Amoklauf in Newtown: Er erschoss zwölf Mädchen, acht Jungen und sechs Frauen

Von und Sebastian Moll, Newtown

Zwischen sechs und sieben Jahren waren die Kinder, die Adam Lanza erschoss. Acht Jungen, zwölf Mädchen - alle wurden von mehreren Kugeln getroffen. Im Ort versteht niemand, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Nun reist Präsident Obama nach Newtown, um den Familien der Toten Trost zu spenden.

AFP

Newtown - Es war das Schlimmste, was H. Wayne Carver in seiner 30-jährigen Karriere als Mediziner erlebt hat. Der Oberste Gerichtsmediziner des Bundestaates Connecticut hat mit seinem Team die Leichen des Amoklaufs von Newtown obduziert. Zwölf Mädchen lagen vor den Experten, acht Jungen, sechs Frauen. Gestorben am Freitag in ihrer Grundschule Sandy Hook durch Kugeln, die Adam Lanza auf sie abgefeuert hat. Die Kinder waren alle sechs oder sieben Jahre alt. Erstklässler.

Charlotte Bacon, 6. Daniel Barden, 7. Olivia Engel, 6. Josephine Gay, 7. Ana M. Marquez-Greene, 6. Dylan Hockley, 6. Madeleine F. Hsu, 6. Catherine V. Hubbard, 6. Chase Kowalski, 7. Jesse Lewis, 6. James Mattioli, 6. Grace McDonnell, 7. Emilie Parker, 6. Jack Pinto, 6. Noah Pozner, 6. Caroline Previdi, 6. Jessica Rekos, 6. Avielle Richman, 6. Benjamin Wheeler, 6. Allison N. Wyatt, 6.

Die Namensliste hat die Polizei am Samstag veröffentlicht. Auch die Namen der sechs Frauen, die an der Grundschule angestellt waren und dort getötet wurden, stehen auf dem Papier: Rachel Davino, 29. Dawn Hochsprung, 47, sie war die Schulleiterin. Anne Marie Murphy, 52. Lauren Rousseau, 30. Mary Sherlach, 56. Victoria Soto, 27.

Von den 20 Kindern starben 18 am Tatort, zwei wurden noch ins Krankenhaus gebracht. Aber sie überlebten nicht. Nur ein Opfer des Amokläufers hat verletzt überlebt. Die Person liegt in der Klinik und spricht mit der Polizei.

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20  Bilder
Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule: Die Tragödie von Newtown
Für das Attentat nutzte Lanza ein halbautomatisches Sturmgewehr, gab die Polizei am Abend bekannt. Bei der Leiche des Täters wurde auch eine Glock 9 Millimeter und eine Sig Sauer gefunden, beides Pistolen. Doch nach Angaben des Gerichtsmediziners wurden alle Opfer mit dem Gewehr erschossen. Alle Opfer wurden von mehreren Kugeln getroffen, sagte Carver. Bis zu elf Kugeln entdeckte er in den Körpern.

Die Familien haben die Opfer nicht gesehen. Ihnen wurden Fotos gezeigt, um ihre Lieben zu identifizieren. Das sei besser in dieser Phase des Schmerzes, sagte Carver. Er selber sei nicht emotional betroffen, er habe eben viel Erfahrung. Dann verbesserte er sich: Er sei noch nicht betroffen.

Am Abend sprach Robbie Parker live im TV über den furchtbaren Verlust, den seine Familie erlitten hat: Seine Tochter Emilie wurde nur sechs Jahre alt. Eindringlich bat er darum, die Liebe und das Mitgefühl nicht zu vergessen, in diesen schlimmen Zeiten. Das Letzte, was seine Tochter zu ihm gesagt habe, war: "I love you, Daddy."

Auch die Familie des Täters meldete sich zu Wort. Lanzas Onkel sagte, die Gebete und Herzen der Familie seien bei jenen, die einen ihrer Lieben verloren hätten. Die Großmutter des Täters sprach die "tiefempfundene Trauer" der Familie über den unfassbaren Verlust Unschuldiger aus, von dem so viele Menschen betroffen seien.

