Mordprozess in Italien Gericht kippt Freispruch für Amanda Knox

Es ist die nächste spektakuläre Wende im Fall Amanda Knox: Ein Gericht in Florenz hat die Amerikanerin und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito des Mordes an einer britischen Studentin schuldig gesprochen. Beide waren für die Tat schon einmal verurteilt und dann freigesprochen worden.

Raffaele Sollecito (2. v. l.) vor dem Gerichtsgebäude: 28 Jahre für Knox, 25 für Sollecito
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Raffaele Sollecito (2. v. l.) vor dem Gerichtsgebäude: 28 Jahre für Knox, 25 für Sollecito


Florenz - Ein Gericht in Florenz hat Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito wegen Mordes verurteilt. Das Berufungsgericht blieb in seinem Urteil knapp unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß: Knox wurde in Abwesenheit zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, Sollecito zu 25 Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In einem Statement teilte Knox mit, sie sei traurig und erschrocken über das Urteil, dieses sei "ungerecht". Dafür verantwortlich seien "übereifrige Fahnder" und "vorurteilsbeladene und engstirnige Ermittlungen".

Der Staatsanwalt hatte Haftstrafen von 30 Jahren für Knox und 26 Jahren für Sollecito gefordert. Die Verteidigung hatte hingegen auf Freispruch plädiert.

Es ist bereits der zweite Schuldspruch gegen Knox und Sollecito. Den ersten hatte ein Gericht in Perugia 2009 verhängt. Dieses Urteil hob 2011 ein Berufungsgericht auf. 2013 ordnete das oberste italienische Berufungsgericht allerdings an, das Verfahren komplett neu aufzurollen - wegen Widersprüchen und Unstimmigkeiten im ersten Berufungsverfahren.

Die Anklage wirft Knox und Sollecito vor, die Studentin Meredith Kercher im November 2007 in Perugia brutal ermordet zu haben. Die 21-Jährige war halbnackt und von Messerstichen übersät in ihrem WG-Zimmer entdeckt worden. Knox und Sollecito wurden 2009 in erster Instanz in einem Indizienprozess verurteilt und nach vier Jahren in Haft 2011 freigesprochen. Beide hatten stets ihre Schuld bestritten.

Sollecito droht nun erneute Haft. Knox, die in Seattle studiert, müsste zunächst ausgeliefert werden. Sie hatte angekündigt, sich im Falle eines Schuldspruchs nicht den italienischen Behörden stellen zu wollen. Die Verteidigung hat bereits angekündigt, Berufung einzulegen. Dann müsste das höchste italienische Gericht ein weiteres Mal in dem Fall entscheiden.

ulz/sun/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 33 Beiträge
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misscecily 30.01.2014
1.
Man muss sich schämen, dass so ein Land Teil von Europa ist.
LapOfGods 30.01.2014
2. Ist ja schöm, dass Sie darüber berichten
aber zumindest hier in Deutschland ist die Informationslage so, dass man glauben kann oder auch nicht. Kein Vergleich zur Berichterstattung über einige deutsche Prozesse. Ich weiß nicht, warum sie verurteilt wurden und warum sie freigesprochen wurden. Das klingt alles beliebig. So kann man sich die Berichte schenken.
raubkopie 30.01.2014
3. Ob USA sie ausliefert?
Sie ist anscheinend tatsächlich schuldig, kann ich kaum glauben, dass so eine schöne Frau in der Lage ist jemanden die Kehle durch zu schneiden, aber die Beweise sprechen dafür, also da muss Amerika sie ausliefern und dann beginnt wahrscheinlich eine lange Stille zwischen USA und Italien.Allerdings ich glaube, dass Knox bereits untergetaucht ist.
mickt 30.01.2014
4. Fantasie der Richter und Staatsanwälte
Machen wir uns nichts vor: bei Indizienprozessen geht es mehr um die schlüssige Fantasie von Richtern und Staatsanwälte als um die Wirklichkeit wie sie war. Wenn sie ihre Thesen glaubhaft machen können wird "Recht gesprochen" aber am Ende ist es nur ein Glauben und Justizopfer sind gewiss.
moe.dahool 30.01.2014
5. @LapOfGods
Danke. Informationswert der Berichterstattung: nahezu null. Das einschränkende "Nahezu" auch nur deshalb, weil es schließlich die Info über die Verurteilung gab. Nur frage ich mich warum dann überhaupt darüber berichtet wird, Sensationsgeilheit á lá Springer?!
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