Affäre Klatten Anwalt von mutmaßlichem Drahtzieher weist Vorwürfe zurück

Er soll geplant und geholfen haben, die Milliardärin Susanne Klatten zu erpressen: Doch der in Italien in Untersuchungshaft sitzende Ernano Baretta sei unschuldig, behauptet nun sein Anwalt. Es gebe "keinerlei Beweise" gegen den Inhaftierten .


München - Im Erpressungsfall Klatten hat der Verteidiger des italienischen Beschuldigten Ernano Baretta alle Vorwürfe zurückgewiesen. Die Anschuldigungen seien in allen Fällen grundlos, weil der Betrugsvorwurf nicht gerechtfertigt sei, sagte Anwalt Sabatino Ciprietto in einem am Freitag vorab verbreiteten Interview des ZDF- Magazins "ML Mona Lisa", das am Sonntag ausgestrahlt wird. Der 43-jähriger Schweizer Helg Sgarbi, der in München in Untersuchungshaft sitzt, soll die Quandt-Erbin Susanne Klatten erpresst haben. Dabei soll ihn der 63-Jährige Italiener, gegen den in seiner Heimat Untersuchungshaft verhängt wurde, unterstützt haben.

"Es gab freundschaftliche Beziehungen und vielleicht Gefühle, und diese Damen haben es wahrscheinlich für richtig gehalten, Geld zu geben, das ist zumindest das, was sie sagen, aber es gibt diesbezüglich keinerlei Beweise", sagte der Verteidiger mit Blick auf die Münchner Quandt-Erbin und andere Frauen. Es gebe keinerlei Beweise, dass sein Mandant überhaupt mit dem Fall zu tun habe.

Ernano Baretta soll Treffen des 43-Jährigen mit Klatten in Hotels vom Nachbarzimmer aus gefilmt haben, um damit später Geld zu erpressen. Der Anwalt sagte jedoch, rund 1,7 Millionen Euro, die bei dem Italiener gefunden wurden, seien erwirtschaftet worden. "Sein Unternehmen, das er seit Jahren führt, eine gut gehende Agri-Tourismus-Unterkunft, die Profite bringt, kann sein Vermögen rechtfertigen." Der Anwalt wies auch Berichte zurück, dass hinter der Erpressung eine Sekte stehe. "Es gibt keine Sekte und es gibt keinerlei Beweise, ganz sicher."

Klatten, die als BMW-Großaktionärin als reichste Frau Deutschlands gilt, hatte sich mehrfach mit dem Schweizer getroffen. Zunächst soll er sie mit einer erfundenen Unfall-Geschichte zur Zahlung von sieben Millionen Euro bewegt haben. Später soll er mit der Veröffentlichung von intimen Bildern gedroht und einen noch höheren Millionenbetrag verlangt haben.

Im Januar zeigte Klatten den Mann an, kurz darauf wurde der 43- Jährige in Österreich festgenommen. Sein Anwalt betonte bereits, Klatten habe seinem Mandanten das Geld freiwillig gegeben. Ihr Sprecher sagte jedoch, Klatten habe sich zu der Strafanzeige entschieden, weil sie erkannt habe, dass die Beziehung einen ausschließlich kriminellen Hintergrund hatte.

bog/dpa/ddp



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