Bremen - Er sei gerade 15 Jahre alt gewesen, als er das erste Mal verurteilt wurde, berichtet die "Bild". Als Teenager war Bernd K. bei einem Einbruch erwischt worden. Bis 1997 wurde der gelernte Dachdecker sechs Mal wegen Einbruchs, zwei Mal wegen Diebstahls, drei Mal wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, einmal wegen Widerstandes gegen Vollzugsbeamten und zwei Mal wegen Gefangenenmeuterei verurteilt. Es folgten Vorstrafen wegen Raubes, Bedrohung und unzählige Male wegen Körperverletzung. Insgesamt saß Kevins Vater drei Jahre im Gefängnis.
Außerdem besaß er unrechtmäßig eine Waffe. Mit ihr soll der 41-Jährige des öfteren vor Nachbarn herumgefuchtelt haben. Am Bahnhof in Hannover wurde er einmal von der Polizei festgenommen, weil er verbotenerweise eine Waffe bei sich trug - und Kevin bei sich hatte. Laut Polizeidatei wurde wegen seiner Gewalttätigkeit vor Bernd K. gewarnt. Mehrere Male soll er aus dem Gefängnis geflohen sein. Einmal, weil er die Gitterstäbe durchgesägt haben soll.
Er wurde auch verdächtigt, seine Freundin getötet zu haben
Seit dem Tod seiner Lebensgefährtin Sandra K., der Mutter Kevins, ermittelt die Staatsanwaltschaft Bremen gegen ihn. Die 34-Jährige wurde am 12. November 2005 tot in der gemeinsamen Wohnung entdeckt. Bernd K. verweigerte zunächst dem Rettungsdienst den Zutritt in die Wohnung in der Kulmer Straße in Bremen-Gröpelingen. Da der Notarzt "Fremdverschulden" nicht ausschloss und der Obduktionsbericht "massive Gewalteinwirkung" feststellte, geriet Bernd K. unter Verdacht, seine Freundin umgebracht zu haben. Oft soll es zwischen dem Paar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen sein.
Bernd K. sitzt derzeit in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Bremen-Oslebshausen. Zu Kevins Tod schweigt der drogensüchtige Mann beharrlich. Der Junge war von Mitarbeitern des Bremer Jugendamtes zwischen Schnapsflaschen tot im Kühlschrank entdeckt worden.
Morddrohungen gegen Jugendamtsleiter
Bereits im September 2004 soll der Zweijährige schwer misshandelt in die Notaufnahme gebracht worden sein, berichtet das Magazin "Focus". Die Professor-Hess-Kinderklinik habe das Jugendamt von schwersten Verletzungen unterrichtet. Demnach habe Kevin damals beide Unterschenkel, mehrere Rippen und den Schädel gebrochen gehabt. Die Eltern hätten damals erklärt, Kevin habe sich die Brüche an den Sprossen seines Kinderbettchens zugefügt. Dem Familienkrisendienst, der kurzzeitig Kevin betreute, hatte das Jugendamt nichts davon mitgeteilt, wie der Leiter Hans-Jürgen Lahann SPIEGEL ONLINE sagte.
Das Bremer Jugendamt steht wegen Kevins grausamen Tod unter heftiger Kritik. Dort arbeiten drei Mitarbeiter als Amtsvormünder für rund 620 Kinder und Jugendliche. Der Behördenl Jürgen Hartwig, ist nach Kevins Tod anonym bedroht worden. Hartwig habe einen Anruf erhalten und Anzeige erstattet, sagte ein Polizeisprecher. Hartwig wurde am Ende vergangener Woche vorläufig suspendiert, er selbst hatte zuvor die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens beantragt. Der Fall löste eine bundespolitische Debatte über mehr Schutz für misshandelte Kinder aus.
jjc/dpa
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