600 Millionen Euro Italienische Ermittler beschlagnahmen Mafia-Güter

Etwa 900 Immobilien, rund 200 Bankkonten sowie mehrere Luxusautos wurden beschlagnahmt, versiegelt oder gesperrt: Ermittler haben in Italien Mafia-Güter im Wert von 600 Millionen Euro sichergestellt. Sieben Mafiosi wurden festgenommen.


Neapel/Rom - Vier Anti- Mafia-Staatsanwälte von Neapel koordinierten den jüngsten Schlag gegen die organisierte Kriminalität, 500 Einsatzkräfte der Finanzpolizei standen bereit: Italienische Ermittler haben bei zwei Mafiaclans der neapolitanischen Camorra Güter im Wert von geschätzt rund 600 Millionen Euro beschlagnahmt.

Etwa 900 Immobilien und 23 Betriebe, rund 200 Bankkonten sowie Luxusautos wurden beschlagnahmt, versiegelt oder gesperrt. Darunter seien allein 300 Wohnungen der Mafia in Rom, berichteten Medien des Landes am Dienstag. Den Mafiaclans sei ein Großteil ihrer kriminellen Geschäftsgrundlage entzogen worden, hieß es.

Sondereinheiten nahmen zudem sieben Mafiosi der Clans Mallardo und Casalesi fest, darunter den Boss Feliciano Mallardo, genannt "der Entstellte". Beide Clans hätten ihre dunklen Geschäfte vor allem in der Hauptstadt betrieben.

Der italienische Justizminister Angelino Alfano von der Berlusconi-Partei PdL zeigte sich hochzufrieden mit dem Ergebnis der Aktion, die den Clan Giugliano buchstäblich vernichtet habe. "Die Festnahme namhafter Vertreter der organisierten Kriminalität und der systematische Angriff auf illegale angehäuftes Vermögen (…) ist der richtige Weg, um die Clans zu bezwingen", sagte Alfano, verantwortlich für den "Schiedsspruch Alfano" vom Juli 2008, ein Gesetz, das die Aussetzung sämtlicher laufender Verfahren unter anderem gegen den Ministerpräsidenten Italiens möglich machte.

Unternehmen des kampanischen Mallardo-Clans hatten sich in Rom unter anderem auf Bauspekulation, illegalen Großhandel mit Getränken und Medikamenten sowie auf den Betrieb von Wettbüros spezialisiert. Dabei seien enorme Summen investiert worden, hieß es. Nicht zuletzt floss schmutziges Geld in das Rösten und den Vertrieb von Kaffee. Bars in Latium und Kampanien mussten den Kaffee dann abnehmen.

Solche Erfolge gegen die Mafia nach langen Ermittlungen gelingen immer wieder einmal. Vor allem die illegalen Geschäfte der Milliarden umsetzenden kalabrischen 'Ndrangheta machten wiederholt Schlagzeilen. Früheren Berichten zufolge hat sich die Mafia stark in Rom eingenistet - mit dem Ziel, Geld zu waschen, etwa in Restaurants und Betrieben rund um die legendäre Via Veneto.

siu/dpa



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