"Das war unser 11. September"

Betroffen sind nicht nur die Familien, die Einsatzkräfte, die Forensiker. Der ganze Ort steht unter Schock. Am Sonntagabend wird Präsident Barack Obama nach Newtown reisen und die Familien der Toten treffen und Helfern seinen Dank aussprechen.

Am Tag des Amoklaufs hatte Chris Vadas von der Polizei des Nachbarortes Redding eigentlich frei, er frühstückte im Café, als er zum Einsatz gerufen wurde. Es sollte der schlimmste Tag seiner Polizistenlaufbahn werden. Vadas wurde abkommandiert, den Sanitätern zu helfen, die an der Feuerwache die Opfer in Empfang nahmen. An Details kann er sich einen Tag später kaum erinnern, sein Gedächtnis scheint ihm das vorläufig zu ersparen. Nur eines kann er nicht vergessen: den schweren, schlaffen Körper eines sechs Jahre alten Jungen.

"Das war unser 11. September", sagt Vadas. Er regelt am Samstag am Sportplatz des Ortes, der zu einem improvisierten Pressezentrum umgewandelt wurde, den Verkehr. Vorher habe es hier in Newtown vielleicht alle zehn Jahre einmal ein Gewaltverbrechen gegeben. Das hier sei genug für die nächsten hundert Jahre.

Inzwischen werden immer mehr Details über Adam Lanzas letzte Tage bekannt. Am Dienstag, drei Tage vor dem Massaker, versuchte er, sich in einem Laden in Connecticut eine eigene Waffe zu besorgen, meldet NBC unter Berufung auf Vertreter der Bundesbehörden. In Danbury in Connecticut sei er in den Laden Dick's Sporting Goods gegangen, dort habe er aber die gewünschte Waffe nicht sofort bekommen. Er habe aber die erforderliche Personenüberprüfung abgelehnt und auch nicht die Frist von 14 Tagen abwarten wollen.

Das Sturmgewehr, das Lanza für die Morde nutzte, war auf seine Mutter angemeldet. Ebenso die Glock 9 Millimeter und die Sig Sauer, die bei der Leiche des Täters gefunden wurden. Er nutzte nur das Gewehr.

Streit zwischen Lanza und Schulangestellten

Am Donnerstag, das melden NBC und CNN unter Berufung auf Ermittler, soll es an der Schule einen heftigen Streit zwischen Lanza und vier Schulangestellten gegeben haben. Drei der vier Angestellten sollen unter den Todesopfern sein. Die vierte Person war am Tag des Attentats nicht an der Schule und wird derzeit von der Polizei befragt. CNN meldet zudem, die Auseinandersetzung habe offensichtlich damit zu tun gehabt, dass Lanza sich Zugang zur Schule habe verschaffen wollen.

Die Leichen von Lanza und seiner Mutter Nancy werden am Sonntag untersucht. Die Frau starb in ihrem Haus in der Yogananda Street in Newtown, ihr Sohn hat sich laut Augenzeugen selbst in der Grundschule erschossen.

Hier finden Sie den Tatablauf, wie Zeugen ihn geschildert haben.

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22. Mai 1997: Brasilien
Im Nordosten Brasiliens bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche Homosexualität .

28./29. April 1996: Tasmanien
35 Menschen fallen dem Amokläufer Martin Bryant auf der australischen Insel Tasmanien zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
13. März 1996: Dunblane, Schottland
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen Dunblane 16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
23./24. September 1995: Toulon, Frankreich
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen Toulon insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
16. Oktober 1991: Killeen/Texas, USA
Im texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
Dezember 1989: Montréal , Kanada
An der Polytechnischen Hochschule von Montréal kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige Marc Lépine erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
18. Juli 1984: Kalifornien, USA
In einem Schnellrestaurant in San Diego erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
1. August 1966: Universität von Texas, USA
An der Universität von Texas schießt der Amokläufer Charles Whitman mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
11. Juni 1964: Volkhoven bei Köln
Beim Attentat von Volkhoven bei Köln stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.