Aachener Ausbrecher vor Gericht Michalski legt Geständnis ab

Der Prozess um den spektakulären Gefängnisausbruch der Schwerverbrecher Peter Paul Michalski und Michael Heckhoff vor dem Landgericht Aachen hat begonnen. Zum Auftakt legte einer der beiden ein Geständnis ab, der andere schwieg.

Michael Heckhoff (l.) und Peter Paul Michalski auf dem Weg in den Gerichtssaal
ddp

Michael Heckhoff (l.) und Peter Paul Michalski auf dem Weg in den Gerichtssaal


Aachen - Fünf Tage lang hielten Peter Paul Michalski und Michael Heckhoff Deutschland im November 2009 in Atem. Ihnen war die Flucht aus dem Hochsicherheits-Gefängnis in Aachen geglückt, insgesamt hatten sie sieben Menschen in ihre Gewalt gebracht. Nun stehen die Ausbrecher wegen Menschenraub, Erpressung und Geiselnahme vor Gericht.

Zum Prozessauftakt legte Peter Paul Michalski ein Geständnis ab. Michael Heckhoff, der lächelnd und Kaugummi kauend den Gerichtsaal betreten hatte, machte keine Aussage.

Hager, blass und eher in sich gekehrt wirkte Michalski. Doch der 47-Jährige spielte die Hauptrolle. Er entschuldigte sich bei den willkürlich ausgewählten Geiseln, die er mit Heckhoff auf der Flucht in Köln, Essen und Mülheim genommen hatte. "Es sollte niemand verletzt werden", beteuerte er in einer Erklärung, die sein Anwalt verlas. Die Vorwürfe, die ihm gemacht werden, räumte Michalski "im Kern" ein.

Der verurteilte Mörder sieht sich selbst als Opfer

Detaillierte Angaben zur Flucht wollte er allerdings nicht machen. Stattdessen äußerte der Straftäter massive Kritik an den Zuständen in den Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen. Der verurteilte Mörder sieht sich selbst als Opfer. Man habe ihn 16 Jahre lang nur verwahrt, in Isolationshaft weggesperrt und ihm keinerlei Perspektive geboten. Erst Monate vor dem Ausbruch seien die Sicherheitsvorkehrungen erstmals gelockert worden.

Dann allerdings habe er erfahren, dass er Anfang 2010 erneut in ein anderes Gefängnis verlegt werden sollte. Weil er dort strenge Sicherheitsmaßnahmen befürchtete, fasste er den Entschluss, entweder Selbstmord zu begehen oder aus dem Gefängnis zu flüchten, so Michalski. Fortan habe er gemeinsam mit dem mitangeklagten Michael Heckhoff die Flucht aus dem Gefängnis geplant.

Sein Komplize, der als Beruf "Berufsverbrecher" angab, kündigte ebenfalls eine Aussage an. Er wolle allerdings zunächst dem mitangeklagten Vollzugsbeamten die Gelegenheit geben, vor Gericht Angaben zu machen, sagte Heckhoff. Schließlich habe dieser "am meisten zu verlieren". Der JVA-Beamte soll Michalski und Heckhoff bereits zwei Wochen vor der Flucht eine Schreckschusspistole mit Munition übergeben haben. Ihm wird vorgeworfen, die beiden bis zum Ausgang des Aachener Gefängnissses gebracht und dort mit Waffen versorgt zu haben. Der Wärter muss sich unter anderem wegen Gefangenenbefreiung und Bestechlichkeit und Beihilfe zum Raub verantworten.

Inzwischen sitzen beide Ausbrecher wieder im Gefängnis

Zunächst kündigte der 40-Jährige an, zu den Vorwürfen keine Aussage machen zu wollen. Er sitzt seit seiner Festnahme kurz nach dem Ausbruch in Untersuchungshaft. Zwei Anträge seiner Verteidiger auf Einstellung des Verfahrens und Vernehmung durch die nordrheinwestfälische Justizministerin Müller-Piepenkötter (CDU) als Zeugin wurden abgelehnt. Die Anwälte hatten kritisiert, dass bereits im Vorfeld des Verfahrens durch verschiedene Äußerungen der Justiz in den Medien eine Vorverurteilung des JVA-Beamten stattgefunden hätte.

Weitere 17 Verhandlungstage sind für den Prozess anberaumt, das Urteil soll Mitte Juli verkündet werden. Die Aachener Staatsanwaltschaft hält die beiden Ausbrecher für hoffnungslos kriminell. Sie neigten zu "schwersten Straftaten", sagte Oberstaatsanwalt Alexander Geimer. Die Anordnung einer weiteren Sicherungsverwahrung sei deshalb angebracht.

Inzwischen sitzen Michalski und Heckhoff wieder in Anstalten, zusammenkommen sollen sie außerhalb des Gerichtsgebäudes nie mehr.

ada/dpa/AP/ddp



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