74-Kilo-Hund Herrchen wegen Tierquälerei vor Gericht

Weil sie ihren Labrador völlig verfetten ließen, müssen sich zwei Brüder im englischen Städtchen Ely vor Gericht verantworten. Das Tier wiegt 74,2 Kilo - mehr als das doppelte des Normalgewichts. Der Hund ist inzwischen so dick, dass er sich kaum noch selbsttätig bewegen kann.


Hamburg - Rusty, ein neun Jahre alter Labrador, kann nach Angaben des Gerichts nur mit Mühe aufstehen und fünf Schritte gehen - höchstens. Danach sei er völlig außer Atem und lasse sich wieder zu Boden sinken. Das Tier sieht den Angaben zufolge eher wie eine Robbe aus als wie ein Hund. Die Besitzer, zwei Brüder, stehen deswegen nun wegen Tierquälerei vor Gericht - ein Novum in der britischen Rechtsgeschichte, wie "Times Online" berichtet.

Die beiden Herrchen, die aus dem Ort Fordham stammen, bestritten dem Bericht zufolge, ihrem Hund unnötiges Leid zugefügt zu haben. Sie hätten dem Tier nur einmal täglich Trockenfutter gegeben und von zu Zeit zu Zeit einen Kochen als Leckerchen, sagten sie aus. Überfüttert hätten sie ihn nicht, Rusty sei schon als Welpe ein Dickerchen gewesen. "Wir haben unterschiedliche Futtersorten ausprobiert, aber es half nichts", sagte einer der Angeklagten.

Dabei ist Rustys Krankengeschichte lang. Seit fünf Jahren werden seine Herrchen regelmäßig von Tierärzten aufgefordert, ihren Hund auf Diät zu setzen - ohne Erfolg. Als dann ein Mitarbeiter der Tierschutzorganisation RSPCA den Hund im Februar zum ersten Mal sah, konnte dieser nicht laufen. Der Tierschützer trug den Besitzern auf, den Hund sofort zum Tierarzt zu bringen. Als er einen Monat später erneut nach Rusty sehen wollte, waren die Männer noch immer nicht mit ihm beim Arzt gewesen. Die Brüder weigerten sich, den Hund herauszugeben, willigten aber ein, dass der Tierschützer ihn zum Arzt bringen dürfe. Das schlug jedoch zunächst fehl - der Hund schaffte es nicht einmal bis zum Auto.

Nach Angaben von Fachleuten leidet der Hund unter Arthritis, Gelenkschmerzen und Atemschwierigkeiten. "Er sah buchstäblich aus wie ein Walross", sagte ein Tierarzt als Zeuge vor Gericht. "Es kam vor, dass er sich nicht von seinen Hinterbeinen erheben konnte. Es war ein grauenhafter Anblick." Rusty lebt nun bei einem Pfleger der RSPCA. Seitdem hat er 22 Kilo abgenommen. Ein Urteil in dem Fall steht noch aus.

ffr



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