Hoffnung für Albert Woodfox Freiheit nach 43 Jahren Isolationshaft

Seit 1972 sitzt Albert Woodfox in Isolationshaft, er soll im berüchtigten "Angola"-Gefängnis in den USA einen Wärter ermordet haben. Jetzt hat ein Richter seine Freilassung angeordnet - doch es gibt bereits Widerstand.

"Angola"-Gefängnis in Louisiana (Archivbild): Jahrzehntelang isoliert
AP

"Angola"-Gefängnis in Louisiana (Archivbild): Jahrzehntelang isoliert


Jetzt also auch Albert Woodfox: Der 68-Jährige ist das letzte Mitglied des bekannten Häftlingstrios "Angola 3", das noch in Isolationshaft sitzt. Nun darf er auf ein Leben in Freiheit hoffen.

Woodfox war 1972 wegen des Mordes an einem Gefängniswärter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Es hatte stets Zweifel an seiner Schuld gegeben. Doch erst jetzt ordnete Richter James Brady im US-Bundesstaat Louisiana die Freilassung an. Woodfox saß jahrzehntelang im Staatsgefängnis von Louisiana, Schlägereien und Vergewaltigungen prägten den Alltag in der Angola genannten Einrichtung.

Neben Woodfox war auch Herman Wallace wegen des Mordes an dem weißen Wärter Brent Miller verurteilt worden. Wallace wurde 2013 aus der Haft entlassen und starb wenige Tage später. Die beiden Männer hatten im Gefängnis eine Black-Panther-Bewegung gegründet und sich für bessere Haftbedingungen stark gemacht. Ein dritter Mann schloss sich ihnen an: Robert King, der wegen Mordes an einem Mitinsassen verurteilt worden war. Er kam 2001 frei. Zwei Dokumentationen befassten sich mit den "Angola 3", ihre Geschichte sorgte international für Aufsehen.

Woodfox musste sich bereits zweimal wegen des Mordes vor Gericht verantworten: In beiden Fällen wurde er schuldig gesprochen, in beiden Fällen waren die Urteile im Nachhinein wegen Verfahrensfehlern kassiert worden. Woodfox wartete im Gefängnis auf einen neuen Prozess.

Richter Brady ordnete am Montag nicht nur die Freilassung an - er untersagte der Staatsanwaltschaft auch, Woodfox erneut vor Gericht zu stellen. Grund seien die "außergewöhnlichen Umstände" des Falls: Er bezweifle, dass es einen "fairen dritten Prozess" geben werde, heißt es in dem Urteil. Außerdem führt Brady darin das Alter, den schlechten Gesundheitszustand von Woodfox sowie den "Schaden durch mehr als 40 Jahre in Einzelhaft" an.

Das Urteil sei ein "riesiger Schritt in Richtung Gerechtigkeit", sagte Jasmine Heiss von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die seit Jahren die lange Isolationshaft der "Angola 3" anprangert. "Das einzig Humane, was die Behörden in Louisiana jetzt tun können, ist die sofortige Freilassung." Momentan sitzt Woodfox noch in einem Gefängnis in St. Francisville, Louisiana.

Louisianas Staatsanwalt Buddy Caldwell hat bereits angekündigt, gegen die Entscheidung von Richter Brady vorgehen zu wollen. Einer seiner Sprecher bezeichnete Woodfox als Mörder. Es müsse sichergestellt sein, dass er in Haft bleibe und für seine Taten Verantwortung übernehme.

aar/AP



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insgesamt 14 Beiträge
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Bueckstueck 09.06.2015
1. Aha, Herr Staatsanwalt
Und wer übernimmt die persönliche Verantwortung wenn das Leben von Menschen zerstört wurde, weil sie unschuldig im Gefängnis aufgrund eines schlampig und fahrlässig geführten Prozesses verrotten? Niemand. Niemals.
andros0813 09.06.2015
2.
diese kaum zu glaubenden fehlurteile und die verstöße gegen international anerkanntes menschenrecht in usa stehen im krassen widerspruch zum ihrem anspruch, als weltpolizei für das wohl der menschheit zu sorgen.. wieviel vertrauen wir so einem land entgegenbringen, das sich dermaßen selbst überschätzt? diese nicht endende gewalt hat hier seinen ursprung.
Koda 09.06.2015
3. Also Jemand der fast sein ganzes Leben im Gefängnis saß
hat - besonders nach 43 Jahren - wohl eindeutig Verantwortung für seine Taten genommen - egal ob umstritten oder nicht.
p.rosenstein 09.06.2015
4. Folterhaft
43(!) Jahre in Isolationshaft bedeuten 43 Jahre Folter. Es ist unglaublich, dass so etwas in einem "Rechtsstaat" möglich ist.
steffen.ganzmann 09.06.2015
5. Ob man ihm ...
... mit der Entlassung wirklich einen Gefallen tut? Mit etwas Glück weiss er, dass es mittlerweile Farbfernsehen gibt - die Fernbedienung dazu kennt er schon nicht mehr ... Oder etwas ernster: Nach 43 Jahren Angola wird ein 100-prozentiger Psychokrüppel entlassen! Entweder wird er wieder im Knast landen oder - wahrscheinlicher - in einer geschlossenen Psychiatrie.
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