Justizkrimi in Italien Tag der Entscheidung für Amanda Knox

Ist sie schuldig oder nicht? In kaum einem Mordfall wird die Frage so leidenschaftlich debattiert wie im Prozess gegen Amanda Knox. Erst verurteilt, dann freigesprochen, erwartet sie nun erneut ein Votum der Richter. Die wichtigsten Fakten.

REUTERS

Florenz - Der Anwalt verbreitet Zuversicht. Er sehe dem Urteil gelassen entgegen, sagt Verteidiger Carlo Dalla Vedova. Es könne nur lauten, dass seine Mandantin freizusprechen sei. Der Jurist vertritt Amanda Knox. Im Mordprozess gegen sie und ihren italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito wird an diesem Donnerstagabend ein Urteil erwartet. Die Frage, ob sie unschuldig ist, beschäftigt die italienische Justiz seit Jahren.

Knox und Sollecito sollen 2007 die britische Austauschstudentin Meredith Kercher in Perugia ermordet haben. Die Verteidigung will einen Freispruch, die Staatsanwaltschaft fordert für Knox 30 Jahre Haft, für Sollecito 26 Jahre.

Zudem soll Knox wegen übler Nachrede zu vier Jahren Haft verurteilt werden. Sie soll einen unbescholtenen Barbesitzer gegenüber der Polizei beschuldigt haben, etwas mit Kerchers Tod zu tun zu haben. Knox sagt, sie sei bei der Aussage verwirrt gewesen und habe unter extremem Druck gestanden.

Die beiden Angeklagten waren bereits 2009 in Perugia zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Jahr später sprach ein Berufungsgericht sie jedoch frei. Knox ging in ihre Heimat USA, derzeit studiert sie in Seattle. 2013 ordnete das oberste italienische Berufungsgericht an, den Prozess neu aufzurollen - beim Freispruch habe es "mehrere Beispiele für Unzulänglichkeiten, Widersprüche und klare Logikmängel" gegeben.

Dunkle Verführerin oder Justizopfer?

Knox blieb in den USA. Sie hat gesagt, im Falle einer Verurteilung werde sie sich den italienischen Behörden nicht stellen. Italien könnte zwar ihre Auslieferung verlangen, dürfte das aber erst tun, wenn es ein rechtskräftiges Urteil gibt. Es gilt ohnehin als sicher, dass Knox' Anwälte gegen eine Auslieferung vorgehen würden. Knox hatte wie Sollecito immer ihre Unschuld beteuert.

Der Fall findet bis heute riesiges Interesse in den Medien. Unfreiwillig sind Knox und Sollecito zu Berühmtheiten geworden, im Internet streiten Unterstützer und Gegner heftig über die Indizien in dem Fall des "Engels mit den Eisaugen". Medien in Italien und England, der Heimat des Opfers, zeichneten vielfach ein Bild von Knox als dunkle Verführerin, immer aus auf sexuelle Abenteuer. Dieses Bild habe ein faires Verfahren verhindert, bemängeln Knox' Unterstützer. In den USA sahen viele Kommentatoren den Fall als Skandal und Knox als Opfer der italienischen Justiz.

Die Leiche der 21-jährigen Kercher war halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in ihrem Zimmer in Perugia gefunden worden. Dort teilte sie sich mit Knox eine Wohnung. Im ersten Verfahren hatten die Ankläger den Standpunkt vertreten, Knox und Sollecito hätten Kercher in einem aus dem Ruder gelaufenen Sexspiel getötet. Von dieser Version der Kollegen in Perugia rückte die florentinische Staatsanwaltschaft aber ab. Auslöser für den Mord sei ein Streit über Sauberkeit in der WG gewesen.

Streit über DNA-Spuren

Wesentlich für das Urteil dürfte sein, wie das Gericht DNA-Spuren an der mutmaßlichen Tatwaffe bewertet, einem Messer aus Sollecitos Küche. Im ersten Prozess wurden Spuren an der Klinge Kercher, Spuren am Griff Knox zugeordnet. Die Anklage hält diesen Befund bis heute für valide, doch beim Freispruch im Berufungsverfahren hatte das Gericht seine Zweifel.

Eine weitere DNA-Spur am Messer wurde nun, im dritten Verfahren, Knox zugeordnet. Die Verteidigung sieht dies als Indiz dafür, dass die 26-Jährige das Messer für Küchenarbeiten benutzte. Die Anklage sieht dadurch die Annahme gestärkt, Knox habe das Messer in den Händen gehabt, auch bei der Tat.

