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19.07.2010
 

Düsseldorf

Mutmaßlicher Serienvergewaltiger muss vor Gericht

"Das Auffällige an ihm ist seine Unauffälligkeit": Ein Familienvater aus der Eifel soll ein gefährlicher Sexualstraftäter sein, der fast 20 Jahre lang im deutsch-belgischen Grenzgebiet sein Unwesen trieb. Nur durch Zufall kamen Ermittler dem 46-Jährigen auf die Schliche, jetzt wird er angeklagt.

Düsseldorf - Der mutmaßliche Serienvergewaltiger aus der Eifel wird für die meisten der ihm zur Last gelegten Taten unbehelligt bleiben. Dem 46-jährigen Familienvater waren zwischen 100 und 200 Sexualdelikte zugerechnet worden, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf klagte ihn jetzt jedoch nur in neun Fällen an.

Der Mann hatte nach eigener Aussage in 19 Jahren an rund 1000 Haustüren geklingelt, sich als gelähmt ausgegeben und Frauen gebeten, ihm in seiner Notlage beim Urinieren zu helfen. Etwa 150 Mal wurde ihm geholfen. "Er ist psychologisch sehr geschickt vorgegangen. Die Fälle, in denen er keinen Zwang ausgeübt hat, sind nicht strafbar", sagte Staatsanwalt Johannes Mocken.

Polizei und Staatsanwaltschaft wollen am Dienstag über die Vorwürfe berichten. Die Anklage der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft nennt nur neun Fälle: drei Vergewaltigungen und sechs Vergewaltigungsversuche. Allerdings wirft die belgische Justiz dem Mann weitere elf Taten vor und hat seine Auslieferung beantragt. Auch in den Niederlanden soll der Schlosser Sexualstraftaten begangen haben.

Entscheidender Hinweis

Ein DNA-Abgleich hatte den unauffälligen Mann mit Vergewaltigungen in Krefeld, Bonn und Aachen in Verbindung gebracht. Der verheiratete Vater zweier Kinder war im März im rheinland-pfälzischen Teil der Eifel festgenommen worden.

Die Krefelder Polizei hatte auch mit Hilfe der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" nach dem Mann gefahndet. Den entscheidenden Hinweis lieferte aber ein Polizist aus dem belgischen Eupen. Er erinnerte sich daran, dass er vor einigen Jahren wegen eines Diebstahls gegen einen Mann ermittelt hatte, der eine ähnliche Mitleidsmasche wie der Gesuchte benutzt hatte - und kannte seine Personalien. Als Opfer den Mann daraufhin auf Fotos wiedererkannten, erwirkte die belgische Polizei einen Europäischen Haftbefehl.

Neben seiner Mitleidsmasche soll sich der Mann auch in Studentenwohnheime geschlichen und dort Frauen vergewaltigt haben. "Das Auffällige an ihm ist seine Unauffälligkeit", hatte eine Ermittlerin gesagt. "Er ist der unscheinbare Nachbar, dem niemand diese Tat zutraut."

jdl/dpa

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