Mädchenmord in Emden 18-Jähriger bereut Aufruf zur Lynchjustiz

Zur Last gelegt wird ihm die "öffentliche Aufforderung zu Straftaten": Nach dem Lynchaufruf gegen einen ursprünglich Verdächtigen im Emdener Mordfall hat es eine Wohnungsdurchsuchung bei einem 18-Jährigen gegeben. Der junge Mann ist laut Justizangaben geständig und bereut seine Tat.


Emden/Oldenburg - Er soll einen Aufruf zur Lynchjustiz gegen den ursprünglich Verdächtigen im Fall des Emdener Mädchenmordes gestartet haben - nun bereut der Verfasser offenbar sein Handeln. In einer Vernehmung gab der 18-Jährige an, sehr betroffen über das Ausmaß und die Folgen seines Tuns zu sein, wie die Staatsanwaltschaft Aurich am Mittwoch mitteilte. Damit bestätigte die Ermittlungsbehörde einen Bericht der "Nordwest-Zeitung".

Laut Staatsanwaltschaft hat der Jugendliche gestanden, in einem sozialen Netzwerk zur Stürmung des Polizeigebäudes in Emden und zur Lynchjustiz gegen einen damals 17-Jährigen aufgerufen zu haben. Der dort inhaftierte Jugendliche stand zu diesem Zeitpunkt im Verdacht, eine Elfjährige missbraucht und getötet zu haben. Später erwies er sich als unschuldig. In der Vernehmung sagte der 18-Jährige demnach, dass die hohe emotionale Betroffenheit über den Tod des Mädchens Grund für sein Handeln gewesen sei.

Er habe sich in keiner Weise darüber Gedanken gemacht, was für eine Tragweite sein Aufruf haben könnte. Wie es weiter hieß, bittet der 18-Jährige alle Betroffenen ausdrücklich um Entschuldigung und möchte sich auch persönlich bei dem fälschlich Verdächtigten entschuldigen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann die "öffentliche Aufforderung zu Straftaten" vor. Etwa 50 Menschen waren dem Aufruf des Mannes gefolgt. Bereits am 5. April wurde sein Elternhaus durchsucht. Dem Bericht der "Nordwest-Zeitung" zufolge wurde dabei Computer- und Telefon-Hardware sichergestellt.

Das Mädchen war am 24. März in einem Emdener Parkhaus ermordet worden. Im Internet kam es nach der Tat zu Lynchaufrufen und Spekulationen über mögliche Täter. Mehrere tausend Menschen werden am Freitag auf einer Solidaritätsveranstaltung für alle Opfer und Betroffenen des Verbrechens in der ostfriesischen Stadt erwartet. "Es soll ein Tag des Zeichens gegen Selbstjustiz und Vorverurteilung werden", sagte Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann.

wit/dapd



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