Gewalttat in Afghanistan Ehemann schneidet Frau die Nase ab

Menschenrechtler sind entsetzt: In Afghanistan hat ein Mann seiner Ehefrau die Nase abgetrennt - mutmaßlich weil sie vor Misshandlungen geflohen war. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Gewalt gegen Frauen in dem Land.


Das Foto wühlt auf, erschüttert: Zu sehen ist Bibi Aisha, 18 Jahre alt, verstümmelt vom eigenen Ehemann. Der hatte der jungen Frau aus Afghanistan die Nase abgeschnitten. Das war 2010, das Bild der südafrikanischen Fotografin Jodi Bieber wurde zum Pressebild des Jahres gewählt.

Nun gibt es in Afghanistan erneut einen Fall von Verstümmelung, der wie Biebers Foto ein Schlaglicht auf Gewalt gegen Frauen in dem Land wirft. Wieder hat ein Ehemann seine Frau angegriffen, wieder ist die junge Frau entstellt.

Die 20-jährige Resa Gul war am Sonntag ins Krankenhaus gebracht worden, ihr Mann floh. Das Foto der entstellten jungen Frau löste einen Aufschrei der Empörung in sozialen Netzwerken aus. Ihr Mann habe ihr die Hände gefesselt und ihr die Nase abgeschnitten, berichtete Gul einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP im Krankenhaus. "Er hat mich oft gequält", fügte die junge Frau mit schwacher Stimme hinzu, neben sich ihr einjähriges weinendes Baby.

Nach Angaben örtlicher Behördenvertreter müsste Guls Gesicht mithilfe von plastischer Chirurgie wiederhergestellt werden. Dies sei jedoch im örtlichen Krankenhaus nicht möglich.

Menschenrechtsaktivisten forderten eine harte Strafe für den Täter. Solche "brutalen und barbarischen Taten" müssten streng geahndet werden, sagte die Aktivistin Alema in Kabul. Es gäbe solche Vorfälle nicht, wenn die Regierung in Kabul Angriffe auf Frauen hart bestrafen würde, kritisierte sie.

"Entsetzliche Fälle wie diesen gibt es allzu oft in Afghanistan", sagte Heather Barr von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Der "Grad der Straflosigkeit" für Gewalt gegen Frauen ermutige manche Männer, "weiter so zu tun, als seien Frauen ihr Eigentum und Gewalt ihr Recht".

Resa Gul wurde als Jugendliche mit ihrem Mann zwangsverheiratet. Nach eigenen Angaben wurde sie regelmäßig von ihm misshandelt. Daraufhin sei sie zu ihren Eltern geflohen, die in einer von den radikalislamischen Taliban kontrollierten Gegend leben.

Dort hätten die Aufständischen in einem Mediationsversuch ihren arbeitslosen Ehemann auf den Koran schwören lassen, dass er sie nicht mehr verletzen werde, berichtete Gul weiter. Doch kurz nachdem sie zu ihm zurückgekehrt sei, habe er ihr die Nase abgeschnitten. Der Mann soll in eine von den Taliban kontrollierte Gegend geflohen sein.

Im November war eine etwa 20 Jahre alte Frau in der zentralen Provinz Ghor wegen Ehebruchs gesteinigt worden. Auf einem Video der Hinrichtung war zu sehen, wie Männer Steine auf das in einem Erdloch sitzende Opfer werfen. Im März 2015 wurde eine Frau mitten in Kabul verprügelt und dann angezündet, weil ihr fälschlicherweise vorgeworfen worden war, sie habe einen Koran verbrannt. Für die Tat wurden vier Männer verurteilt. Elf Polizisten mussten ebenfalls ins Gefängnis, weil sie den Mob gewähren ließen.

ulz/AFP



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