Schulmassaker in Newtown: Ein Amokschütze, 27 Opfer - Motiv noch unklar

Immer mehr Details zum Ablauf des Massenmords in Newtown werden bekannt - die Motive des Täters sind dagegen immer noch unklar. Warum erschoss Adam Lanza erst seine Mutter und stürmte dann ausgerechnet in die Sandy-Hook-Schule? Warum erschoss er Kinder?

Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule: Entsetzen in Newtown Fotos
AFP

Newtown - Der Amoklauf in Newtown hat die USA erschüttert. In die Trauer der Menschen in dem Ort im US-Bundesstaat Connecticut mischt sich die Frage nach dem Warum. Viele strömen zu der katholischen Kirche im Ort. Er habe seit Freitag gefühlte tausendmal "Ich weiß es nicht" sagen müssen, so Pfarrer Richard Scinto.

Die Ermittler in Connecticut suchen noch immer Antworten auf viele Fragen wie:

  • Warum lagerte die Mutter des Attentäters Adam Lanza fünf Waffen im Haus?
  • Welche Erfahrungen hatte Lanza mit diesen Waffen?
  • Warum stürmte er ausgerechnet in die Sandy-Hook-Schule?

Die Polizei sagte in einer ersten Pressekonferenz lediglich, dass die Ermittlungen noch andauern. Hinweise auf das Motiv des Amokläufers wollte ein Sprecher nicht bekanntgeben - die Behörden haben aber viele Erkenntnisse gesammelt. In einer zweiten Pressekonferenz wurde die Identität des Todesschützen offiziell bestätigt. Auch wurde mitgeteilt, dass Lanza Hunderte Schüsse abgefeuert hat - und noch Hunderte Schuss Munition bei sich trug. Neben den beiden Pistolen benutze er ein Sturmgewehr der Marke Bushmaster, mit der die meisten Schüsse abgefeuert wurden. Im Kofferraum seines Autos, das vor der Grundschule stand, war eine vierte Waffe, eine Schrotflinte, gefunden worden. Zum Motiv und den weiteren Umständen müssten noch sehr viele Zeugen befragt werden, mit den Verletzten habe man bereits gesprochen. Lanza hat keinen Abschiedsbrief oder Tagebücher hinterlassen.

Die Ermittler haben laut CBS News Dutzende von Waffengeschäften und Schießständen in ganz Connecticut durchforstet. Der Geschäftsführer der Schießanlage Wooster Mountain State Range im nahegelegenen Danbury sagte der Nachrichtenagentur AP, zwei Ermittler des unter anderem für Waffenkontrolle zuständigen Amtes ATF (Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives) seien bereits Freitagnacht gekommen, um Namen in den Registern zu überprüfen. ATF-Sprecherin Ginger Colburn sagte nun jedoch, es gebe keine Hinweise darauf, dass der Täter einem Schützenverein angehört oder ein Schießtraining erhalten habe.

Zum Ablauf der Tat werden allerdings immer mehr Details bekannt:

  • Demnach tötete Lanza am Freitag zunächst seine Mutter mit mehreren Schüssen in den Kopf.
  • Dann fuhr er zur Sandy-Hook-Grundschule. Mit drei Waffen drang er gegen 9.30 Uhr Ortszeit gewaltsam in das Gebäude ein (am Samstag hatte es fälschlicherweise geheißen, er sei von einer Lehrerin eingelassen worden).
  • Dort erschoss er in weniger als zehn Minuten 20 Kinder zwischen sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsene. Dann tötete er sich selbst.
  • Die Polizei kam schnell: Zehn Minuten nach dem ersten Notruf traf das Spezialeinsatzkommando ein, was wohl viele Leben rettete. Der Gouverneur von Connecticut, Dannel Malloy, sagte in der ABC-Sendung "This Week", es werde vermutet, dass Adam Lanza die Sicherheitskräfte gehört habe, als er in einem zweiten Klassenraum geschossen habe. "In dem Moment hat er offenbar entschieden, sich das Leben zu nehmen."

Hier lesen Sie mehr zum Tatverlauf. Augenzeugenberichte lesen Sie hier.

"Wir haben ihn nie wirklich gekannt"

Nur langsam entsteht ein Bild von dem 20-jährigen Täter. Er galt als Einzelgänger, bis zu dem Amoklauf war er der Polizei nie aufgefallen. "Er war komisch als Kind, aber er war ruhig", sagte eine frühere Klassenkameradin Lanzas der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben seine echte Persönlichkeit nie gekannt."

In einigen Berichten hieß es, dass er an einer Entwicklungsstörung gelitten habe. "Nervös und zappelig" habe Lanza gewirkt, sagten Bekannte der "New York Times". Der kontaktscheue junge Mann habe versucht, jede Form der Aufmerksamkeit zu vermeiden. Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf eine Tante, dass Adam Lanza von seiner Mutter zu Hause unterrichtet worden sei, als er in der Schule nicht klargekommen sei.

