Selfies mit wehrlosen Patienten Bewährungsstrafen für Aachener Krankenpfleger

Das Aachener Amtsgericht hat fünf ehemalige Krankenpfleger einer Klinik verurteilt. Die Angeklagten hatten mit entwürdigenden Patientenbildern einen Skandal ausgelöst.

Aachener Amtsgericht: Zwei der fünf angeklagten Krankenpfleger
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Aachener Amtsgericht: Zwei der fünf angeklagten Krankenpfleger


Im Prozess um entwürdigende Bilder von wehrlosen Patienten im Aachener Klinikum ist das Urteil gefallen. Drei inzwischen entlassene Krankenpfleger wurden zu Haftstrafen von sechs, sieben und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Bilder von dementen und betagten Menschen aus der Notaufnahme seien ein Vertrauensbruch am Patienten, sagte die Vorsitzende Richterin am Amtsgericht Aachen. "Die Täter sind diejenigen, die eigentlich eine Fürsorgepflicht haben." Zwei weitere Angeklagte wurden zu Geldstrafen verurteilt.

Die insgesamt fünf entlassenen Krankenpfleger aus der Notaufnahme hätten in wechselnder Beteiligung Bilder und ein Video von Patienten gemacht. Darunter seien demente und auch unbekleidete Patienten gewesen. Ein schwer dementer Herzpatient wurde laut Urteil mit einer Botschaft bemalt. Zwei Bilder und ein Video wurden in einer Whatsapp-Gruppe veröffentlicht.

Das Gericht verurteilte die Angeklagten wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen in neun Fällen. Das Gesetz sieht eine Höchststrafe von einem Jahr Haft vor.

"Es ist enttäuschend, dass das Gericht keine Berufsverbote angeordnet hat", kommentierte die Deutsche Stiftung Patientenschutz das Urteil. Entwürdigende Aufnahmen von hilflosen Personen seien schließlich keine Bagatelldelikte. Das Pflegepersonal habe eine herausragende Fürsorgepflicht, die grob missbraucht worden sei.

wit/dpa

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