Mannheim/Berlin - Die Schmerzensgeldforderung von Fernsehmoderator Jörg Kachelmann ist beim Springer-Verlag bereits eingegangen. "Wir können bestätigen, dass es Forderungen gibt, die sich etwa auf zwei Millionen Euro summieren", sagte Tobias Fröhlich, Sprecher der "Bild"-Gruppe. Einzelheiten nannte Fröhlich nicht.
Der Verlag weise die Forderungen aber allesamt zurück. Weitere Details sind noch unklar. Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker wollte sich zu der Sachlage nicht äußern.
Wie "Faz.net" am Freitag berichtete, haben Kachelmanns Anwälte entsprechende Forderungen an "Bild" und "Bild am Sonntag" gestellt. Rechtsexperten hatten zuvor auch die Pressearbeit der Staatsanwaltschaft kritisiert. Sie sei Auslöser für eine mediale Hetzjagd auf Kachelmann gewesen, sagte der Berliner Presserechts- Anwalt Christian Schertz der dpa.
"Ich gehe davon aus, dass die sehr frühe Information der Öffentlichkeit über die Inhaftierung die Persönlichkeitsrechte Kachelmanns verletzt hat", sagte Schertz. "Sollte Kachelmann im Hauptverfahren freigesprochen werden, stehen Amtshaftungsansprüche im Raum". Der Präsident des Verbandes deutscher Strafrechtsanwälte, Jürgen Möthrath, kritisierte, das Privatleben des Wettermoderators sei in einer Weise an die Öffentlichkeit gezerrt worden, wie es bei weniger prominenten Verdächtigen nie der Fall gewesen wäre.
"Der Alptraum ist für mich noch nicht zu Ende"
Kachelmann war am 20. März nach der Rückkehr von den Olympischen Winterspielen aus Kanada verhaftet worden. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte den Haftbefehl gegen den Schweizer am Donnerstag aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft legt dem 52-jährigen Wettermoderator Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und Körperverletzung zur Last. Er soll Anfang Februar seine frühere Freundin zum Sex gezwungen und mit einem Messer am Hals verletzt haben.
Am Freitag hatte sich der Wettermann erstmals öffentlich geäußert und erneut seine Unschuld beteuert. "Der Alptraum ist für mich noch nicht zu Ende", sagte er in ersten Interviews auf freiem Fuß.
Der Meteorologe beschrieb seine Haftzeit als "das Furchtbarste", was ihm jemals in seinem Leben passiert sei. "Man kann ja selber nichts an seiner Situation ändern. Das ist etwas, was ich niemandem wünschen möchte, niemandem auf der Welt, was dieser Mensch mir auch angetan hat", sagte er. Nur dank seines "hervorragenden Anwalts" habe er sich wehren können. Zu wissen, dass er unschuldig sei und gleichzeitig die Ungewissheit zu empfinden, wann andere das erkennen würden, sei schlimm gewesen.
Nach der Entlassung will Kachelmann nun weiter gegen die Vergewaltigungsvorwürfe kämpfen. Der Prozess beginnt vor dem Landgericht Mannheim am 6. September.
hen/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
Ich glaube Sie sollten das Buch erstmal lesen und sich über die Hintergründe informieren. Wenn sie das Buch schon gelesen haben,dann haben Sie es anscheinend nicht verstanden. Was sehr schade wäre,ist es doch eigentlich [...] mehr...
Ich stimme zu. Wir haben uns alle aufgeregt beim Fall Marco in der Türkei...hier ist es ja nicht besser. Gut das das mal öffentlich wird. Wir brauchen schnellere Verfahren...falls jemand unschulig hinter Gitter kommt ist doch [...] mehr...
Die U-Haft in Deutschland ist mit das Perverste was unsere Justiz zu bieten hat. 23 Stunden am Tag auf einem Klo eingesperrt - monatelang, ohne überhaupt verurteilt zu sein. Wir also Otto-Normal-Bürger können uns das gar nicht [...] mehr...
Es ist doch gehüpft wie gesprungen was in den Medien steht ! Wer jahrelang in parallelen Welten lebt und durch Lügen seine Mitmenschen so täuschen kann, ist doch erheblich gestört, wenn nicht sogar psychotisch und gehört in [...] mehr...
Print-Medien (wie Bild und BamS), die um der Auflagenhöhe willen in einer solchermaßen unsachlichen und vor allem menschenverachtenden Weise die niedrigsten Instinkte "ihrer" Leser bedienen, können nur über monetäre [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Justiz | RSS |
| alles zum Thema Jörg Kachelmann | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH