Kokain-Diebstahl im Millionenwert Verdacht gegen Pariser Drogenfahnder erhärtet sich

52 Kilogramm Kokain sind aus dem Hauptsitz der Pariser Polizei verschwunden. Der Verdächtige: Ein Drogenfahnder. Nun wurden er und ein Kollege der Staatsanwaltschaft übergeben.

Personaleingang vom Hauptsitz der Pariser Kriminalpolizei, aus dem 52 Kilo Kokain verschwunden sind.
AFP

Personaleingang vom Hauptsitz der Pariser Kriminalpolizei, aus dem 52 Kilo Kokain verschwunden sind.


Paris - "Drogenfahnder lässt Kokain mitgehen". Das klingt nach einem schlechten Drehbuch, könnte sich aber als wahre Geschichte herausstellen. Schauplatz wäre ausgerechnet der Hauptsitz der Pariser Kriminalpolizei am linken Seine-Ufer, der durch zahlreiche Krimis Kultstatus erreicht hat. Den Franzosen ist der "36 Quai des Orfèvres" , was den Deutschen die Hamburger Davidwache ist.

Kokain im Wert von rund drei Millionen Euro ist aus dem "Quai" verschwunden. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Beamter des Rauschgiftdezernats. Der Fall wurde Ende Juli bekannt, nun ist der Verdächtige mit einem Kollegen an die Staatsanwaltschaft überstellt worden, wie die Zeitung "Le Monde" und andere französische Medien übereinstimmend berichten. Der zweite Beamte geriet in das Blickfeld der Ermittler, weil er auffällige Überweisungen vom Hauptverdächtigen erhielt.

Für das Revier ist es der zweite Skandal innerhalb eines Jahres. Im April hatte eine kanadische Touristin zwei Beamte beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben.

Die 52 Kilogramm Kokain waren Anfang Juli bei einer Razzia in einer Pariser Wohnung sichergestellt worden. Das geht aus einer Mitteilung der Pariser Polizei hervor. Die Drogen lagerten seither in einem speziell abgesicherten Raum, zu dem nur wenige Polizisten Zugang hatten. Der 34-Jährige Hauptverdächtige soll sich mit fadenscheinigen Argumenten Zutritt verschafft haben. In derselben Nacht zeichneten die Überwachugskameras auf, wie eine Person das Revier mit zwei vollen Taschen verließ. Kurz darauf stellte sich heraus: Das Kokain ist weg.

Festgenommen mit 20.000 Euro im Rucksack

Der Hauptverdächtige streitet alle Vorwürfe ab. Er wurde im Urlaub im südfranzösischen Perpignan festgenommen, als er gerade mit Frau und Tochter einkaufen war. Im Rucksack trug er fast 20.000 Euro, die er angeblich im Internet gewonnen hatte. Der festgenommene Beamte gilt als erfahrener Polizist, der nie negativ aufgefallen war. Sein Lebenswandel galt allerdings als bemerkenswert: Wie die Tageszeitung "Le Monde" aus Ermittlerkreisen erfahren hat, sollen ihm in Frankreich mehrere Immobilien gehören.

Vom Rauschgift fehlt weiterhin jede Spur. Innenminister Bernard Cazeneuve suspendierte den Drogenfahnder vorerst vom Dienst.

vez



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insgesamt 5 Beiträge
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katzschi1987 07.08.2014
1. Die Jagd hat begonnen
da werden sich die eigentlichen Besitzer ja freuen das sie es nicht mehr aus dem Polizeigebäude entfernen müssen, den Beamten rate ich sich zu verstecken.
crazy.diamond 07.08.2014
2.
Das ist doch auch bei uns eher die Regel als die Ausnahme.. Ein Bekannter von mir wurde vor Jahren mit 20kg Marihuana im Kofferraum festgenommen. Im anschließenden Prozess wurde er wegen 16kg zu einer Haftstrafe verurteilt. Klar, dass der Anwalt da nicht auf die fehlenden 4kg hinweist.. In Berlin-Lichterfelde West wurde vor einigen Jahren eine halbe Polizeiwache wegen blühenden Handels mit beschlagnahmten Anabolika vom Dienst suspendiert. Gelegenheit macht Diebe! :-)
manicmecanic 07.08.2014
3. Normal
Diese Korruption bei der Polizei.Sogut wie jeder Fall der mir bekannt wurde in Sachen BTM ging so aus daß der Angeklagte wegen deutlich weniger Menge verurteilt wurde als der Menge mit der er festgenommen wurde.Das ist doch das naheliegendste Modell an Drogen für lau zu kommen.Welcher Angeklagte beschwert sich wohl daß er wegen weniger als tatsächlich beschlagnahmt verurteilt wurde.
koelsch_jrundjesetz 07.08.2014
4. Stimmt....
Zitat von crazy.diamondDas ist doch auch bei uns eher die Regel als die Ausnahme.. Ein Bekannter von mir wurde vor Jahren mit 20kg Marihuana im Kofferraum festgenommen. Im anschließenden Prozess wurde er wegen 16kg zu einer Haftstrafe verurteilt. Klar, dass der Anwalt da nicht auf die fehlenden 4kg hinweist.. In Berlin-Lichterfelde West wurde vor einigen Jahren eine halbe Polizeiwache wegen blühenden Handels mit beschlagnahmten Anabolika vom Dienst suspendiert. Gelegenheit macht Diebe! :-)
hab ich auch schonmal gehört. Das passiert doch immer bevor die Autos explodieren, oder?
hermannheester 10.08.2014
5.
Zitat von sysopAFP52 Kilo Kokain sind aus dem Hauptsitz der Pariser Polizei verschwunden. Der Verdächtige: Ein Drogenfahnder. Nun wurden er und ein Kollege der Staatsanwaltschaft übergeben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/52-kilo-kokain-aus-pariser-rauschgiftdezernat-verschwunden-a-984821.html
Kokain aus der Asservatenkammer verhökert und nun vor Gericht? Wo aber ist die Asservatenkammer für Kinderpornografie? wer kontrolliert deren Vollständigkeit? Der Markt und die Gelegenheit sind gegeben. Wo bleibt hier der Staatsanwalt?
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