Tödliche Schüsse auf Obdachlosen US-Polizisten wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt

Im US-Bundesstaat New Mexico filmten Polizisten die Schüsse auf James Boyd mit einer Helmkamera, der Tod des Obdachlosen löste heftige Proteste aus. Jetzt müssen sich zwei Beamte vor Gericht verantworten.

APD/YouTube

Albuquerque - Das Sterben des James Boyd ist auf Video festgehalten. Die Helmkamera eines Polizisten hat ihn in den Sandia Mountains gefilmt, dort wollte der Obdachlose am 16. März 2014 übernachten. Eine offizielle Genehmigung hatte er nicht - und so rückten in der Abenddämmerung drei Polizisten an: Sie wechseln Worte, Boyd packt sich seinen Rucksack auf den Rücken, es scheint, als würde er ohne Widerstand den Anweisungen der Beamten folgen. Kein Kampf, kein Handgemenge. Dann wird gefeuert. Erst ist es eine Schockgranate. Dann schießen zwei Polizisten scharf.

Boyd fällt mit dem Gesicht in den Schlamm. Im Krankenhaus wird er für tot erklärt. Erst später wird bekannt, dass der Obdachlose zwei Messer bei sich trug.

Die Polizei veröffentlichte das Video von dem Einsatz - und wurde heftig kritisiert. Hunderte Menschen gingen in der Stadt im US-Bundesstaat New Mexico auf die Straße. Ihre Wut richtete sich gegen die ihrer Meinung nach allzu schießwütige Polizei in Albuquerque. "Euch braucht keiner. Ihr seid für nichts gut", schrien sie den Beamten entgegen.

Jetzt, Monate nach den tödlichen Schüssen, hat die Staatsanwaltschaft die beiden Schützen wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt. Wie die "New York Times" berichtet, muss nun ein Richter entscheiden, ob es genug Beweismaterial gibt, um das Verfahren fortzuführen.

"Anders als in Ferguson und anders als in New York"

Die Anklage erfolgt in einer Zeit, in der das Thema Polizeigewalt in den USA höchst aktuell ist. Polizisten in Ferguson erschossen den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown. In New York starb der Schwarze Eric Garner bei einer Festnahme, bei der ein Polizist einen Würgegriff einsetzte. Gegen die Beamten wurde jeweils kein Verfahren eingeleitet - auf die Entscheidungen folgten wütende Proteste gegen rassistische Polizeigewalt.

"Anders als in Ferguson und anders als in New York City werden wir hier Bescheid wissen. Die Öffentlichkeit wird die Informationen bekommen", sagte Staatsanwältin Kari Brandenburg. Sie habe sich für die Mordanklage und gegen eine Grand Jury entschieden, um für Transparenz in dem Fall zu sorgen. Brandenburg befindet sich derzeit in ihrer vierten Amtszeit - und sie liegt im Clinch mit dem Albuquerque Police Department. Ihr wird vorgeworfen, jemanden bestochen zu haben, damit er keine Anzeige gegen ihren Sohn erstattet.

Nach dem Vorfall vom März hatten Polizeiführung und Stadtverwaltung das Vorgehen der Einsatzkräfte verteidigt. Sie sprachen von Notwehr und davon, dass Boyd ihnen namentlich bekannt gewesen sei und psychische Probleme gehabt habe. Die Polizisten hätten sich von ihm bedroht gefühlt.

Der Anwalt eines der Schützen sagte über seinen Mandanten: "Er hatte nicht nur das Recht, er hatte die Pflicht, seinen Kollegen vor einem mental instabilen, gewalttätigen Mann mit zwei Messern zu verteidigen."

Video: Warum US-Cops häufiger schießen

SPIEGEL ONLINE

aar/AP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Dr. Seltsam 13.01.2015
1. Tcha..
Zitat: Der Anwalt eines der Schützen sagte über seinen Mandanten: "Er hatte nicht nur das Recht, er hatte die Pflicht, seinen Kollegen von einem mental instabilen, gewalttätigen Mann mit zwei Messern zu verteidigen." Wer schützt denn die Bevölkerung vor den mental instabilen und gewalttätigen Polizisten mit Schusswaffen? Ein wirklich merkwürdiges Land...
arnold.susana 13.01.2015
2.
Zitat von Dr. SeltsamZitat: Der Anwalt eines der Schützen sagte über seinen Mandanten: "Er hatte nicht nur das Recht, er hatte die Pflicht, seinen Kollegen von einem mental instabilen, gewalttätigen Mann mit zwei Messern zu verteidigen." Wer schützt denn die Bevölkerung vor den mental instabilen und gewalttätigen Polizisten mit Schusswaffen? Ein wirklich merkwürdiges Land...
"Ein merkwürdiges Land" ? - Nicht ganz. Immerhin doch eine Promille + Anzahl von Verrückten. Von der Nachricht das ein 2-Jähriger im Supermarkt seine Mutter erschießt bis Ermordung es Jugendlichen in der Garage bis hin zu IQ-minderbemittelten Polizisten. Eigentlich alles vertreten. Nur soll man nicht vergessen das 95% der Bevölkerung genauso geschockt darüber ist wie wir.
zaphod_beeblebroxiii 13.01.2015
3. Wenn man nur
nach dem Video geht, bei em am Ende ein Stück fehlt, war keine Bedrohungslage zu erkennen. "Vorsätzliche Tötung" wäre das, was es wohl beschreibt. Sollte der Schütze nach dem Video straffrei ausgehen, dann hat die USA ein echtes Problem ihr Rechtssystem den Bürgern als gerecht zu verkaufen. Haben die dem Opfer nachher noch die Hände auf dem Rücken gefesselt? Oder habe ich das falsch gesehen?
siegerländer79 13.01.2015
4. Viel zu viel Militär im Polizeidienst
Man sieht den Mann kein Messer schwingen. Die USA befinden sich auf einem ganz gefährlichen Weg. Wenn man berücksichtigt, daß Rückkehrer aus dem Irak, die eine entsprechende Ausbildung bezüglich schnell am Abzug zu sein bekommen haben, nun auf die Bevölkerung losgelassen werden, dann werden in Zukunft noch mehr solcher Fälle die Menschen beschäftigen. Zumal die Polizei immer weiter aufrüstet mit Kriegsgerät. die Urteile der vergangenen Fälle scheinen eine gewisse Narrenfreiheit der Polizei dort zu bestätigen.
schlipsmuffel 13.01.2015
5. Man muss sich
nur mal anhören, was US-Bürger privat darüber erzählen, wer dort zu den Cops geht: Auf dem Arbeitsmarkt chancenloser white trash, überfettet, unbeweglich mit fast keiner Ausbildung im Dienst. Was soll dabei schon herauskommen.
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