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15.08.2010
 

Neue Statistik

Großbritannien zählt erstmals Kinderprostituierte

Hilfsorganisationen in Großbritannien berichten von Hunderten Kindern, die zur Prostitution gezwungen werden - auch wenn eine neue offizielle Statistik nur 38 Fälle zählt. Kritiker sagen: Das Problem sei von der Gesellschaft lange Zeit schlicht ignoriert worden.

Hunderte Kinder, die in Großbritannien aufwachsen, werden zur Prostitution gezwungen, schätzen britische Hilfsorganisationen. Anfang August wurde der Fall eines 14-jährigen Mädchens aus der Nähe von Manchester bekannt, die von einer Gruppe Männer sexuell ausgenutzt und zur Prostitution gezwungen wurde. Neun Männer wurden deswegen verurteilt. Seitdem wird in den Medien über ähnliche Fälle berichtet - und Hilfsorganisationen warnen, dass das Thema Kinderprostitution von der Öffentlichkeit unterschätzt werde.

Erstmalig gibt es eine Statistik, in der diese Fälle erfasst sind, berichtet "The Independent". 38 Fälle hat das staatliche Human Trafficking Centre zwischen April 2009 und März 2010 registriert. Eine Zahl, die das wahre Ausmaß der Kinderprostitution in Großbritannien aber nicht im Geringsten widerspiegelt. So berichtet die Zeitung, dass allein die Kinderhilfsorganisation Barnardo's im vergangenen Jahr 609 sexuell ausgebeutete Kinder betreut habe.

Die Hälfte dieser Kinder sei als vermisst gemeldet worden. Zwar seien nicht alle Fälle so krass wie der nun bekannt gewordene. Dennoch sei das Problem weit verbreitet. Die offizielle Zahl sei deshalb nur die Spitze des Eisbergs.

Im Gegensatz zu Fällen, in denen Mädchen aus dem Ausland nach Großbritannien verschleppt oder mit falschen Versprechungen gelockt werden, hätten die im Land selber zur Prostitution gezwungenen Kinder und Jugendlichen oftmals verzweifelte Familien. Die Polizei sei mit solchen Situation offenbar oftmals überfordert, berichtet die BBC.

Typischerweise seien Mädchen zwischen elf und 13 Jahren die Opfer. Männer, sogenannte Loverboys, würden sich mit ihnen anfreunden und sie mit Geschenken und der Androhung von Gewalt manipulieren, bis sie sich schließlich sexuell ausbeuten ließen. Man wisse nicht, ob dies ein neues Phänomen sei, zitiert die BBC einen Barnardo's-Mitarbeiter, weil man bisher auf solche Fälle nicht geachtet habe.

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