Von Simone Utler
Auftritte in der Öffentlichkeit ist er gewohnt - doch dieser ist wohl einer der wichtigsten in seinem Leben. Ernst und konzentriert wirkend, in dunklem Anzug, erschien Jörg Kachelmann am Montagmorgen am Landgericht Mannheim. Kurz nach neun Uhr betrat der 52-jährige Wettermoderator hinter seinem Verteidiger den Gerichtssaal.
Den Fotografen und Kamerateams, die zahlreich zum Prozessauftakt gekommen waren, blieben wenige Minuten, um Bilder von dem prominenten Angeklagten, den Richtern und dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal zu machen. Dann schlossen sich die Türen - und wurden wenige Minuten später wieder geöffnet.
Wie erwartet hatte die Verteidigung Befangenheitsanträge gestellt - gegen den Vorsitzenden Richter Michael Seidling und eine weitere Richterin. Seidling lebt im Nachbarort des mutmaßlichen Opfers, außerdem soll es lokalen Zeitungen zufolge Verbindungen über Sportvereine geben.
Kachelmann habe Sorge, dass die beiden Richter "seiner Sache und seiner Verteidigung nicht völlig unvoreingenommen gegenüberstehen", erläuterte Anwalt Rainer Birkenstock den wartenden Journalisten den Grund für den Befangenheitsantrag. Details wollte er jedoch nicht nennen. "Es geht nicht darum, die Richter öffentlich anzugreifen", so Birkenstock weiter. Da das umfangreiche Ablehnungsgesuch "kritische Tatsachen" enthalte, habe er das Dokument nicht verlesen, sondern am Morgen dem Gericht in schriftlicher Form überreicht. Über den Inhalt zu informieren, sei Aufgabe der Gerichtspressestelle.
Wie es die Strafprozessordnung vorsieht, werden jetzt andere Richter zusammen mit den nicht abgelehnten Richtern der 5. Großen Strafkammer über die Ablehnungsanträge entscheiden.
"Nicht der Befindlichkeitssprecher meines Mandanten"
Kachelmann ist angeklagt, in der Nacht zum 9. Februar seine langjährige Freundin mit einem Messer bedroht und sie nach einem Beziehungsstreit vergewaltigt zu haben. Die 37-Jährige behauptet, der Moderator habe ihr in ihrer Wohnung in Schwetzingen ein Messer gegen den Hals gedrückt und sie zum Sex gezwungen. Der 52-Jährige bestreitet dies.
Kachelmann war am 20. März auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden und saß bis zum 29. Juli in Untersuchungshaft. Dann befand das Oberlandesgericht Karlsruhe, dass Gutachten die Angaben des mutmaßlichen Opfers nicht eindeutig stützten.
Das mutmaßliche Opfer, eine Radiomoderatorin, erschien am Montag überraschend mit seinem Anwalt Thomas Franz vor Gericht. Als Nebenklägerin hat sie das Recht, am gesamten Verfahren teilzunehmen.
Kachelmann kam wenige Minuten vor Prozessbeginn über einen Hintereingang in das Gerichtsgebäude. Bereits eine halbe Stunde später verließ der berühmte Wettermann das Landgericht Mannheim wieder. Erklärungen gab er nicht ab. Stattdessen meldete sich Comedian Oliver Pocher zu Wort, der sich als Kachelmann verkleidet hatte und auf dem Platz vor dem Gericht eine Show abzog.
Verteidiger Birkenstock gab sich auf die Fragen nach dem Zustand seines Mandanten sehr zugeknöpft. "Ich bin nicht der Befindlichkeitssprecher meines Mandanten", sagte der Anwalt. Er äußere sich zu seiner Arbeit, die im Gericht stattfinde. "Und zu mehr nicht."
Birkenstock nutzte jedoch die Interviews, um die Arbeit der Staatsanwaltschaft Mannheim erneut zu kritisieren. Die Behörde habe in dieser Sache "in einem Ausmaß, welches ihre Pflicht zur Objektivität überschreitet, sprengt, verletzt" die Medien gegen Kachelmann eingesetzt.
Ob Kachelmann aussagt, steht ihm frei
Der Prozess wird nun am 13. September fortgesetzt - in der bisherigen Besetzung, falls die Befangenheitsanträge abgelehnt werden sollten. Im Falle eines Erfolgs der Verteidigung müssen Vertreter berufen werden. Vorsorglich hat die Große Strafkammer einen Ersatzrichter bestellt, der am gesamten Strafverfahren teilnehmen wird, um notfalls einspringen zu können. Auch zwei Ersatzschöffen nehmen bereits an der Verhandlung teil.
Die Vernehmung der geladenen 26 Zeugen soll nächste Woche beginnen. Die Aussage des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer wird jedoch erst zu einem Termin der letzten Prozesstage erwartet - frühestens am 13. Oktober.
Ob Kachelmann aussagt, steht ihm frei. Er kann auch von seinem Anwalt eine Erklärung verlesen lassen. Der Moderator hat zum Prozessbeginn sein Verteidigerteam erweitert: Neben dem Kölner Rechtsanwalt Birkenstock wird er nun auch von der Heidelberger Strafverteidigerin Andrea Combé vertreten.
Der Prozess ist zunächst bis zum 27. Oktober terminiert. Im Fall einer Verurteilung im Sinne der Anklage droht Kachelmann eine Haftstrafe von 5 bis 15 Jahren.
mit Material von apn/dpa
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