Wolgograd 23-Jähriger offenbar aus Schwulenhass zu Tode gefoltert

In Wolgograd soll ein junger Mann nach seinem Outing erschlagen worden sein. Der 23-Jährige wurde zuvor offenbar wegen seiner Homosexualität gefoltert. Die Polizei nahm zwei Männer fest. Der Schwulenhass hat in Russland laut einer Umfrage weiter zugenommen.


Moskau - Offenbar wegen seiner Homosexualität ist in Russland ein junger Mann gequält und zu Tode gefoltert worden. Die übel zugerichtete Leiche des 23-Jährigen wurde im Hof eines Hauses in der südlichen Stadt Wolgograd entdeckt, wie eine Sprecherin der regionalen Abteilung des russischen Ermittlungskomitees am Sonntag sagte.

Den Ermittlern zufolge hatte der Mann unter anderem schwere Verletzungen an den Genitalien, sein Schädel wurde mit einem Stein zertrümmert. Seine Peiniger hätten den Mann auch mit Bierflaschen misshandelt, sagte Natalia Kunizkaja.

Die Sprecherin erklärte, dies sei womöglich ein aus Hass begangenes Verbrechen gewesen. Zwei 22 und 27 Jahre alte tatverdächtige Männer wurden festgenommen und Mordermittlungen eingeleitet.

Mit seinen Begleitern soll der junge Mann bei den Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkrieges am Donnerstag zunächst etwas getrunken haben. Nach Angaben des Regionalermittlers Andrej Gaptschenko schlugen die Männer auf den 23-Jährigen ein, nachdem dieser ihnen gesagt hatte, dass er schwul sei.

Menschenrechtsaktivisten beklagen die in der russischen Gesellschaft noch immer weit verbreitete Homophobie. Erst 1993 hatte das Land Homosexualität als Straftatbestand aufgehoben, seit 1999 ist gleichgeschlechtliche Sexualität offiziell keine psychische Störung mehr. Dennoch gibt es bis heute kaum Prominente, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekennen.

Das russische Parlament debattiert derzeit über ein umstrittenes Gesetz, das "homosexuelle Propaganda" bei Minderjährigen verbieten soll. Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Lewada wächst die Ablehnung von Schwulen und Lesben. 43 Prozent der Befragten sind entweder für eine "Zwangsheilung" (22 Prozent), eine "Isolierung" (16 Prozent) oder sogar "Liquidierung" (5 Prozent). Diese Werte seien im Vergleich zu früheren Studien gestiegen

abl/AFP



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