Von Simone Utler
Hamburg - Hat Jörg Kachelmann seine ehemalige Freundin brutal vergewaltigt? Oder bezichtigt die Radiojournalistin den TV-Wettermoderator der Tat, um sich zu rächen, weil er sie mit anderen Frauen betrog? Das sind die zentralen Fragen, auf die das Landgericht Mannheim Antworten finden soll. Leicht wird das nicht: Aussage steht gegen Aussage, es gibt keine Zeugen und kaum objektive Beweise.
Sollte nicht plötzlich einer von beiden, der Angeklagte oder die Ex-Freundin, seine Aussage ändern - und das kommt in Vergewaltigungsprozessen selten vor - wird sich das Verfahren vor allem auf Gutachten stützen. Davon gibt es bereits etliche. Verteidigung und Staatsanwaltschaft scheinen seit der Verhaftung des Moderators in einen Stellungskrieg gezogen zu sein, in dem sie Rechtsmediziner, Psychologen, Traumatologen ins Feld führen. Mindestens fünf Sachverständige sollen in der Hauptverhandlung aussagen, ebenso wie Ex-Freundinnen des TV-Moderators.
Sie können etwas zu einer möglichen Gewaltbereitschaft des mutmaßlichen Täters oder der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers sagen, moralische Bewertungen beisteuern, ein Gesamtbild zeichnen - doch die beiden Einzigen, die wissen, was sich in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 ereignet hat, sind Kachelmann und seine ehemalige Geliebte.
Die 37-Jährige behauptet, der Wetterexperte habe sie in ihrer Wohnung im baden-württembergischen Schwetzingen zum Sex gezwungen, sie mit einem Küchenmesser bedroht und am Hals verletzt - weil sie seinen zahlreichen Affären auf die Spur gekommen sei. Kachelmann bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Auch jenseits des strafrechtlichen Kerns ist die Causa Kachelmann interessant - und schwierig. Es gibt zahlreiche rechtliche Fragen, die nicht unmittelbar mit dem Vergewaltigungsvorwurf zu tun haben, sondern vielmehr mit dem Prominenten-Status des Angeklagten. Ist es rechtens, dass die Öffentlichkeit von der Untersuchungshaft des Moderators erfuhr? Wie können derartig viele Details aus einem Verfahren durchsickern? Welche Rolle spielen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Richter in diesem Fall?
SPIEGEL ONLINE gibt Antworten auf sieben zentrale Fragen rund um den Fall. Klicken Sie dazu auf die Fotos:
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Bei den ganzen Ungereimtheiten frage ich mich, ob und in welchem Umfang und über welchen Zeitraum einige Zeuginnen und das mutmassliche Opfer miteinander in Kontakt standen und wie sich das, vorsichtig formuliert, auf ihre [...] mehr...
...was mich außerdem sehr stört, ist die offensichtliche Unfairness in mehrerern Bereichen. Wer es beobachtet hat, das Gesicht der im Auto sitzenden und dann aussteigenden Frau wurde konsequent von Anfang bis Ende der Reportage [...] mehr...
Ich hoffe für sie, dass sie nie mit der weltlichen Gerichtsbarkeit zu tun bekommen... Herr Kachelmann ist gut beraten ALLE Möglichkeiten zu nutzen, auch wenn es sich um "verfahrenstechnische Tricks" handeln sollte. In [...] mehr...
Nicht Vorverurteilen Der Prozess hat mit der Einvernahme der Zeugen und der Anklägerin erst begonnen. Die Gutachter beider Seiten werden befragt werden. Die Anwälte werden ihre Streitgespräche führen müssen, denn dazu sind sie [...] mehr...
Das habe ich als juristischer Laie mich schon die ganze Zeit gefragt - ob es nicht eine übergeordnete Instanz gibt, die eingreifen müsste, wenn auch nur der Hauch eines Verdachts auf persönliche/private Verbindungen besteht. mehr...
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