Aus Sicht der Anwälte von Knox und Sollecito sitzt der alleinige Mörder bereits in Haft: Rudy Guede, 2010 wegen Beihilfe zum Mord zu 16 Jahren Haft verurteilt. Im Verfahren gegen ihn war jedoch festgestellt worden, dass er Kercher nicht allein erstochen haben könne - dazu seien die mehr als 40 Verletzungen Kerchers zu unterschiedlich.

Wie auch immer das Gericht in Florenz entscheidet, das Verfahren dürfte noch lange dauern. Prozessbeobachter erwarten, dass der Verlierer das Urteil anfechten wird. Italiens oberster Gerichtshof müsste einen Schuldspruch dann bestätigen.

ulz//AP/Reuters/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
friedberta 30.01.2014
1. ???
Da gibts in Italien wohl andere Fälle, die genauesten überprüft werden müssen. Wenn es um das Thema Liebe und Leidenschaft geht haben Italiener und Franzosen allerdings das alleinige Hausrecht, meinen sie. Anstelle von AK würde ich sicherheitshalber keinen Fuss mehr in Italien setzen.
Steuerzahler0815 30.01.2014
2.
Zitat von sysopREUTERSIst sie schuldig oder nicht? In kaum einem Mordfall wird die Frage so leidenschaftlich debattiert wie im Prozess gegen Amanda Knox. Erst verurteilt, dann freigesprochen, erwartet sie nun erneut ein Votum der Richter. Die wichtigsten Fakten. Amanda Knox: Gericht in Florenz verkündet Urteil in Mordprozess - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/amanda-knox-gericht-in-florenz-verkuendet-urteil-in-mordprozess-a-946347.html)
Aber dafür hätte man sie einige Jahre im Gefängnis verbringen lassen sollen, denn dies kann man beweisen
jaloms 30.01.2014
3. Eine Chande,
Zitat von sysopREUTERSIst sie schuldig oder nicht? In kaum einem Mordfall wird die Frage so leidenschaftlich debattiert wie im Prozess gegen Amanda Knox. Erst verurteilt, dann freigesprochen, erwartet sie nun erneut ein Votum der Richter. Die wichtigsten Fakten. Amanda Knox: Gericht in Florenz verkündet Urteil in Mordprozess - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/amanda-knox-gericht-in-florenz-verkuendet-urteil-in-mordprozess-a-946347.html)
...wie diese choene Heilige verleumdet wurde ! Sogar als eiskalte Psychopathin sah man sie - nicht als den unchuldigen Engel, der sie ganz offensichtlich ist. Die italienische Republik chuldet ihre lebenslange Apanage !
EvaBaum 30.01.2014
4. Ja Klar!
Zitat von friedbertaDa gibts in Italien wohl andere Fälle, die genauesten überprüft werden müssen. Wenn es um das Thema Liebe und Leidenschaft geht haben Italiener und Franzosen allerdings das alleinige Hausrecht, meinen sie. Anstelle von AK würde ich sicherheitshalber keinen Fuss mehr in Italien setzen.
Als Mörderin würde ich mich einem derartigen Risiko auch nicht aussetzen! Ich frage mich, wie stark die Hormone bei den Knox- Beschützern sein müssen, damit sie alle Fakten die eindeutig gegen Knox sprechen so verdrängen können?
jurawel 30.01.2014
5. Fakten die gegen Amanda Knox sprechen?
Fakten wohl nicht, sonst hätte es keinen Freispruch gegeben! Die Polizei hat bei der tatortarbeit nachweislich Mist gebaut. Aber das kaönnen Polizei und Staatsanwaltschaft natürlich nicht zugeben. Das aufhebende Urteil des Kassationsgerichtshofes von 2013 ist hingegen ein Beispiel dafür wie man sich als Richter lächerlich macht, wenn man eindeutige Verfahrensregeln wie die der Unschuldsvermutung mißachtet und fragwürdige Aspekte hinsichtlich der Spuren auf dem Messer unsachlich bewertet. Nach der mehr als fragwürdigen Arbeit der Polizei bei der Spurenarbeit am Tatort stellt sich aus objektiver Sicht die Frage, ob das Messer überhaupt nach dieser Schlamperei überhaupt noch ein zulässiges Beweismittel sein kann!
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