Ägypten Frauenrechtlerin droht lange Haftstrafe

Die renommierte ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan läuft Gefahr, für ihr Engagement ins Gefängnis zu gehen. Sie wurde vor Gericht geladen - bei Anklage droht schlimmstenfalls lebenslange Haft.

Mozn Hassan 2017 in Kairo
Spiegelonline

Mozn Hassan 2017 in Kairo

Von


Seit Jahren kämpft Mozn Hassan für die Rechte ägyptischer Frauen. 2007 gründete sie die Organisation "Nazra für feministische Studien", die Frauen unter anderem juristische, psychologische und medizinische Hilfe anbietet.

Immer wieder wurde Hassans Arbeit von den ägyptischen Behörden torpediert. Im Mai 2016 wurde sie mit einem Reiseverbot belegt. Im Januar 2017 veranlasste ein Gericht, die Vermögenswerte von Hassan sowie ihrer Organisation "Nazra" einzufrieren. Die Begründung: Hassan habe "zu einer unverantwortlichen Befreiung von Frauen animiert und aufgerufen". Die Folge: Die Hilfsorganisation musste im März dieses Jahres ihr Büro schließen.

An diesem Mittwoch muss die 39-Jährige vor Gericht erscheinen. Sie soll vor dem New Cairo Court zu Vorwürfen Stellung nehmen, sie habe Geld aus dem Ausland angenommen. Dies wird von der Regierung unter Abdel Fattah al-Sisi als Gefährdung der nationalen Sicherheit interpretiert und wäre ein Verstoß gegen Artikel 78 des ägyptischen Strafgesetzbuches. Bei einer Verurteilung droht lebenslange Haft.

Hassan selbst hatte mit einer Vorladung gerechnet. "In einem Land, in dem patriarchalische Werte so tief in den Institutionen verwurzelt sind und unabhängige Feministinnen systematisch bekämpft werden, war es nur eine Frage der Zeit, wann ich mich dem Untersuchungsrichter stellen muss", sagte sie. "Ich bereue nichts und stehe zu meinen Überzeugungen und Handlungen."

Hassan hatte auf dem Tahrir-Platz während der Revolution 2011 protestiert und später versucht, die massiven sexuellen Übergriffe auf Frauen, die sich dort ereignet hatten, aufzuklären. 2014 setzte "Nazra" in Zusammenarbeit mit anderen Frauenorganisationen durch, dass Frauenrechte in die ägyptische Verfassung aufgenommen wurden und Sexualdelikte härter bestraft werden. Für ihr Engagement wurde sie 2016 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet.

"Wir rufen die Behörden dazu auf, die Verfolgung von Hassan einzustellen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der eine Zivilgesellschaft gedeihen kann", sagte Ole von Uexkull, Geschäftsführer der Right Livelihood Award Stiftung. Die Anschuldigungen gegen Hassan machten deutlich, wie lang der Weg zu einer Gleichstellung der Geschlechter in Ägypten noch ist.

Im Rahmen des "NGO Foreign Funding Case" war gegen insgesamt 37 ägyptische Nichtregierungsorganisationen ermittelt worden. Sie sollen gegen das Gesetz 84 verstoßen haben, das im Jahr 2002 noch unter Staatspräsident Hosni Mubarak verabschiedet worden war.

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.