Prozess in Philadelphia Gericht verurteilt Abtreibungsarzt wegen dreifachen Mordes

Die Babys kamen lebend zur Welt, Kermit Gosnell tötete sie mit einer Schere: Dafür wurde der Abtreibungsarzt aus den USA nun wegen dreifachen Mordes verurteilt. Das Strafmaß steht noch nicht fest - Gosnell droht jedoch die Todesstrafe.


Philadelphia - Dem Betreiber einer Abtreibungsklinik in Philadelphia droht wegen dreifachen Mordes die Todesstrafe. Ein Gericht in der Stadt im US-Bundesstaat Pennsylvania befand den 72-jährigen Kermit Gosnell am Montag für schuldig, vorsätzlich Neugeborene getötet zu haben.

Gosnells Verteidiger hatten argumentiert, es gebe keine Beweise dafür, dass die Babys nach der Geburt am Leben gewesen seien. Gosnell nahm das Urteil ohne äußerliche Regung zur Kenntnis. Ein Jurymitglied weinte.

Die Babys waren nach Überzeugung des Gerichts bei Schwangerschaftsabbrüchen lebend zur Welt gekommen. Zeugen hatten ausgesagt, die Babys hätten nach der Geburt geatmet, sich bewegt und Geräusche von sich gegeben. Der Arzt verletzte die Babys mit einer Schere tödlich am Rückenmark. Seine Patientinnen waren in einem Stadium ihrer Schwangerschaft, in dem Abtreibungen in Pennsylvania gesetzlich verboten sind.

Zusätzlich wurde Gosnell nach einer zehntägigen Beratung der Geschworenen auch der fahrlässigen Tötung einer 41 Jahre alten Patientin schuldig gesprochen. Sie war an einer Medikamentenüberdosis gestorben, als sie bei Gosnell eine Abtreibung vornehmen ließ.

Strafmaß steht noch nicht fest - Staatsanwaltschaft fordert Todesstrafe

Gosnell wurde zudem für schuldig befunden, 21 Abtreibung bei Frauen vorgenommen zu haben, die bereits die 24. Schwangerschaftswoche überschritten hatten. Abtreibungen sind in Pennsylvania nur bis zu diesem Zeitpunkt legal. Die "Women's Medical Society", Gosnells Praxis, war in einem vorwiegend von Schwarzen bewohnten und ärmlichen Viertel. Insgesamt war er wegen der Ermordung von sieben Neugeborenen angeklagt, aber der Richter ließ im Zuge der Verhandlung einige Vorwürfe fallen.

Die Jury - sieben Frauen und fünf Männer - wurde nach der Urteilsverkündung in einem Kleinbus weggefahren. Die Juroren werden über das Strafmaß für Gosnell entscheiden. Es soll in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Die Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe.

Abtreibungsgegner feierten das Urteil als Indiz dafür, dass Abtreibungsgesetze verschärft werden müssten. Die Entscheidung zeigte, dass das Recht, sich zu entscheiden, dem Recht auf Leben weichen müsse, sagte Frank Payone von Priests for Life, einer Gruppe von Abtreibungsgegnern. Sie hatten den Medien vorgeworfen, das Verfahren zu ignorieren, weil ein Großteil der Publikationen eine liberale Haltung zu Abtreibung habe.

Abtreibungsbefürworter sagten, Gosnell sei eine Ausnahme; der Fall zeige vielmehr, wie wichtig es sei, dass Frauen Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen hätten. "Wir müssen fehlgeleitete Gesetze verwerfen, die Wahlmöglichkeiten von Frauen begrenzen und sie zwingen, sich von Kriminellen wie Kermit Gosnell behandeln zu lassen", sagte Eric Ferrero, Sprecher der Organisation Planned Parenthood Federation of America.

Acht weitere Angeklagte hatten sich geringfügigerer Vergehen schuldig bekannt und sitzen bereits im Gefängnis. Unter ihnen ist auch Gosnells Frau Pearl, die ihm bei den Abtreibungen half.

ulz/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.