Alan Kurdi Deutsches Rettungsschiff nach totem Flüchtlingskind benannt

"Mein Junge darf niemals vergessen werden": Der Vater des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi hat ein Rettungsschiff nach seinem Sohn benannt - und an das Schicksal vieler Familien erinnert.

Das Rettungsschiff Alan Kurdi wird vom Vater des ertrunkenen Jungen getauft
CATI CALDERA/EPA-EFE/REX

Das Rettungsschiff Alan Kurdi wird vom Vater des ertrunkenen Jungen getauft


Ein kleiner Junge, Kopf im Sand, rotes T-Shirt, die Arme seitlich neben dem Körper: Das Bild des toten Flüchtlingsjungen Alan Kurdi ging um die Welt. Im September 2015 wurde seine Leiche an einem türkischen Stand angespült. Sein Vater hat jetzt ein deutsches Rettungsschiff auf den Namen seines Sohnes getauft. Die Zeremonie fand am Sonntag im Hafen von Palma de Mallorca statt, wie die Organisation Sea-Eye mitteilte, der das nun umgetaufte, ehemalige Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck" gehört.

"Wir sind glücklich darüber, dass ein deutsches Rettungsschiff den Namen unseres Jungen tragen wird. Mein Junge am Strand darf niemals vergessen werden", sagte der Vater Abdullah Kurdi im Vorfeld. "Unseren Schmerz um den Verlust meiner Frau und meiner Söhne teilen viele Tausend Familien, die Söhne und Töchter auf so tragische Weise verloren haben."

Abdullah Kurdi vor dem Rettungsschiff
DPA

Abdullah Kurdi vor dem Rettungsschiff

Kurdi hatte Schlepper bezahlt, damit sie ihn und seine Familie aus der Türkei nach Griechenland bringen. Zuvor hatten die türkischen Behörden der Familie Ausreisevisa für Kanada verwehrt, wo Tima Kurdi lebt, die Schwester des Vaters. Das Schlauchboot der Familie Kurdi sank bei rauer See. Bei dem Unglück waren auch Alans Bruder Ghalib und seine Mutter Rehanna gestorben.

"Mit dem Namen 'Alan Kurdi' wollen wir eindringlich daran erinnern, worum es wirklich geht und allein gehen sollte (...): Es geht um Menschen, die täglich im Mittelmeer ertrinken und um den unendlich andauernden Schmerz der Angehörigen", betonte Gorden Isler, Sprecher von Sea-Eye.

An der Schiffstaufe nahmen auch Vertreter der Balearen-Regierung sowie der muslimischen Gemeinde teil. Der Bischof von Mallorca, Sebastián Taltavull Anglada, segnete die "Alan Kurdi". Das Schiff ist unter seinem alten Namen schon seit Ende 2018 für die 2015 gegründete Organisation im Einsatz.

Sea-Eye hat nach eigenen Angaben seit 2016 in rund 60 Rettungseinsätzen mehr als 14.000 Bootsflüchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer bewahrt. Die deutsche Organisation hat wie andere Flüchtlingshelfer mit einer zunehmend restriktiven Flüchtlingspolitik von EU-Ländern zu kämpfen.

vks/dpa/AFP



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
geotie 10.02.2019
1.
Eine schöne Geste! Gruß an die Rettungsmannschaft, ihr rettet wirklich Leben! Danke!
kamisk 10.02.2019
2. Menschlichkeit und Werte des christlichen Abendlandes
Beschämend wie schnell das furchtbare Foto des kleinen Kindes Alan Kurdi nach der sehr großen Wirkung fast vergessen wurde. Was ist aus Deutschland und Europa geworden ? Eine Gesellschaft die ihren schlecht verteilten Wohlstand abschottet und keinen herein lassen will. Wir fordern freies Reisen und wollen überall hin. Rassismus breitet sich aus - oder ist es "nur" Egoismus ?
MiguelD.Muriana 11.02.2019
3. @ #3: Zyniker!
Verantwortlich für die Sicherheitsausrüstung und die Sicherheit an Bord ist der Schiffsführer. Für Erwachsene scheinen immer ausreichend Rettungswesten an Bord zu sein. Für Kinder habe ich solche bei den vielen Bildern und Videos über Rettungsaktionen noch nicht gesehen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sie für Kinder selbst in D vorgeschrieben sind. Wenn Sie auf eine Autofähre fahren oder eine Dampferfahrt machen gehen Sie doch auch davon aus, dass alles notwendige an Bord ist. Oder haben Sie ihren Kindern vorher passende Rettungswesten besorgt? Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie nie in Seenot zu geraten...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.