Amoklauf an Highschool in Texas Polizeichef kritisiert Handlungsunwilligkeit der Politiker

Nach dem Amoklauf an einer Schule in Houston folgt die Debatte zwischen Befürworten und Gegnern schärferer Waffengesetze den eingeübten Pfaden. Nur der Polizeichef der Metropole haut dazwischen.

Art Acevedo, Polizeichef von Houston, Texas
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Art Acevedo, Polizeichef von Houston, Texas


Nach dem tödlichen Amoklauf an der Santa Fe High School in Houston, Texas, greift der Polizeichef der Metropole mit energischen Worten in die Debatte ein: "Ich werde weiterhin einstehen für das, was mein Herz und mein Glaube mir befehlen. Und Gott hat mir nicht befohlen zu glauben, dass er unsere Waffengesetze gemacht hat".

Es ist bereits der 22. Amoklauf an einer Schuleinrichtung in den USA allein in diesem Jahr. Zuletzt hatte das Schulmassaker von Parkland in Florida im Februar für landesweite Proteste gesorgt. Unter dem Motto "March for our Lives" hatten Hunderttausende Menschen, vor allem Jugendliche, gegen die geltenden Waffengesetze demonstriert.

Als Trump nach dem Parkland-Shooting im Weißen Haus mit Überlebenden von Amokläufen und deren Angehörigen zusammensaß, machte er unter dem Druck des öffentlichen Aufschreis zwei Ankündigungen: Er wolle die Sicherheitsüberprüfungen für Käufer von Waffen entscheidend verbessern, und er wolle das Mindestalter zum Kauf von Sturmgewehren von 18 auf 21 Jahren anheben, erklärte er.

Die unheimliche Macht der NRA

Getan hat sich seitdem wenig. Auch nach den Schüssen von Houston wirkt die Debatte inzwischen fast schon wie Folklore: Auf der einen Seite stehen die, die schärfere Waffengesetze fordern und hoffen, dadurch vergleichbare Taten verhindern zu können. Auf der anderen Seite die in der National Rifle Association (NRA) vereinten Waffenliebhaber, die sich gegen jede Einschränkung entschlossen und seit Jahren wehren. Sie sind gut vernetzt und extrem einflussreich.

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Schüsse an US-Schule: "Es sieht nicht gut aus"

Gerade deshalb ist es verwunderlich, wie wenig zurückhaltend Acevedo kommuniziert. Grundsätzlich gilt nämlich: Wer in den USA ein Amt bekleidet und daran hängt, sollte sich lieber nicht mit der NRA anlegen. Senator Ted Cruz, während seines Wahlkampfes großzügig von der NRA unterstützt, verließ deshalb auch nach dem Amoklauf von Houston nicht das Areal der für diese Fälle abgesteckten Sprachregelungen: "Wir haben hier heute das Gesicht des Bösen gesehen", sagte er in einem Statement nach dem Shooting. Einzelne, verwirrte Individuen, zusammengefasst als "das Böse", nicht der laxe Zugang zu Waffen, sind für Taten wir in Texas verantwortlich - das ist die Position der NRA in der Debatte.

Auf Twitter sandte er den Angehörigen der Opfer die Versicherung, er würde sie in sein Gebet einschließen - und wurde dafür von anderen Twitter-Usern mit einem Shitstorm überzogen. Er solle nicht beten, sondern Gesetze erlassen, so der Tenor.

Schluss mit Luftig

In die gleiche Kerbe schlug auch Acevedo in seinem Facebook-Statement: "Jetzt ist nicht die Zeit der Gebete und Passivität. Es ist die Zeit gekommen für Gebete, konkrete Maßnahmen und Gottes Gnade für unsere bisherige Tatenlosigkeit (das gilt besonders für unsere gewählten Abgeordneten, die heute einmal mehr feierlich vor die Kameras traten, Gebete ankündigten und wieder einmal rein gar nichts tun werden)". Ein nicht mal ansatzweise kaschierter Seitenhieb auf Cruz.

Acevedo ist indes nicht unerfahren im Gefecht mit den Anhängern des Zweiten Verfassungszusatzes, der den Besitz von Waffen in den USA nahezu uneingeschränkt gestattet. Bereits im Januar 2015 war er ins Kreuzfeuer konservativer Blogger geraten, nachdem er nach einer Schießerei dazu geraten hatte, dass Bürger Nachbarn oder Freunde, die extreme politische religiöse Ansichten vertreten, erkennbar von Hass getrieben und gleichzeitig Waffenliebhaber sind, bei der Polizei melden sollen. Die Aussage von Acevedo war von den Bloggern so verkürzt worden, dass dem hochrangigen Beamten vorgeworfen wurde, er wolle grundsätzlich alle Waffenliebhaber überprüfen lassen.

