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Grundsatzentscheidung: Amnesty kämpft jetzt auch für Liberalisierung der Prostitution

Prostituierte in Rio de Janeiro: "Eine der am meisten vernachlässigten Gruppen in der Welt" Zur Großansicht
Getty Images

Prostituierte in Rio de Janeiro: "Eine der am meisten vernachlässigten Gruppen in der Welt"

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzt sich künftig für eine Liberalisierung der Prostitution ein. Das hat die Hauptversammlung der Bewegung beschlossen - weltweiter Proteste zum Trotz.

Amnesty International hat einen umstrittenen Beschluss zum Umgang mit Prostitution getroffen. Die Menschenrechtsorganisation will sich künftig für die Entkriminalisierung der Sex-Arbeit weltweit einsetzen. Das beschlossen Delegierte aus aller Welt in Dublin beim International Council Meeting (ICM) von Amnesty. Das Treffen ist eine Art Hauptversammlung der internationalen Bewegung und legt die Grundlinien ihrer Menschenrechtspolitik fest.

"Prostituierte sind eine der am meisten vernachlässigten Gruppen in der Welt, die in den meisten Fällen ständig dem Risiko von Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind", sagte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty. "Unsere weltweite Bewegung ebnete den Weg, dass wir eine Politik verfolgen können, die den Schutz der Menschenrechte von Prostituierten fordert."

Die Entscheidung, für eine Legalisierung der Prostitution einzutreten, sei nicht leichtfertig oder übereilt gefallen, hob Shetty hervor. Amnesty setzt sich nun auch für die Entkriminalisierung von Zuhältern und Bordellbetreibern ein.

Im Vorfeld hatten prominente Frauen wie Meryl Streep, Lena Dunham, Emma Thompson und Kate Winslet die Pläne scharf kritisiert. Die Entkriminalisierung von Prostitution öffne der Ausbeutung von Frauen Tür und Tor. Tausende Menschen unterstützten einen Aufruf an Amnesty, auf den nunmehr vollzogenen Schritt zu verzichten.

Die Verfasser des Briefes hatten "tiefe Besorgnis" über die Beschlussvorlage geäußert. Amnestys Ruf würde irreparabel befleckt, heißt es in dem Brief, "wenn sie eine Politik annehmen sollte, die Partei ergreift für Käufer von Sex, Zuhälter und andere Ausbeuter, anstatt für die Ausgebeuteten".

Amnesty selbst wies darauf hin, man habe vor dem Beschluss zahlreiche Betroffene angehört.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version lautete die Überschrift zu dieser Meldung "Amnesty kämpft jetzt auch für Zuhälter". Die jetzige Überschrift trifft den Kern der Nachricht akkurater, deshalb wurde sie geändert.

syd/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 208 Beiträge
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1.
Barath 12.08.2015
"Amnesty kämpft jetzt auch für Zuhälter" Ohne Worte...
2. Sehr guter Schritt
zardoz77 12.08.2015
Dies ist ein sehr guter Schritt von amnesty. Sehr vielen Leuten wird das natürlich nicht einleuchten. Aber je mehr man die Prostitution bekämpft und wehschiebt, umso mehr wird sie in Hinterzimmern und unkontrollierbaren Bereichen stattfinden. Im Dunkeln ist aber schlecht munkeln. Wenn eine Prostituierte sich nicht mehr an die Behörden oder Schutzorganisationen wenden kann (da sie selbst kriminalisiert wird), dann ist das nur zum Nachteil der Prostituierten. Ganz abgesehen davon, ist die freie Berufswahl ein Menschenrecht. Nicht alle Prostituierten handeln unter Zwang!
3. Hier dürfte der entscheidende Unterschied liegen...
readme74 12.08.2015
---Zitat--- Amnesty selbst wies darauf hin, man habe vor dem Beschluss zahlreiche Betroffene angehört. ---Zitatende--- Anders als die zahlreichen "Anti-Prostitutions-Organisationen" und weite Teile des in Theorien, Ideologien und Dogmen von vorgestern verhafteten feministischen Establishments hat hier offenbar mal jemand wirklich MIT den Betroffenen gesprochen und ihre Meinungen und Ansichten angehört und respektiert, anstatt nur ÜBER Prostituierte zu sprechen und sie nur als hilflose, unmündige Objekte und Opfer zu begreifen und hinzustellen, die es paternalistisch-grossherzig aus der Prostitution zu "befreien" gilt. Und wenn man wirklich unvoreingenommen und ergebnisoffen mit Betroffenen spricht, dann kommt da offenbar im Rahmen einer pragmatischen Lösungsfindung zur Verbesserung der Situation von Prostituierten etwas ganz anderes heraus als wenn man Prostitution nur durch die Brille feministischer Betonköpfinnen sieht.
4. Unglaubliche Lügen - selbst für den SPIEGEL
Matthias Lehmann 12.08.2015
Hier ist ein Video von Amnesty International, allerdings in englischer Sprache, das die Lügen im obigen Artikel widerlegt. https://youtu.be/pJ8xSBaVIXU Und hier ein Beitrag von Amnesty in der Schweiz Richtungsentscheid für die Menschenrechte von Sexarbeiter/innen http://www.amnesty.ch/de/about/dok/2015/amnesty-international-ratstagung-2015-amnesty-position-zu-sex-arbeit
5. Das war`s dann wohl ...
womo88 12.08.2015
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