genommen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mit. Das waren 4,5 Prozent mehr als 2008. Im Vergleich zu 2004 betrug die Steigerung sogar 30 Prozent.
In den vergangenen Jahren sorgten immer wieder Fälle von tödlicher Misshandlung oder extremer Vernachlässigung für Schlagzeilen, bei denen die Jugendämter vor allem sehr junge Kinder nicht rechtzeitig aus den Familien genommen hatten.
Entsprechend hoch war der Anteil der unter Dreijährigen, die in Obhut genommen wurden: Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent und gegenüber 2004 sogar um 90,4 Prozent. Dagegen verringerte sich der Anteil der Drei- bis Sechsjährigen (minus drei Prozent) sowie der Anteil der Sechs- bis Neunjährigen (minus 12,5 Prozent).
Anfang 2005 wurde das Kinder- und Jugendhilfegesetz erweitert. Seitdem sind die Jugendämter verpflichtet, ihren Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung wahrzunehmen. Sie müssen die Risiken im Einzelfall abschätzen und mit anderen Institutionen - wie etwa Krippen und Kindergärten - zusammenarbeiten, um maximalen Schutz zu gewähren.
Bereits um die Jahrtausendwende lag die Zahl der jährlichen Inobhutnahmen bei über 31.000, sank dann aber bis 2005 auf 25.700. Seitdem wuchs die Zahl deutlich an. So wurden 2007 rund 28.200 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, 2008 sogar 32.300. Die Inobhutnahme ist eine kurzfristige Maßnahme der Jugendämter zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, die sich in einer akuten, gefährlichen Situation befinden. Die Behörden nehmen Minderjährige auf eigenen Wunsch oder aufgrund von Hinweisen Anderer, etwa der Polizei oder von Erziehern, in Obhut und bringen sie zum Beispiel in einem Heim unter.
Zahl der Ausreißer nimmt ab
Im Jahr 2009 waren knapp 27 Prozent der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen zuvor aus der eigenen Familie, einem Heim oder einer Pflegefamilie ausgerissen. Dabei war der Anteil der Ausgerissenen bei Mädchen mit 30 Prozent höher als bei Jungen mit 22 Prozent. Die Zahl der Ausreißer ging allerdings in den vergangenen Jahren zurück, 2004 betrug er insgesamt 34 Prozent.
ala/apn
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