Louisiana Afroamerikaner von Polizisten getötet - US-Justiz ermittelt

Aus kurzer Distanz haben US-Polizisten einen Afroamerikaner erschossen. Die Behörden sprechen von einer "schrecklichen Tragödie". Der Fall facht die "Black lives matter"-Proteste neu an.

Alton Sterling
REUTERS/ East Baton Rouge Sheriffs Office

Alton Sterling


Das US-Justizministerium hat im Fall des von Polizisten erschossenen Alton Sterling Untersuchungen eingeleitet. Dem Afroamerikaner war am Dienstag bei einem Polizeieinsatz im Bundesstaat Louisiana mehrfach aus kurzer Distanz in die Brust geschossen worden. Der 37-Jährige hatte vor einem Laden in Baton Rouge CDs verkauft.

Nach Angaben der Polizei waren die Beamten am Dienstagmittag zu dem Laden geschickt worden, nachdem ein anonymer Anrufer berichtet habe, er sei dort von dem CD-Verkäufer mit einer Waffe bedroht worden. Auf dem Parkplatz sei es zu einer "Auseinandersetzung" gekommen, in deren Verlauf der 37-Jährige erschossen worden sei.

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch sagte der Polizeichef von Baton Rouge, Sterling sei zwar bewaffnet gewesen, es gebe aber noch viele offene Fragen zu der "schrecklichen Tragödie".

Die Polizei machte keine Angaben darüber, welcher der Beamten wie oft geschossen hat. Es soll sich um Polizisten handeln, die bereits drei beziehungsweise vier Jahre im Dienst waren. Sie seien nun vorübergehend freigestellt worden.

Louisianas Gouverneur John Bel Edwards sagte, Bürgerrechtsexperten des US-Justizministeriums untersuchten den Fall. Ein Mitarbeiter der Behörde bestätigte dies gegenüber der Nachrichtenagentur AP, wegen der laufenden Ermittlungen wolle er jedoch anonym bleiben.

Die Hürden für ein Strafverfahren auf Bundesebene sind hoch: Ermittler müssen schwerwiegende Verstöße der Polizisten ausmachen. Laut Edwards sei der Vorfall von Baton Rouge sehr bedenklich. "Das Video ist, gelinde gesagt, beunruhigend."

Body-Cams beider Polizisten womöglich unbrauchbar

Ein von einem Augenzeugen per Smartphone aufgenommenes Video zeigt, wie zwei weiße Polizisten den Afroamerikaner auf den Boden werfen und dort festhalten. Während die Beamten mit dem Mann ringen, ruft jemand: "Er hat eine Waffe!" Einer der Beamten, der am Boden kniet, feuert dann mehrere Schüsse auf den Afroamerikaner ab.

Der Polizei lägen zudem Aufnahmen von Überwachungskameras und Dashcams vor. Auch die Bodycams der Polizisten würden ausgewertet, allerdings seien die Aufnahmen dieser Kameras, die Polizisten an ihren Uniformen tragen müssen, in diesem Fall womöglich unbrauchbar, da sich beide Kameras während des Vorfalls gelöst haben sollen.

Marjorie Esman, Vorsitzende der Bürgerrechtsunion ACLU in Louisiana, sagte, es werfe Fragen auf, wenn sich die Kameras genau in dem Moment lösten, wenn sie am dringendsten gebraucht würden.

Der Polizeichef von Baton Rouge forderte Demonstranten in der Stadt auf, friedlich zu bleiben. Bürgermeister Kip Holden sagte, der Vorfall habe eine Wunde aufgerissen, "aber wir werden diese Stadt, diese Gemeinde wieder heilen".

Demonstranten in Baton Rouge
REUTERS

Demonstranten in Baton Rouge

Rund hundert Menschen, darunter Verwandte und Freunde des getöteten Alton Sterling, hatten am Dienstagabend vor dem Geschäft demonstriert, an dem Sterling seine CDs verkaufte. Hunderte Demonstranten setzten die Proteste am Mittwoch fort. Auf Twitter bekundeten Tausende Nutzer unter dem Hashtag #AltonSterling Trauer, Wut und Mitgefühl.

Ähnliche Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze hatten in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr vor allem in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt. Im Sommer 2014 löste der gewaltsame Tod des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen aus. Im vergangenen Jahr entfachte der Tod von Freddie Gray in der Ostküstenstadt Baltimore wütende und teilweise gewalttätige Proteste.

sun/AP/AFP

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