Hamburg - Castingshows leben vom Niveau der künstlerischen Darbietung - solange die unterirdisch schlecht ist, ist alles gut. Je skurriler und untalentierter der Kandidat, der sich vor Millionen Fernsehzuschauern zum Deppen macht, umso besser für die Quote.
Der Erfolg des lächerlichen Auftritts von Khurram Syed Sher bei "Canadian Idol" 2008 war also programmiert. Schon die Diskrepanz zwischen der pop-bunten Studiodekoration und seiner Erscheinung schien für viele ulkig - Sher, der angab, aus Pakistan zu stammen, trat in dem landestypischen Gewand Shalwar Kameez und mit der Kopfbedeckung Pakol auf.
Dann legte er richtig los. Er blökte den Avril-Lavigne-Song "Complicated" und gab mit hölzernen Bewegungen den Moonwalk. Ein fulminanter Auftritt. Natürlich kam er mit der Lachnummer keine Runde weiter, doch die Performance machte sofort Furore, der tanzende Pakistaner wurde im Internet gefeiert (zum YouTube-Video...). Ein Fanclub bei Facebook nannte sich "Khurram Sher ist unser Canadian Idol". Auf der Internetseite einer islamischen Jugendgruppe hieß es kurz nach der Ausstrahlung der Show, Shers Auftritt sei ein Witz gewesen, eine gewollte Verballhornung.
Zwei Jahre später nun ist Khurram Syed Sher wieder Thema im Internet - weil er, wie das "Wall Street Journal" berichtet, zu einem Trio von Verdächtigen gehört, das laut polizeilicher Ermittlungen Terroranschläge in Kanada vorbereitete.
Bei den inhaftierten Männern soll es sich den kanadischen Ermittlern zufolge um eine Zelle handeln, die Kontakte nach Iran, Afghanistan, Dubai und Pakistan unterhielt. Eine Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida wurde nicht bestätigt, die Verdächtigen seien jedoch Anhänger einer "militant islamistischen Ideologie", sagte ein Sprecher des kanadischen Geheimdienstes.
Mediziner, Vater von drei Kindern, leidenschaftlicher Hockeyfan
Seit 2008 habe die Gruppe Anschläge in Kanada vorbereitet - so wurden bei einem der Männer unter anderem 50 Fernzünder sichergestellt sowie umfassende Anleitungen und Materialien zum Bombenbau.
Die Verblüffung ist groß. Wie passt es zusammen, dass sich ein "militanter Islamist" in einer Castingshow derart exponiert und angeblich Terroranschläge plant? Eine Frage, auf die auch die Ermittler offenbar noch keine Antwort haben.
Khurram Sher, 28, stammt aus London, einer Stadt in der kanadischen Provinz Ontario, berichtet die Zeitung "National Post". Sher ist demnach Mediziner, Vater von drei Kindern, leidenschaftlicher Hockeyfan und arbeitet als Assistenzarzt in der Pathologie des Royal Victoria Krankenhauses in Montreal.
Laut Verwandten, mit denen Reporter der "Post" sprachen, ist Sher keineswegs in Pakistan geboren, wie er bei "Canadian Idol" behauptete, sondern in Ontario. Ein scheinbar hervorragend integrierter Mann aus einer Einwandererfamilie. "Schon nach kurzer Zeit seiner Tätigkeit waren hier alle hochzufrieden mit ihm", sagte der Direktor des Krankenhauses, Paul Collins, der Zeitung. Es sei "völlig surreal", nun zu erfahren, dass Sher als Terrorverdächtiger festgenommen worden sei. "Damit hat wirklich niemand gerechnet."
"Er ist ein witziger Typ, das liegt ihm"
Auch ein Onkel Shers, den die "Post" mit der Nachricht von dessen Festnahme konfrontierte, reagierte fassungslos: "Mein Gott, das ist doch unmöglich. Das passt nicht zu ihm, Sie machen Witze."
Begehrt war Sher als Hockeyspieler - zweimal jährlich stand er im Aufgebot beim Montreal-Muslim-Ball-Hockey-Turnier. Nicht nur wegen seines technischen Könnens sei er im Team beliebt gewesen, sondern auch wegen seines Humors. "Er ist ein witziger Typ", sagte der Trainer der Mannschaft der "Post". "Das liegt ihm."
Die kanadischen Sicherheitsbehörden hatten Sher und die beiden anderen Verdächtigen den Angaben zufolge rund ein Jahr unter Beobachtung. Der Zugriff sei nun erfolgt, weil ein Mitglied der Gruppe mit Geld Aufständische in Afghanistan beim Kauf von Waffen habe unterstützen wollen. Eine Gerichtsanhörung wurde für den 1. September festgesetzt.
Khurram Sher hat nun, wie bereits vor zwei Jahren, die Gründung einer Facebook-Gruppe inspiriert. Diesmal nennt sie sich allerdings "Die Wir-sind-gegen-diesen-Typ-Koalition".
pad/AFP
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Eigentlich gilt die Bibel im Islam durchaus als heiliges Buch. Genauso wie auch Jesus als Prophet verehrt wird (aber nicht als Sohn Gottes) und Christen und Juden auch nicht direkt Ungläubige sind, weil sie sind "Völker des [...] mehr...
Ein so feiner und gut integrierter Herr - und Humor hat er auch noch! Das wären doch genau die Fachkräfte, die die deutsche Wirtschaft händeringend sucht. Mit Doppelqualifikation als Mediziner und Bombenbauer. mehr...
Ich seh es jetzt schon kommen: Mindestens die Hälfte der Foristen wird jetzt wüten, daß diese Aktion ja wohl eine völlig unberechtigte Festnahme eines an sich total netten Jungen von nebenan sei, um den Menschen Angst zu [...] mehr...
Untrüglicher Hinweis laut Peter Scholl-Latour: Der struppige Bart. mehr...
Der Herr hat doch toll gesungen, alle Töne getroffen etc. - und dann gibt's vier NOs? mehr...
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