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20.07.2010
 

S-Bahn-Drama

Brunner soll von Herzfehler nichts gewusst haben

Der Fall Dominik Brunner: Gewaltexzess am Bahnsteig
Fotos
ddp

Im Prozess um den Tod von Dominik Brunner ist die Herzkrankheit des Verstorbenen in den Fokus gerückt. Laut Staatsanwaltschaft soll dem 50-Jährigen das Risiko nicht bekannt gewesen sein. Nun wollen die Anwälte der angeklagten Schläger zwei Mediziner vor Gericht hören lassen.

München - Dominik Brunner soll nicht gewusst haben, dass sein Herzmuskel krankhaft vergrößert war. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag. "Herr Brunner hat keine Medikamente eingenommen und, wie sein Umfeld auch, angenommen, dass er gesund ist", sagte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger dem Blatt.

Zuvor hatte die Verteidigung kritisiert, die Staatsanwaltschaft habe Informationen zu Brunners Gesundheitszustand verschwiegen. Stockinger wies diesen Vorwurf zurück. Dass Brunner einen Herzfehler gehabt habe, stehe zwar nicht in dem neun Seiten langen öffentlich verlesenen Anklagesatz, werde aber in der 90-seitigen Anklageschrift erwähnt.

Brunner war im September 2009 Opfer einer brutalen Prügelattacke am Münchner S-Bahnhof Solln geworden. Am Wochenende wurde bekannt, dass der 50-jährige Geschäftsmann an einem extrem vergrößerten Herzen litt. Er war an Herzversagen gestorben und offenbar nicht unmittelbar an den Verletzungen infolge der Schläge und Tritte.

Derzeit müssen sich Sebastian L., 18, und Markus Sch., 19, wegen der tödlichen Auseinandersetzung vor der Jugendkammer des Münchner Landgerichts verantworten. Die Anklage lautet auf Mord aus niedrigen Beweggründen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten aus Rache auf Brunner eindroschen, weil dieser vier minderjährige Schüler vor den Drohungen der beiden angetrunkenen jungen Männer hatte schützen wollen.

Offenbar überforderte die Erregung sein Herz

In ihrer Anklageschrift hatte die Staatsanwaltschaft vage formuliert, Brunner sei "an den Folgen des Angriffs der Angeschuldigten" verstorben. Vermutlich überforderte die Erregung wegen des Streits mit den Angeklagten und das anschließende Gewaltgeschehen sein Herz so sehr, dass es versagte.

Die Verteidigung reagierte am Dienstag auf das Bekanntwerden der neuen Details zur Todesursache. Die Anwälte von Markus Sch. und Sebastian L. beantragten zu Beginn des fünften Verhandlungstags, zwei Mediziner als Sachverständige hinzuzuziehen.

Ein Arzt soll bei der Befragung von Zeugen zu rechtsmedizinischen Details helfen. Außerdem soll nach dem Willen der Anwälte ein Facharzt für Anästhesiologie geladen werden, der im Rahmen der Ermittlungen ein Teilgutachten zur Notfallversorgung bei Brunner erstellt hatte.

Laut Verteidigung spricht der Verlauf der Notfallversorgung dafür, dass der Zusammenbruch Brunners bei der Auseinandersetzung mit den Angeklagten durch Herzschwäche ausgelöst wurde.

Klare Kausalität

Die Staatsanwaltschaft sieht die Schuld am Tod des Managers weiterhin bei den Angeklagten. Brunner sei in Folge der Schläge und Tritte daran gestorben, dass das Herz stehengeblieben sei, sagte Oberstaatsanwältin Stockinger am Samstag. Damit sei die Kausalität klar: Brunner würde nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ohne die massiven Schläge und Tritte noch leben.

Eine Zeugin sagte nun aus, einer der beiden Angeklagten habe das Opfer mit dem Tode bedroht. Mit den Worten "Ich bring dich um" soll Markus S. auf Brunner eingeschlagen haben, so die 16 Jahre alte Schülerin am Dienstag vor dem Gericht. Der Jugendliche habe auch Beschimpfungen wie "Motherfucker" gerufen und den Manager mit den Füßen traktiert.

Die mutmaßlichen Schläger vom S-Bahnhof Solln haben aus Sicht eines weiteren Zeugen Brunner jedoch nicht von sich aus angegriffen. Der 50-Jährige sei am Bahnsteig "zügig mit zwei Schritten" auf die beiden zugegangen und habe einem mit der Faust ins Gesicht geschlagen, sagte der S-Bahn-Zugführer vor Gericht.

"Die beiden Angeklagten waren äußerst überrascht - wie ich", so der 46-Jährige. Für ihn sei Brunner der Angreifer gewesen - er habe nichts von der vorangegangenen Auseinandersetzung mitbekommen. "Er hätte einfach nur gehen müssen, der Herr Brunner. Es war aus meiner Sicht genug Zeit, um zu gehen", sagte der Bahnbedienstete.

siu/jdl/ddp/dpa

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Die neuesten Beiträge:
21.07.2010 von Henry Klack: "Er hätte einfach nur gehen müssen..."

... besser kann man die Angelegenheit nicht kommentieren und das aus Angst um die eigene Sicherheit . Hoch lebe die Feigheit und das Wegschauen. Es ist ja fast unglaublich, wie die Geschichte nun gedreht werden soll. Muß der [...] mehr...

21.07.2010 von mats123: Erster Fehlversuch

Sie meinen, dass Zeugen, die sich gar nicht einmischen, totgeschlagen werden? Was ist denn das für eine komische Denkweise? Sie liegen völlig falsch! Einem Zeugen, der sich aus dem Staub macht, passiert in der Regel gar [...] mehr...

21.07.2010 von Newspeak: ...

Das nennt man dann wohl militanten Pazifismus, von der Logik her? Meine Meinung dazu ist: Wer zuerst zuschlägt, der muß auch mit allen Konsequenzen rechnen! Nicht umsonst rät die Polizei genau NICHT dazu, in solchen Situation [...] mehr...

20.07.2010 von Alaska Saedelaere: .

Da ich den Informationsstand der BILD-Zeitung weder von vor vier Wochen noch von heute kenne, sondern mich auf SPIEGEL ONLINE informiere, kann ich hier sehr wohl mitreden. Ich habe die Hefte von 1 bis 1200. O selige [...] mehr...

20.07.2010 von el_diego_de_la_gente: ...

Entweder Sie koennen sich sehr gut verteidigen oder waren noch nie in einer aehnlichen Situation verwickelt. Haette der erste Schlag von Herrn Brunner eins der Jugendlichen Kampfunfaehig gemacht, waere Nichts weiteres passiert. [...] mehr...

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