Quito/San Fernando - Der 18-Jährige aus Ecuador ist der einzige Zeuge einer Hinrichtung von unfassbarer Brutalität.
Auf einem alten Bauernhof hatte die mexikanische Polizei am Dienstag die Leichen von 72 Menschen gefunden, bei denen es sich nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen vermutlich um illegale Einwanderer aus Brasilien, El Salvador, Ecuador und Honduras handelte, die auf dem Weg in die USA waren.
Nach ersten Erkenntnissen waren die Einwanderer im nordmexikanischen Bundesstaat Tamaulipas, der an Texas grenzt, von einer bewaffneten Bande abgefangen worden, die ihnen eine Tätigkeit als Handlanger angeboten habe. Als die Einwanderer, 58 Männer und 14 Frauen, dies abgelehnt hätten, seien sie von der Bande ermordet worden, berichteten die mexikanischen Behörden unter Berufung auf den einzigen Überlebenden.
Der Ecuadorianer hatte sich durch Schüsse verletzt an einen Kontrollpunkt des Militärs geschleppt und den Soldaten von dem Massaker berichtet. Daraufhin griffen die Soldaten die Farm an. Dabei wurden ein Soldat und drei Verdächtige getötet. Ein Jugendlicher sei festgenommen worden, die übrigen Bewaffneten entkamen demnach. Der Ecuadorianer gab an, dass die Kriminellen der Drogenbande "Zetas" angehörten.
Der ecuadorianischen Zeitung "El Comercio" zufolge hatte der 18-jährige Überlebende Schlepper bezahlt, die ihn in die USA bringen sollten. Er war vor einem Monat in seinem Heimatdorf aufgebrochen, wie das Blatt unter Berufung auf die Freundin des Mannes berichtete.
In der Region hat der Vorfall große Erschütterung hervorgerufen. Die "feige" Tat betrübe "alle Regierungen und Völker Lateinamerikas", sagte Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa in Quito. Auch ihr ecuadorianischer Kollege Ricardo Patiño verurteilte die Tat. Der Außenminister von El Salvador, Hugo Martínez, sagte, er hoffe, dass die Täter gefasst würden.
In Tamaulipas wie in anderen an die USA grenzenden mexikanischen Bundesstaaten tobt ein mörderischer Kampf zwischen rivalisierenden Drogenkartellen sowie zwischen der Armee und den Banden.
Jedes Jahr durchqueren Schätzungen zufolge eine halbe Million illegale Einwanderer Mexiko in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA. Allein in den sechs Monaten zwischen September 2008 und Februar 2009 seien dabei 10.000 Menschen von Drogenbanden entführt worden, berichtete die mexikanische Menschenrechtskommission.
Die meisten Überlebenden machten demnach die "Zetas" für die Entführungen verantwortlich. Der Vorfall zeige die Unfähigkeit der Regierung, die Gewalt gegen die illegalen Einwanderer in Mexiko zu verhindern, sagte der Chef der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Mexiko, Alberto Herrera.
pad/AFP/AP
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