Staatsschutz ermittelt Gedenksteine in Greifswald aus dem Pflaster gebrochen

Es ist vermutlich die Tat von Rechtsextremen: Vor dem Jahrestag der Pogromnacht sind alle Greifswalder Gedenksteine für NS-Opfer aus dem Boden gerissen worden. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

"Hier fehlt ein Stolperstein": In Greifswald wurden elf Gedenksteine entwendet
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"Hier fehlt ein Stolperstein": In Greifswald wurden elf Gedenksteine entwendet


Greifswald - Unbekannte haben alle in Greifswald verlegten Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen. Die insgesamt elf Steine erinnerten an die während des Nationalsozialismus deportierten und getöteten Juden. "Mit roher Gewalt" seien die Gedenksteine an verschiedenen Orten in der Stadt entwendet worden, sagte ein Polizeisprecher. Von einem rechtsextremistischen Hintergrund und einem Zusammenhang mit dem Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht sei auszugehen. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

Am Abend wollen rund hundert Anhänger der rechten Szene durch die Nachbarstadt Wolgast ziehen. Ein Zusammenhang der herausgebrochenen Stolpersteine mit der Veranstaltung sei anzunehmen. Die Polizei setzte eine Belohnung von 2500 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen.

Der Präsident des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, Knut Abramowski, sprach von einer "widerwärtigen Tat". Der Greifswalder Oberbürgermeister Arthur König (CDU) erklärte, er werde alle rechtlichen Schritte einleiten, um die Aufklärung der Taten zu unterstützen. "Menschen, die bis heute nicht wahrhaben wollen, dass die jüdischen Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus vernichtet wurden, werden nicht die Oberhand gewinnen", so König.

"Pietätlose Schändung"

Auch andere Politiker äußerten sich schockiert über die Tat. "Es ist besonders beschämend, wenn so etwas ausgerechnet am Jahrestag der Pogromnacht geschieht", sagte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Nieszery. Von einer "pietätlosen Schändung", die die Opfer des NS-Regimes verhöhne, sprach der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Wolf-Dieter Ringguth.

Angestachelt durch die NS-Propaganda setzten Verbände von SA und SS am 9. November 1938 Synagogen in Brand, plünderten Geschäfte und demolierten die Wohnungen von Juden. Infolge der Ausschreitungen kamen Hunderte Menschen ums Leben.

Die Stolpersteine sollen in vielen Städten Deutschlands an die NS-Opfer erinnern. Schon mehrfach wurden Exemplare beschädigt. Erst im Oktober beschmierten Unbekannte im brandenburgischen Zossen dort eingelassene Steine mit schwarzer Farbe.

wit/dpa/dapd



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