Urteil in Straßburg Deutsche Mutter fordert vergeblich Kontakt zu adoptierten Töchtern

Eine Mutter aus Bielefeld ist mit ihrer Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Die Frau hatte ihre Kinder vor Jahren zur Adoption freigegeben - und verlangte nun regelmäßigen Umgang.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg: Beschwerde abgewiesen
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Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg: Beschwerde abgewiesen


Straßburg - Gibt eine Mutter ihre Babys zur Adoption frei, kann sie nicht später den Kontakt zu ihren Kindern erzwingen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Beschwerde einer Mutter aus Bielefeld gegen die Bundesrepublik Deutschland abgewiesen. Damit billigten die Straßburger Richter entsprechende Entscheidungen der deutschen Justiz.

Die Klägerin, bereits Mutter zweier Kinder, hatte im April des Jahres 2000 Zwillinge von einem außerehelichen Partner bekommen. Auf Druck ihres Mannes gab sie die Mädchen drei Wochen nach der Geburt zur Adoption frei. Diese Entscheidung wurde von einem Notar beurkundet. Bei einem Treffen im zuständigen Jugendamt sagten die künftigen Adoptiveltern der leiblichen Mutter zu, sie werde jedes Jahr einen Bericht über die Entwicklung der Kinder und Fotos erhalten.

Im Juni 2001 wurde die Adoption von einem Gericht ausgesprochen. Ein halbes Jahr später beantragte die Frau, die Adoption wieder aufzuheben. Zur Begründung sagte sie, der leibliche Vater der Kinder habe nicht zugestimmt. Außerdem habe sie unter großem psychischem Druck gestanden und sei vom Jugendamt beeinflusst worden. Der Antrag wurde von zwei Instanzen abgewiesen, das Bundesverfassungsgericht nahm im Dezember 2007 eine Verfassungsbeschwerde nicht an.

Auch alle Anträge der heute 52-jährigen Frau auf regelmäßigen Kontakt zu ihren inzwischen 14 Jahre alten Töchtern wurden abgewiesen. Die deutschen Gerichte argumentierten, die Zwillinge seien bereits drei Wochen nach der Geburt in ein Kinderheim gekommen. In einer so kurzen Zeit habe die leibliche Mutter keine "soziale und familiäre" Beziehung zu ihnen aufbauen können. Zudem schütze das deutsche Adoptionsrecht die familiären Beziehungen zwischen Kindern und ihren Adoptiveltern. Aus der Zusage der Familie, sie regelmäßig über den Werdegang der Kinder zu informieren, könne die Frau kein Recht auf Umgang ableiten.

Das Urteil wurde von einer kleinen Kammer des EGMR gefällt und ist noch nicht rechtskräftig. Die Klägerin kann nun binnen drei Monaten eine Überprüfung beantragen. Der Gerichtshof kann die Beschwerde dann an die 17 Richter der Großen Kammer verweisen - er muss dies aber nicht tun.

wit/AFP/jur



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insgesamt 11 Beiträge
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ariovist1966 05.06.2014
1. Arme Beteiligte,
welches Urteil sollen Richter in einem solchen Fall sprechen, wer soll der Mutter die Schuldgefühle nehmen, wer es den Kindern möglichst recht machen? Einfach nur traurig.
karlsiegfried 05.06.2014
2. Richtig geurteilt
Kinder sind keine Handelsware, über die man nach Belieben verfügen kann. Wer seine Kinder zur Adoption frei gibt, weiss was er tut. Wenn die Kinder erwachsen sind können diese von sich aus den Kontakt zu ihrer Mutter suchen. Wenn sie das dann noch wollen.
Dr.Fuzzi 05.06.2014
3. Och Joh!
Zitat von karlsiegfriedKinder sind keine Handelsware, über die man nach Belieben verfügen kann. Wer seine Kinder zur Adoption frei gibt, weiss was er tut. Wenn die Kinder erwachsen sind können diese von sich aus den Kontakt zu ihrer Mutter suchen. Wenn sie das dann noch wollen.
Wie aus dem Artikel hervor geht, hatte seinerzeit der biologische Vater nicht seine Einwilligung zur Adoption gegeben. Insofern mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, das die Rechte von Männern in derartigen Zusammenhängen, offensichtlich nicht existent sind!
tolate 05.06.2014
4. Freigabe zur Adoption ist kein Verbrechen, mit dem man Rechte verwirkt
Kindeer sind keine Handelsware, da hat karlsiegfried ganz recht. Und genau deshalb ist das Urteil ein Skandal. Die Adoptionseltern haben kein Recht an "ihem" Kind", und die mittlerweile entstandenen Bindungen stehen dann halt neben denen des Kindes zu seiner Mutter, und zu seinem Vater. Wer adoptiert, erwirbt doch kein Eigentum, weder an dem Kind, noch an dessen Bindungsmöglichkeiten. Das Urteil ist völlig daneben, und behandelt das Kind wie eine Sache, bei der der Eigentümer gewechselt hat.
Join_Me 05.06.2014
5.
Zitat von Dr.FuzziWie aus dem Artikel hervor geht, hatte seinerzeit der biologische Vater nicht seine Einwilligung zur Adoption gegeben. Insofern mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, das die Rechte von Männern in derartigen Zusammenhängen, offensichtlich nicht existent sind!
Da die Kinder ehelich geboren wurden (wenn auch der biologische Vater ein anderer ist) muss der biologische nicht zustimmen, da per Gesetz der Ehemann der Vater ist. Der biologische Vater hätte gerichtlich die Vaterschaft einklagen müssen und wäre vermutlich gescheitert. Allerdings hätte er die Vaterschaft anerkennen können als die Kinder zur Adoption frei gegeben wurden. Hat er nicht, also hat er kein Recht. Genau wie die Kinder durch die Adoption kein Recht auf Unterhalt vom biologischem Vater haben.
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