Urteil zu Belgiens Ex-König Vaterschaftsklage gegen Albert II. zulässig

Delphine Boël glaubt, eine Königstochter zu sein - deswegen will sie einen DNA-Test vom früheren belgischen König Albert II. Das Verfassungsgericht hat nun entschieden, dass ihre Klage zulässig ist.

Delphine Boël: Kann Vaterschaftsklage fortsetzen
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Delphine Boël: Kann Vaterschaftsklage fortsetzen


Seit Jahren kämpft Delphine Boël darum, als Tochter des früheren belgischen Königs Albert II. anerkannt zu werden. Nun hat sie einen Etappensieg errungen: Das belgische Verfassungsgericht hat entschieden, dass ihre Vaterschaftsklage zulässig ist.

Die 48-jährige Bildhauerin hatte 2013 eine Vaterschaftsklage gegen den Ex-Monarchen eingereicht und insbesondere einen DNA-Test verlangt. Der inzwischen 81-jährige Albert hatte im Juli 2013 zugunsten seines ältesten Sohnes Philippe abgedankt - und damit auch automatisch seine Immunität als belgisches Staatsoberhaupt verloren. Die Klage hatte also durchaus Aussicht auf Erfolg.

Ende 2014 hatte sich das zuständige Brüsseler Gericht jedoch an den Verfassungsgerichtshof gewandt, um vorab zwei rechtliche Fragen zu klären. Konkret ging es darum, dass in Belgien automatisch der Ehemann der Mutter rechtlich als Vater eines Kindes gilt. Das Verfassungsgericht entschied nun aber, dass ein Kind die Vaterschaft trotzdem anfechten kann.

Belgische Öffentlichkeit glaubt an verstecktes Eingeständnis

Boël kann nun also die Vaterschaft von Jacques Boël anfechten, der zum Zeitpunkt ihrer Geburt noch mit ihrer Mutter, der Baronin Sybille de Sélys Longchamp, verheiratet war und dessen Namen sie trägt. Im September 2014 war nach Angaben von Boëls Anwälten bereits bei einem DNA-Test herausgekommen, dass Jacques Boël nicht ihr leiblicher Vater ist.

Außerdem sollte das Verfassungsgericht klären, ob der Fall bereits verjährt ist - wie die Anwälte des Ex-Monarchen erklärten. Die Verfassungsrichter urteilten nun aber, dass die im Gesetz genannte Verjährungsfrist gegen die Verfassung verstößt. Boëls Klage ist also zulässig. Sie will das Verfahren nun weiter vorantreiben, wie ihr Anwalt Marc Uyttendaele mitteilte.

Die Tatsache, dass der frühere belgische König möglicherweise ein uneheliches Kind hat, beschäftigt die belgische Öffentlichkeit seit langem. Albert erkannte Boël nie als seine Tochter an. Allerdings sahen viele in seiner Weihnachtsansprache im Jahr 1999 ein verstecktes Eingeständnis: Damals sprach das Staatsoberhaupt von einer Krise, die seine Ehe Jahrzehnte zuvor durchlitten habe.

kry/AFP/dpa



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