Ehemann von getöteter Schuldirektorin: "Ich war wütend. Jetzt bin ich nur noch traurig."

George und Dawn Hochsprung hatten ihr Traumhaus gebaut und eine Zukunft mit ihren Kindern und Enkeln geplant. Nun ist die Direktorin der Sandy-Hook-Schule tot, erschossen von Adam Lanza. Der Witwer sprach im Interview unter Tränen vom Verlust seiner Frau, die als Heldin gefeiert wird.

Newtown - Als Dawn und George sich kennenlernten, waren sie nicht mehr besonders jung oder unerfahren. Beide waren zuvor verheiratet gewesen, Dawn hatte bereits zwei Kinder, George drei. Doch bei ihm war es Liebe auf den ersten Blick, damals, in der Rogers Park Middle School in Danbury im US-Bundesstaat Connecticut. Er, der Mathelehrer, war 20 Jahre älter als sie, die Mitarbeiterin der Schulleitung. "Ich habe mich sofort verliebt", sagt George.

Allerdings musste er lange um Dawn werben. Fünfmal habe sie ihn abgewiesen, bevor sie seinen Antrag annahm. Und weil beide das Segeln als Hobby teilten, heirateten sie auf einem Schiff. Das war vor einem Jahrzehnt.

Im Adirondacks-Gebirge bauten sich die beiden ihr Traumhaus. "Es hätte Dawns Haus sein sollen, wenn ich einmal sterbe", sagt George. Deshalb habe er extra Zimmer für die Kinder und Enkelkinder eingeplant - sie hätten Dawn Gesellschaft leisten können. Er habe nie damit gerechnet, Dawn zu überleben. Doch es sollte anders kommen.

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Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule: Entsetzen in Newtown
Dawn Hochsprung, 47, war Direktorin an der Sandy-Hook-Schule in Newtown. Am Freitag erschoss Adam Lanza 26 Menschen, unter den Opfern war auch Dawn Hochsprung. Schon kurz nach dem Massaker wurde sie als Heldin gefeiert - sie starb, als sie sich dem Attentäter in den Weg stellte. "Dawn hat sich selbst in Gefahr gebracht", sagte George Dawn nun in einem Interview mit dem Sender CNN. "Und ich war wütend darüber. Wütend."

Das habe sich erst geändert, als er mit zwei Kolleginnen seiner Ehefrau gesprochen habe. Sie hätten ihm erzählt, dass Dawn Hochsprung sie angewiesen habe, sich zu verstecken. Sie selbst habe sich auf dem Flur dem Schützen entgegengestellt. "Sie hätte das vermeiden können", sagte der Witwer unter Tränen. "Aber sie tat es nicht." Er wisse, dass seine Frau nicht anders handeln konnte. "Daher bin ich nicht mehr wütend. Ich bin nicht wütend", sagte Hochsprung. "Ich bin nur noch traurig."

Auch eine Tochter der Direktorin kommt in dem CNN-Interview zu Wort. "Bei jedem Cheerleader-Training war sie dabei, bei jedem Tanzwettbewerb", sagte Erica Lafferty. Sie habe zwar auch Hausaufgaben auf der Tribüne korrigiert, aber sie sei da gewesen, sagte die junge Frau über ihre tote Mutter. "Sie war mein Fels."

Vorbereitung für die ersten Beerdigungen

Noch ist unklar, warum Lanza am vergangenen Freitag zuerst seine Mutter erschoss und dann in der Schule ein Blutbad anrichtete. Beamte untersuchen derzeit die Inhalte von Lanzas Computer sowie Daten von Telefonen und Angaben zu Kreditkarten, wie es aus Ermittlerkreisen heißt. Es gebe Hinweise darauf, dass er noch mehr Menschen töten wollte. So seien in der Grundschule mehrere Magazine mit jeweils 30 Schuss und Hunderte weitere Patronen gefunden worden, teilte Polizeisprecher Paul Vance mit.

"Es hat unsere Herzen gebrochen, dass wir nicht alle retten konnten", sagte er auf einer Pressekonferenz am Montag. Er gab zudem an, dass in der Schule zwei Erwachsene verletzt wurden, die sich derzeit erholen würden. Von ihnen erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise auf die Tat. Die Untersuchungen in dem Schulgebäude und im Wohnhaus von Lanza könnten sich Vance zufolge noch Monate hinziehen.

Medienberichten zufolge äußerte sich Adam Lanzas Mutter Nancy noch eine Woche vor dem Attentat besorgt über den Zustand ihres Sohnes. "Sie hat gesagt, dass es schlimmer wird. Dass sie Probleme habe, an ihn heranzukommen", zitiert "Daily News" einen Freund der Mutter.

"Je älter Adam wurde, desto anstrengender wurde es für sie", sagte Mark Tambascio der Zeitung. Gemeinsam mit seinem Bruder betreibt er eine Bar in Newtown, in der Nancy Lanza häufig Gast war. Ihr zu Ehren wollen die Brüder nun eine Messingplatte mit ihrem Namen auf einem Barhocker anbringen.

Drei Tage nach dem Attentat werden die ersten beiden Opfer beerdigt: der sechsjährige Noah Pozner sowie der gleichaltrige Jack Pinto. Er soll ein großer Fan des Football-Teams New York Giants gewesen sein - um an den Jungen zu erinnern, hatte der Giants-Spieler Victor Cruz bei einer Partie am Wochenende dessen Namen auf sein Trikot geschrieben: "Ruhe in Frieden, Jack Pinto. Mein Held - das hier ist für dich."

aar/dpa/AFP

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