Aachener Fluchtskandal Polizei observierte JVA-Beamten vor Ausbruch

Hätten sich der spektakuläre Ausbruch aus dem Aachener Gefängnis und die anschließende Großfahndung verhindern lassen? Nach SPIEGEL-Informationen beobachtete die Polizei den mutmaßlichen Fluchthelfer, einen Gefängnisaufseher, schon Tage zuvor. Sie nahm ihn jedoch nicht fest.

AP/ Polizei Aachen

Hamburg - Der Aachener Gefängnisbeamte Michael K., 40, der am 26. November nach Auffassung der Staatsanwaltschaft den Schwerverbrechern Peter Paul Michalski und Michael Heckhoff zur Flucht verholfen hat, ist wenige Tage zuvor in anderer Angelegenheit von einem Mobilen Einsatzkommando (MEK) der Polizei observiert worden.

Grund war nach SPIEGEL-Informationen die Aussage einer Frau aus Aachen. Sie hatte mitgeteilt, K. betätige sich im Gefängnis als "Schlepper" - so werden Beamte bezeichnet, die für Insassen Gegenstände in die Zellen schmuggeln, etwa Handys oder Rauschgift.

Außerdem gab sie zu Protokoll, auf ihrem Girokonto habe ein Unbekannter 200 Euro eingezahlt, K. solle das Geld bei ihr abholen. Das MEK bezog am 20. November vor dem Haus der Frau Stellung, K. konnte anhand eines vergrößerten Fotos aus einer Personalakte identifiziert werden. Zu einer Festnahme kam es nicht, weil die Fahnder offenbar hofften, an Hintermänner heranzukommen.

Deshalb konnte K. weiterhin seinen Dienst in einem der sensibelsten Bereiche des Gefängnisses absolvieren, darunter an der Pforte. Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis sorgte er offenbar dafür, dass Michalski und Heckhoff im Schleusenbereich der Anstalt zwei Dienstpistolen samt 16 Schuss Munition an sich nehmen konnten.

Nach seiner Festnahme teilte K. der Polizei die Handy-Nummern der Geflohenen mit. So konnte die Position Michalskis geortet werden, ein Spezialeinsatzkommando nahm ihn fest.

jdl



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DJ Doena 30.11.2009
1.
Zitat von sysopSeit vier Tagen ist der Schwerkriminelle Peter Michalski auf der Flucht, die Polizei vermutet ihn jetzt in Bielefeld. Seine Flucht beschäftigt ganz Deutschland. Sind unsere Gefängnisse sicher genug?
Statistisch gesehen? Auf jeden Fall. Oder wie oft hört man im Jahr schon mal von einem Ausbruch bei wievielen hundertausend Insassen?
electricalengineer 30.11.2009
2. Eine Sache ist nur so sicher...
... wie ihr schwächstes Glied, im Gefängnis ist das der Mensch in Form des Strafvollzugsbeamten. Ist dieser erpressbar oder bestechlich ist das sicherste Gefängnis auch nicht sicherer wie ein einfacher Holzverschlag.
matthias schwalbe, 30.11.2009
3.
Unsere Gefängnisse sind schon sehr sicher. Der größte "Unsicherheitsfaktor" ist und bleibt aber der Mensch und zwar in allen seinen Variationen. Bei Justizminister angefangen über Richter+Staatsanwälten bis zum einfachen JVA-Beamten.
The Godfather 30.11.2009
4.
---Zitat--- die Polizei vermutet ihn jetzt in Bielefeld ---Zitatende--- Die Polizei gibt genau das bekannt, was die Presse schreiben soll. Soll sich der Flüchtige in Sicherheit wiegen? Ist er tatsächlich in Bielefeld? Läuft schon eine Fahndung in München? Tja, liebe Polizei, das wisst nur Ihr allein. Die Presse schtreibt jedenfalls fleissig Eure FakeNews
Direwolf 30.11.2009
5.
Zitat von The GodfatherDie Polizei gibt genau das bekannt, was die Presse schreiben soll. Soll sich der Flüchtige in Sicherheit wiegen? Ist er tatsächlich in Bielefeld? Läuft schon eine Fahndung in München? Tja, liebe Polizei, das wisst nur Ihr allein. Die Presse schtreibt jedenfalls fleissig Eure FakeNews
Und das ist auch gut so. Man denke mal an den wundervollen, unabhängigen und investigativen Journalismus, den wir im Zuge des Gladbecker Geiseldramas erleben durften. Und was die Frage des Sysop angeht. Ich würder sagen sie sind sicher genug. Das absolut ausbruchssichere Gefängnis gibt es nicht und die Zahl der Ausbrüche ist ja auch eher gering.
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