Acevedo scheint das nicht anzufechten. Schon nach dem Amoklauf von Parkland bezog er Stellung, lief bei "March for our Lives"-Zügen mit. Ihm setzen eher die Taten selbst und die Tatenlosigkeit der Politiker zu. "Ich habe meinen absoluten Tiefpunkt erreicht", schreibt er in seinem Facebook-Post. "Bitte schreibt hier nichts im Sinne von 'Waffen sind nicht das Problem' oder 'wir sind machtlos'".



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WolfThieme 20.05.2018
1. NRA forever
Die Stimme des Polizeichefs wird verhallen wie alle Rufer in der Wüste. Es werden weiter stolze Hähne mit sichbaren Waffen am Gürtel durch die Straßen von Texas laufen, weil doch jeden Moment ein Angriff von Comanchen oder Apachen droht, aber sie sind mit ihren schönen Pistolen leider nie zur Stelle, wenn sich Kinder und Jugendliche an Schulen in Kleiderkammern verstecken müssen. Was für Helden.
M. Michaelis 20.05.2018
2.
Ich halte was die USA betrifft nichts von sehr restriktiven Waffengesetzen aber eines ist klar. Die USA haben massives Gewaltproblem und da kann man die Waffengesetze nicht unangetastet lassen denn es gibt in den USA eindeutig zu viel zu viele Schusswaffenopfer.
schumbitrus 20.05.2018
3. Waffenlobbyismus ist auch nur ein Industrie-Lobbyismus ..
Klar kann man jetzt den Finger heben und auf "blöde Amerikaner" zeigen, die sich ihre Kinder indirekt durch Waffen-Lobbyisten abschießen lassen. Tatsächlich ist es aber auch nur Lobbyismus und jede Nation hat ihren Fetisch - oder warum dürfen bei uns die Diesel-Kfz die Menschen in den Städten vorzeitig und ohne Entschädigung ins Krankenhaus oder aufs Sterbe-Bett bringen?! Auch bei uns machen doch Industrie-Lobbyisten nur ihr schmutziges Geschäft, indem sie im legalen Fall den Politikern wirtschaftlich lukrative Halbwahrheiten ins Ohr schrauben - oder im realistischen Fall schlicht Bestechungen und Dreh-Türen auf Frühstücks-Direktoren-Posten organisieren! Klar ist das Waffengeschäft blutig, aber es sind die gleichen Mechanismen, die unsere Politiker dazu bewegen, unsere Umwelt sehenden Auges zu zerstören oder - etwas weiter gefasst - durch persönliche Erpressbarkeit dann auch Wirtschaftssanktionen in Ländern wie Venezuela oder damals Irak zuzustimmen - wo man dann die Menschen an Hunger und Armut sterben lässt, weil den Machthabern unserer Demokratie das politische System dort ökonomisch zu aufmüpfig ist. Ganz einfach: Es ist Korruption - hüben wie drüben - die verhindert, das Politiker nach eigenem Gewissen und verstand, sondern nach dem Willen einflussreicher Kreise GESETZE über uns alle ERLASSEN! Wenn die Amis eben ihren Waffen-Fetisch gegen den gesunden Menschenverstand ausleben, dann tun wir das mit dem Auto - und gemeinsam haben wir das Problem, die meisten sich ihr Hirn von neo"liberalen" Wölfen in Schafspelzen haben weich reden lassen - bei uns konnten sich die Prediger von der FDP noch dafür bezahlen lassen ;-) Es ist das System, das krank ist - genau so krank wie seinerzeit der Sozialismus in der UdSSR!
pirx64 20.05.2018
4. Beten
Beten kostet nichts, ist nicht nachprüfbar ob gemacht, also der einfachste Weg für alle, die nichts ändern wollen oder denen es am Hintern vorbei geht
labellen 20.05.2018
5. Eigentlich sollten in den USA Polizisten als erste
gegen die bestehenden Waffengesetze auf die Straße gehen. Nur - sie tun es nicht. Der zitierte Polizeichef dürfte also das Pensionierungsalter schon oder nahezu erreicht haben.
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