Prozessauftakt nach Amokalarm: Memminger Schüler bestreitet Tötungsabsicht

Ein Jugendlicher gab in einer Memminger Schule und auf einem Sportplatz Schüsse ab, nun steht er vor Gericht. Der 15-Jährige ist unter anderem wegen zwölffachen versuchten Totschlags angeklagt. Er habe niemanden töten wollen, sagte er. Sein Motiv sei Liebeskummer gewesen.

Memmingen - Acht Monate nach dem Amokalarm an einer Schule im bayerischen Memmingen hat der Prozess gegen einen 15 Jahre alten Schüler begonnen. Ihm werden unter anderem zwölffacher versuchter Totschlag, unerlaubter Waffenbesitz und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen.

Das Motiv für die Tat soll Liebeskummer gewesen sein. Die 13-jährige Freundin des mutmaßlichen Täters habe am Tag zuvor Schluss gemacht, sagte ein Justizsprecher im Landgericht Memmingen. "Er hat sich von ihr ungerecht behandelt gefühlt." Während der nicht-öffentlichen Verhandlung vor der Jugendkammer habe der 15-Jährige die Tat eingeräumt und auf das Ende der Beziehung verwiesen.

Der Jugendliche hatte am 22. Mai 2012 mit Waffen seines Vaters zuerst an seiner Schule und später auf einem Sportplatz mehrere Schüsse abgegeben. Verletzt wurde niemand. Erst nach mehrstündigen Verhandlungen konnten Polizisten den Jugendlichen zur Aufgabe bewegen.

Bei seiner Aussage vor dem Landgericht habe er "gefasst aber verschlossen" gewirkt, sagte der Justizsprecher. Der 15-Jährige betonte demnach, keine Tötungsabsichten gehabt zu haben. In entscheidenden Fragen habe der Jugendliche allerdings ausgesagt, sich wegen eines Blackouts nicht mehr erinnern zu können.

"Abreagieren" mit Luftdruckwaffen

Am Vorabend der Tat habe sein Vater ihm erlaubt, sich im Keller des elterlichen Hauses "abzureagieren", sagte der Sprecher. Der Jugendliche habe dort mit Luftdruckwaffen geschossen, sein Vater habe ihn alleine gelassen. In einem unbeobachteten Moment sei es ihm dann gelungen, den Schlüsselcode des Tresors zu manipulieren, so dass er sich später am Abend zwei scharfe Pistolen, eine Luftdruckpistole und einen Dolch habe beschaffen können.

Vor Gericht sagten mehrere Schüler und eine Lehrerin aus, der Jugendliche habe sie massiv bedroht. Er soll angekündigt haben, seine Ex-Freundin und auch Lehrer umzubringen zu wollen. Dem zur Tatzeit 14-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Jugendhaft. Für den Prozess wurden fünf Verhandlungstage angesetzt. 80 Zeugen und fünf Sachverständige sind geladen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht trotz des Amokalarms keinen Bedarf für schärfere Waffenregelungen für Sportschützen. "Ich glaube, dass wir jetzt eine ausgewogene Regelung haben", sagte Herrmann. Im Memminger Fall habe die Aufbewahrung offenbar nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprochen, so Herrmann. Zudem habe sich der Schüler illegal Zugang zum Waffenschrank seines Vaters, der Sportschütze ist, verschafft.

aar/dpa/dapd/AFP

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