Nach Beschreibung eines Lehrers konnte Lanza anscheinend keinen seelischen oder körperlichen Schmerz fühlen. "Wenn der Junge sich verbrannt hätte, hätte er das nicht bemerkt oder gespürt", sagt Richard Novia, ein ehemaliger Berater des Technik-Clubs der Newtown High School, an der Lanza einst Schüler war. Manchmal habe sich Lanza komplett aus seinen Aufgaben zurückgezogen, egal ob es darum ging, ein Buch zu lesen oder im Unterricht zu sitzen, sagt Novia.

"Waffen waren ihr Hobby"

Lanza wuchs in der scheinbar heilen Welt der US-Vororte auf. Zunächst lebte er mit seinen Eltern und seinem Bruder Ryan Berichten zufolge in Kingston im Bundesstaat New Hampshire, Ende der neunziger Jahre zog die Familie nach Newtown. Der Vater machte als Steuerexperte Karriere. Lanzas Eltern trennten sich 2008. Während der vier Jahre ältere Ryan dem TV-Sender ABC zufolge bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young seine berufliche Laufbahn begann, wohnte Adam weiter bei seiner Mutter in dem gediegenen Einfamilienhaus in einem wohlhabenden Viertel von Newtown.

Die Rolle von Nancy Lanza bleibt ein Rätsel (mehr zu ihr lesen Sie hier). Entgegen erster Berichte arbeitete sie nicht als Lehrerin an der Grundschule, in der ihr Sohn die Bluttat beging. Laut ABC war sie möglicherweise aber ehrenamtlich für die Schule tätig gewesen. Womit Nancy Lanza ihren Lebensunterhalt bestritt, war unklar. Früher soll sie in der Finanzbranche gearbeitet haben. Bekannte beschrieben die Frau in der "New York Times" und der "Washington Post" als gesellig - aber auch als zurückhaltend, sobald es um ihr Privatleben und vor allem um Adam ging.

In ihrem Haus hatte Nancy Lanza einen gut bestückten Waffenschrank. Auf ihren Namen sind Berichten zufolge zwei Handfeuerwaffen, zwei Jagdgewehre und ein halbautomatisches Gewehr der Marke Bushmaster registriert gewesen. "Waffen waren ihr Hobby", sagte Gärtner Dan Holmes, den sie mit der Verschönerung ihres Anwesens beauftragte, der "Washington Post". "Sie sagte mir, dass ihr beim Schießen die Zielstrebigkeit gefalle." Auch soll sie davon gesprochen haben, ihren Sohn Adam mit auf eine Schießbahn zu nehmen.

Am vergangenen Freitag erschoss Adam Lanza mit einer der Waffen seine eigene Mutter, ehe er zur Sandy-Hook-Grundschule fuhr. Zu den rätselhaften Details der Bluttat gehört auch, dass der junge Mann einen Ausweis seines Bruders bei sich getragen haben soll. Die Polizei hielt daher zunächst Ryan für den Schützen. Ryan Lanza, der offenbar in seinem Büro bei Ernst & Young in New York saß, reagierte laut ABC mit einer Serie von Botschaften auf dem Online-Netzwerk Facebook - und versuchte verzweifelt klarzustellen, dass er nicht der Amokläufer sei.

Sein Vater Peter Lanza zeigte sich bestürzt über die Tat: "Auch wir fragen uns: warum?"

kgp/lei/AP/AFP/Reuters

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Der 18-jährige Sebastian B. schießt in seiner ehemaligen Schule im westfälischen Emsdetten um sich. Elf Menschen werden verletzt. Mehr auf der Themenseite...
2. Oktober 2006: Pennsylvania, USA
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8. Juni 2001: Osaka, Japan
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20. April 1999: Littleton/Colorado, USA
Beim Schulmassaker von Littleton stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die Columbine Highschool in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen. Mehr auf der Themenseite...
24. März 1998: Jonesboro/Arkansas, USA
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22. Mai 1997: Brasilien
Im Nordosten Brasiliens bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche Homosexualität .

28./29. April 1996: Tasmanien
35 Menschen fallen dem Amokläufer Martin Bryant auf der australischen Insel Tasmanien zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
13. März 1996: Dunblane, Schottland
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen Dunblane 16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
23./24. September 1995: Toulon, Frankreich
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen Toulon insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
16. Oktober 1991: Killeen/Texas, USA
Im texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
Dezember 1989: Montréal , Kanada
An der Polytechnischen Hochschule von Montréal kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige Marc Lépine erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
18. Juli 1984: Kalifornien, USA
In einem Schnellrestaurant in San Diego erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
1. August 1966: Universität von Texas, USA
An der Universität von Texas schießt der Amokläufer Charles Whitman mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
11. Juni 1964: Volkhoven bei Köln
Beim Attentat von Volkhoven bei Köln stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.